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Ludwigsfelde 2900 Kinder im Kreis Teltow-Fläming Armut-gefährdet
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde 2900 Kinder im Kreis Teltow-Fläming Armut-gefährdet
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17:13 19.03.2019
Das Berliner Kinder- und Jugendhilfswerk „Arche“ bietet seit 2016 auf dem ehemaligen Freibad-Gelände im Ludwigsfelder Stadtteil Struveshof Feriencamps an für Kinder aus Familien, die kein Geld für Ferienausflüge haben. Quelle: FOTO: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Franziska Franke von der Pressestelle der Arbeitsagentur Potsdam legt neueste Daten vor, wie viele Kinder im Kreis Teltow-Fläming in sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben und damit potenziell Armut-gefährdet sind. Danach existieren im November 2018 im Landkreis Teltow-Fläming 1577 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren. Insgesamt stehen im November 2018 genau 5252 Bedarfsgemeinschaften in der Statistik.

Franke erklärt, 796 Bedarfsgemeinschaften bestehen aus nur einem Kind, in 445 Bedarfsgemeinschaften leben zwei Kinder unter 18 Jahren und bei 336 Bedarfsgemeinschaften seien drei oder mehr Kinder vorhanden. Und sie hat weitere aktuelle Zahlen: Im November 2018 waren von den insgesamt 9408 Personen in Bedarfsgemeinschaften des Landkreises Teltow-Fläming insgesamt 2891 Personen unter 18 Jahre beziehungsweise 3574 Personen unter 25 Jahre alt.

Vogel: „Kinderarmut ist kein Großstadt-Phänomen“

Solche Zahlen kennt auch Henri Vogel, Chef des Sozialkaufhaus- und Lebensmittelausgabe-Trägervereins Solbra in Ludwigsfelde: „Auf zwei Erwachsene mit einer Solbra-Card, die zum Einkaufen in unserer Lebensmittel-Ausgabe im Waldhaus berechtigt, kommt ein Kind.“ Und er erklärt zum Beispiel einen Eintrag im Kalender der Lebensmittelausgabe für den 20. März um 13.30Uhr: „0086 2E4K“. „Das heißt: Es kommt jemand mit Kundennummer 86 und kauft für zwei Erwachsene und vier Kinder ein.“

Bei all dem ist Kinderarmut nach Vogels Worten auch kein Großstadtphänomen. „Das Problem haben wir auch in Ludwigsfelde, der Boom-Region am Berliner Süd-Stadtrand.“ Wobei Vogel den Begriff Kinderarmut irreführend findet. Er sagt: „Genau genommen ist ja die Armut der Eltern die Ursache. Prekäre Beschäftigung oder Langzeitarbeitslosigkeit der Eltern sind die eigentlichen Herausforderungen.“

So viel verarbeitet in der reichen Stadt Ludwigsfelde das Sozialkaufhaus "Haus der kleinen Preise" im Durchschnitt an jedem Werktag. Quelle: Jutta Abromeit

Gerade bei den Betroffenen der zwei bis drei Prozent „Sockelarbeitslosigkeit“, die selbst in einer boomenden Region wie Ludwigsfelde kaum noch reduzierbar sei, handele es sich häufig um wirklich problematische Fälle. „Mit Blick auf die betroffenen Kinder sollte man alles daran setzen, wenigstens unmittelbare negative Folgen zu lindern. „Und so die leider typische Spätfolge ,Vererbung von Armut’ zu verhindern“, so Vogel. Denn aus armen Kindern und Jugendlichen würden oft junge Erwachsene ohne Chancen. Er sagt: „Allein die Listen der Jugendgerichtshilfe von geleisteten Sozialstunden straffällig gewordener Schüler aus Ludwigsfelde füllten bei Solbra einen dicken Vereinsordner.“

Gerade eine Stadt wie Ludwigsfelde, die finanzielle Handlungsspielräume habe, könne etwas gegen Folgen von Kinderarmut tun: „Kostenloses Schulessen oder Investitionen in Einrichtungen und Personal der Kinder- und Jugendsozialarbeit können kommunal Wunder wirken. Da braucht es nicht mal eine eigene ,Arche’, sagt er.

Der Verein Die Arche wurde von Pastor Bernd Siggelkow 1995 in Berlin-Hellersdorf als evangelisches Hilfswerk gegen Kinderarmut in Deutschland gegründet. Es betreibt Freizeiteinrichtungen und Schulbetreuung für sozial benachteiligte Kinder in deutschen Städten. Bernd Siggelkow wurde für sein Engagement mehrfach geehrt: Die Internationale Liga für Menschenrechte verlieh ihm 2005 die Carl-von-Ossietzky-Medaille, 2008 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Neues Buch von Bernd Siggelkow

Jetzt erschien sein Buch „Hilf mir – jetzt! Unsere Kinder sind es wert“, verfasst mit Ko-Autor Wolfgang Büscher. Seit Dienstag ist es auf dem Markt. Geschrieben haben es die beiden, weil in Deutschland 4,6 Millionen Kinder von sogenannten Transferleistungen lebten. Und obwohl die Gruppe der Betroffenen immer größer werde, fänden sie in Politik und Öffentlichkeit kaum Beachtung.

Von Jutta Abromeit

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