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18:23 10.10.2019
Heinz Probst vor seinem Lieblingsmotto: Kinder, die auf dem Fahrgeschäft lächeln. Quelle: Udo Böhlefeld
Ludwigsfelde

Was für ein Jubiläum: Die Schaustellerbetriebe Probst richten die 50. Herbstkirmes auf dem Festplatz in der Potsdamer Straße aus: Vom 11. bis zum 14. Oktober geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund in Ludwigsfelde.

Die Schaustellerdynastie Probst

Heinz Probst ist in das Schaustellergewerbe hineingeboren. Schon sein Vater zog, damals noch in der DDR, ab 1969 mit seinen Fahrgeschäften hauptsächlich durch den Süden Brandenburgs. 1984 hat der 23-jährige Heinz das Geschäft vom Vater übernommen, erzählt er in seinem riesigen „Wohnwagen“. Die Ausmaße dieses fahrbaren Heims überschreiten das der in Mode gekommenen „Tiny Houses“, kompakter kleiner Häuser für das Leben auf kleinstem Raum, deutlich. Sitzecke, supermoderne Küche, verborgen hinter einer Wand noch der Zugang zum Bad und vermutlich zum Schlafzimmer. „Wenn man im März losfährt und im Oktober oder November erst wieder nach Hause kommt, dann braucht man ein solches Heim aber auch“, sagt Probst, der in Schkeuditz geboren ist und dann bis 2016 in Güterfelde gelebt hat, einem Ortsteil von Stahnsdorf. Inzwischen haben er und seine Frau Ines auch dort ihre Zelte abgebrochen und sind nach Herzberg gezogen. Aber letztlich sind sie ja auch dort kaum länger als rund drei Monate im Jahr.

Eine Fahrt für zwei Groschen

Den großen Rest des Jahres ziehen sie von Stadt zu Stadt, Gemeinde zu Gemeinde. „Früher hat unser Schaustellerjahr in Ludwigsfelde begonnen und ist im Herbst in Ludwigsfelde zu Ende gegangen“, beschreibt er. Früher. Da hat eine Fahrt mit dem Kinder- oder dem Kettenkarussell auch noch zwei Groschen gekostet. Die Schrippe gab es für einen oder auch weniger. So sind auch die Preise für eine Fahrt inzwischen ein wenig gestiegen. „Zwei Mark oder Zweifuffzich sind aber doch immer noch bezahlbar im Vergleich zu den Fahrten auf immer neuen und technisch weiter entwickelten Attraktionen“, findet er. Die sind dabei in jedem Fall schlechter kalkulierbar. Mitte der 90er Jahre hatte er auch mal Geld in so ein Fahrgeschäft gesteckt. In zehn Jahren, so hatten sie damals gerechnet, würde sich das Karussell amortisiert haben. Geworden sind es dann siebzehn, und die Zeit, die es mehr gebraucht hat, hat ihn nicht nur Geld sondern auch die blonde Farbe seiner Haare gekostet. Zwischen Dresden, Cottbus, Senftenberg und Lübbenau und manchmal bis Schwedt treibt es die Schaustellerfamilie durchs Land. Die drei Kinder, die immer dabei waren, und die jede Woche in eine andere Schule gingen, sind inzwischen erwachsen. Aber auch sie scheinen den Virus abbekommen zu haben – jedenfalls ist Heinz Probst optimistisch, dass die Schaustellerfamilie Probst auch die nächsten fünfzig Jahre im Geschäft bleiben wird. Denn die jungen Probsts ziehen zwar nicht unbedingt mit dem Vater mit, aber sie sind im gleichen Gewerbe. Nur eben manchmal an völlig unterschiedlichen Orten.

Fackelumzug ab 18 Uhr

Von Freitag bis Montagabend findet nun auf der Festwiese wieder die schon traditionelle Herbstkirmes statt. Dabei warten zahlreiche Attraktionen auf Groß und Klein: Piratenschaukel, Freefall-Turm, eine 40 Meter lange Rutsche, Autoscooter, der bayrische Gaudischunkler und auch die von Heinz Probst selbst gebaute Schießbude.

Den Anfang macht wieder der traditionelle Fackelumzug vom Nettoparkplatz zur Festwiese, der vom KC Blau Weiß Ludwigsfelde organisiert wird und der für Fackeln und gute Musik sorgt. Treffpunkt auf dem Nettoparkplatz ist um 18 Uhr, um 18.30 Uhr geht es los zur Festwiese, wo um 19 Uhr der Rummel startet. Gefeiert werden darf am Freitag und Samstag bis 22 Uhr, am Sonntag bis 20 Uhr und am Montag leider nur bis 19 Uhr. Denn dann heißt es Abbauen, Aufräumen und ab zum nächsten Fest. Ob das nun in Wünsdorf in der Nachbarschaft oder in Klötze bei Stendal stattfindet.

Eine große Familie

Organisiert wird das alles inzwischen mit modernsten Kommunikationsmitteln. Früher war das mit Schreibarbeiten ohne Ende verbunden. Wohlgemerkt: Zu DDR-Zeiten waren Telefone Luxus. „Da hatte Großmutter ein Telefon und vielleicht noch zwei andere im Dorf. Da kam das halbe Dorf, um bei ihr zu telefonieren.“ Und heute? Liegt vor Heinz Probst ein Handy, die Kommunikation der Schausteller untereinander findet per Mail oder in einer WhatsApp-Chatgruppe statt. Dort wo man vor wenigen Wochen erst über die Nachricht diskutiert hat, dass das Baumblütenfest in Werder/Havel nicht mehr stattfinden soll. „Und dort haben wir dann auch organisiert, dass zwölf Lkw zur Demonstration nach Werder fahren und die Schausteller dort unterstützen. Wir sind schließlich alle eine große Familie“, sagt Heinz Probst.

Von Udo Böhlefeld

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