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Ludwigsfelde Geschichten vom Hausarzt der Schwerverbrecher
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Geschichten vom Hausarzt der Schwerverbrecher
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17:48 19.11.2019
Joe Bausch bei seiner Lesung Quelle: Jutta Brekeller
Ludwigsfelde

Ein lautes Schnaufen ins Headset-Mikro kündigt ihn an, noch bevor er die Bühne betritt. Der Ton stimmt. Er füllt den großen Saal im Ludwigsfelder Klubhaus. Ebenso wie der Mann selbst. Joe Bausch, der Schauspieler, Gefängnisarzt und Buchautor, zeigt dem Ludwigsfelder Publikum gleich zu Beginn, mit wem es da zwei Stunden lang zubringen wird. Stimmgewaltig und mit obsessivem Redefluss zieht er es in seinen Bann. Wer da mit den Gedanken abschweift, hat verloren. Bausch, der am Montagabend auf Einladung der Ludwigsfelder Brunnen-Buchhandlung sein zweites Buch „Gangsterblues“ vorstellt, erzählt von sich, seinem Leben als Schauspieler und den Begegnungen mit Insassen der Justizvollzugsanstalt in Werl, ein Hochsicherheitsgefängnis, wo er 32 Jahre lang bis zum 30. November 2018 als Arzt arbeitete.

Über Umwege zum Beruf

Bevor er Arzt wurde, hat Joe Bausch Theaterwissenschaften, Politik und Germanistik studiert. Er stand auf der Bühne, vor der Kamera und hat Regie geführt. Sein erstes eigenes Stück „Ein Mörder hält Gericht“ brachte er 1981 auf die Bühne. Er liebt schwierige Stücke. Provokant müssen sie sein und obsessiv. Deshalb hält er es wohl auch mehr als dreißig Jahre als Gefängnisarzt aus. Denn der Alltag dort ist nichts für Zartbesaitete. Er ist auch anders als in jedem Krimi. Selbst Dokumentationen könnten das wahre Leben im Knast nicht zeigen, meint Bausch.

Joe Bausch, nahm sich Zeit für das Publikum Quelle: Jutta Brekeller

Bausch will zeigen, wie es im Knast zugeht

Ein Grund, weshalb er das Buch geschrieben habe. Er wolle zeigen, wie es in den Haftanstalten zugehe. In den Gefängnissen säßen mehr psychisch Kranke als in der Psychiatrie. Die Alterskriminalität nehme zu. Auch hätten immer weniger „Knastis“ einen Beruf gelernt, seien nicht sozialisiert, hätten eigene Moralvorstellungen. Den Weg in ein normales Leben würden daher nach der Entlassung nur wenige schaffen. Bausch ist überzeugt, dass man das ändern kann. Er engagiert sich im „Weißen Ring“ und in eigenen Projekten, wie dem kürzlich im Ruhrgebiet gegründeten für mehr Zivilcourage. Armut sieht er als starke Triebfeder für Gewalt. Kriminell zu sein, sei in solchen Lebenssituationen der einzige Weg, um an Geld zu kommen.

Blick in Abgründe

Der Hausarzt der Schwerverbrecher, wie Bausch sich selbst nennt, hat aus den Ermittlungsakten Dinge erfahren, die jede Vorstellungen sprengten. „Man gewinnt einen tiefen Blick in Abgründe“, sagt er. Als Schauspieler habe ihn das alles sehr interessiert. „Die Typen, die ich spielte, standen plötzlich real vor mir.“ Ihn interessiert, wo das Böse herkommt. Warum wird jemand, wie in der Geschichte „Mörderkind“, zum eiskalten Mörder, obwohl er als Adoptivkind ein behütetes, liebevolles Leben hatte. Sind es wirklich die ersten Lebensmonate, die sich einbrennen?

Darüber redet er auf den Lesungen. Das nach harten Geschichten hungrige Ludwigsfelder Publikum, hat es ihm offenbar angetan. Bausch signiert, plauscht und steht für Selfis zur Verfügung. Spätestens 2021 will er wiederkommen. Dann soll sein nächstes Buch fertig sein.

Von Jutta Brekeller

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