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Ludwigsfelde Genshagen: Arbeiten ohne Wissen der Denkmalschutzbehörden
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Genshagen: Arbeiten ohne Wissen der Denkmalschutzbehörden

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07:03 22.12.2021
Das Gelände der ehemaligen Deutschlandhalle soll als Industriefläche vermarktet werden.
Das Gelände der ehemaligen Deutschlandhalle soll als Industriefläche vermarktet werden. Quelle: fotos: Udo Böhlefeld (2)
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Ludwigsfelde

Was geschieht auf dem Gelände des ehemaligen Daimler Flugzeugmotorenwerks? Diese Frage stellen sich inzwischen auch die Denkmalschützer der Unteren Denkmalbehörde in Luckenwalde sowie der Landesdenkmalbehörde in Wünsdorf.

Dass das Areal um die ehemalige Deutschlandhalle vermarktet und darauf ein weiteres Gewerbegebiet entstehen soll, ist nicht neu. Neu aber ist, dass dort erste Aktivitäten stattgefunden haben. Über das gesamte Gelände verteilt haben zahlreiche Bohrungen stattgefunden. Im Osten des Geländes, gleich an der Grenze zum Nachbargrundstück, ist mit einem Bagger ein rund zehn Quadratmeter großes Loch ausgehoben worden.

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Das mit einem Bagger ausgehobene Loch reicht bis an eine mögliche Fundamentkante. Es könnte sich dabei um das Untergeschoss der Deutschlandhalle handeln. Quelle: Udo Böhlefeld

Deutschlandhalle des Daimler Benz Motorenwerks

Bauarbeiten auf einem Areal, auf dem eine Industriepark entstehen soll, sind zunächst nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich aber ist, dass sie auf einem Gelände stattfinden, auf dem archäologisch bedeutsame Funde vermutet werden. Im Untergeschoss der ehemals hier stehenden Deutschlandhalle des Daimler Benz Motorenwerks befand sich während des Zweiten Weltkriegs eine Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück.

Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück

Rund 1100 Frauen aus Ungarn, Polen, Frankreich, Russland, der Ukraine und Deutschland waren hier in den letzten Kriegsmonaten untergebracht. Das KZ Außenkommando Genshagen war eines von 60 Außen-Arbeitslagern des KZ Ravensbrück.

Bohrungen wie diese finden sich zahlreich auf dem Gelände. Quelle: Udo Böhlefeld

Am kurzen Bauzaun am Birkengrund, der die Zufahrt nur symbolisch verwehrt, hängt seit Jahren ein Schild, demzufolge die rund 87 000 Quadratmeter Industriegrund zu verkaufen oder zu vermieten sind. Unter der angegebenen Rufnummer war niemand zu erreichen. Auch die Stadt Ludwigsfelde konnte über die auf dem Gelände stattfindenden Aktivitäten keine Auskunft geben. „Das ist Privatgelände“, hieß es. Dass das Gelände unter Bodendenkmalschutz stehe, verneinte die Verwaltung auf Anfrage der MAZ.

Bodendenkmalvermutungsareal in Genshagen

Ganz anders die Landesdenkmalbehörde in Wünsdorf. Dort zeigt sich Thomas Kersting erstaunt, dass es Bohrungen und Arbeiten mit schwerem Gerät auf dem Gelände gegeben hat. Der Dezernatsleiter für Bodendenkmalpflege beim Brandenburgischen Landesamt: „Das ganze Gebiet ist als archäologische Fundstelle bekannt. Wie kann es sein, dass dort Bodenarbeiten stattgefunden haben oder stattfinden, ohne dass wir davon wissen?“ Nach dem brandenburgischen Denkmalschutzrecht reicht bereits ein einzelner archäologischer Fund, um ein Gebiet als „Bodendenkmalvermutungsareal“ zu klassifizieren.

Ein ehemaliges Lager aus der Zeit des Dritten Reiches, zumal es sich um ein Außenlager des KZ Ravensbrück handelt, sei in jedem Fall Grund genug, dass man sich damit eingehender beschäftigt, bevor dort Arbeiten ohne das Wissen der Denkmalschützer im Landkreis oder im Land stattfinden.

Stefan Pratsch von der Unteren Denkmalbehörde in Luckenwalde war gleichermaßen überrascht von dem Hinweis auf Arbeiten auf dem ehemaligen Daimler Benz-Grundstück. Beide Denkmalschützer wollen nun erstmal der Frage nachgehen, wer die Arbeiten veranlasst hat und welchen denkmalrechtlichen Status das Gelände nun endgültig hat.

Von Udo Böhlefeld