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Ludwigsfelde Gewalt: Jeden dritten Tag wird eine Frau getötet
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Gewalt: Jeden dritten Tag wird eine Frau getötet
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16:07 26.11.2019
Kamen zur Lesung: Polizeioberkommissarin Claudia Sponholz, Gleichstellungsbeauftragte Christiane Witt, Antje Grube, Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Friedrich und Gleichstellungsbeauftragte Peggy Heydick (v.l.). Quelle: Marlene Schmidt
Rangsdorf

Gewalt gegen Frauen – die neuen Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) sind alarmierend. Demnach wird jeden dritten Tag eine Frau vom Partner oder Ex-Partner ermordet. 141.000 angezeigte Fälle von häuslicher Gewalt gab es im 2018 bundesweit. 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Die Dunkelziffer wird noch viel höher geschätzt. 122 Frauen wurden dabei getötet. Allein im Landkreis Teltow-Fläming gab es im Vorjahr 157 Fälle von häuslicher Gewalt. 2017 waren es 143. Am Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen gab es in Rangsdorf eine Lesung zum Thema Gewalt gegen Frauen.

Zur Lesung ins Gedok-Haus in der Seebadallee 45 kamen auch die Gleichstellungsbeauftragte vom Landkreis Teltow-Fläming, Christiane Witt, die Gleichstellungsbeauftragten der umliegenden Gemeinden, sowie die Oberkommissarin für Opferschutz und Gewaltprävention Claudia Sponholz aus Luckenwalde. Christiane Witt: „Noch nie habe ich von dieser Thematik so viel gehört wie gestern und heute. Gewalt hat viele Facetten. Zwangsprostitution, Menschenhandel – das größte Ausmaß hat die häusliche Gewalt. Ein Thema, das oft unter dem Deckel bleibt.“

Frauen befinden sich in einer Gewaltspirale

Die Rangsdorfer Autorin Antje Grube liest vor 14 Zuhörern aus dem Buch „Geraubte Liebe“ der italienischen Autorin Dacia Maraini. Es geht um eine junge Frau (18), die immer wieder in der Notaufnahme eines Krankenhauses erscheint. Übersät mit blauen Flecken, blutiger Nase oder gebrochenem Arm. Der Arzt glaubt ihr nicht, dass sie ständig die Treppe runterfällt und erstattet Anzeige. Denn er vermutet, dass die Frau misshandelt wird. Doch die Sozialarbeiterin ist bei ihrem Besuch überrascht, wie gepflegt und sauber die Wohnung ist, wie höflich und nett der Ehemann. Sie glaubt nicht, dass er gewalttätig ist. Die junge Frau bleibt am Ende bei ihren Mann.

Christiane Witt spricht von einer Gewaltspirale, in der sich Frauen befinden: „Sie gehen ins Frauenhaus und dann doch wieder zurück. Er ist ja der Vater der Kinder, vielleicht hat er es ja nicht so gemeint.“ In Teltow-Fläming gibt es zwei Frauenhäuser. „Sie sind permanent belegt. Wir haben leider viel zu wenig Personal, um den Frauen richtig den Weg zu weisen und in den Kommunen gibt es kaum Ansprechpartner“, beklagt Witt und ergänzt: „Die Frauen brauchen starke Frauen an ihrer Seite, die ihnen helfen und die hauptamtlich arbeiten. Für alles ist Geld da, aber für in Not geratene Menschen arbeiten Ehrenamtliche.“

„Weil Männer allesamt Feiglinge sind, erbärmliche Würstchen“

Oberkommissarin Claudia Sponholz ist seit 2003 Opferschutzbeauftragte: „Einige Frauen haben schon Nahtoderfahrungen gemacht. Die Meinung ,ich kann ja sowieso nichts machen’ begegnet einem immer häufiger. Viele Frauen schaffen den Absprung nicht. Es ist auch schwierig, wenn Kinder mit im Spiel sind.“ Claudia Sponholz sagt misshandelten Frauen, an wen sie sich wenden können.

Antje Grube liest aus dem Buch „Geraubte Liebe“ von Dacia Maraini. Quelle: Marlene Schmidt

Die Autorin Antje Grube hat zu der Thematik Gewalt gegen Frauen eigens eine Kurzgeschichte verfasst, die zu ihrem Buch „Was liest eigentlich Gott?“ gehört. Auf die Frage, nach dem warum geben ihre Geschichtsfiguren Kleopatra, Gandhi, Anne Frank und Gott Antworten. Kleopatra sagt: „Aus Liebe bestimmt nicht. Weil Männer allesamt Feiglinge sind, erbärmliche Würstchen.“ Gandhi räuspert sich nur, während er Whisky trinkt. Anne Frank sagt: „Zum Glück sind nicht alle Männer so.“ Gott sitzt im Schaukelstuhl, liest ein Buch und sagt dazu: „Sieh mich nicht so an, wen soll ich strafen, den Mann, der seine Frau schlägt oder den Vater des Mannes, der seine Mutter umgebracht hat?“

Bund stellt 120 Mio Euro für Frauenhäuser bereit

Was die Gleichstellungsbeauftragten im Einzelnen über Teltow-Fläming berichten, spiegelt sich auch bundesweit wieder. Wegen der alarmierenden Zahlen sprach sich Familienministerin Franziska Giffey grundsätzlich für einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus aus. Die 7.000 Plätze in bundesweit 350 Häusern reichen nicht mehr aus. Der Bund will dazu innerhalb der nächsten vier Jahre 120 Millionen Euro für Frauenhäuser und Beratungsstellen bereitstellen.

Von Marlene Schmidt

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