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Ludwigsfelde Arbeiten in 30 Meter Höhe
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Arbeiten in 30 Meter Höhe
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11:11 13.06.2019
Dimo Petrov ist Kranführer. Zurzeit arbeitet er auf einer Baustelle in Ludwigsfelde. Quelle: Marlene Schmidt
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Ludwigsfelde

Die Sonne brennt. Es sind weit über 30 Grad Celsius. Dimo Petrov steigt die 109 Stufen auf der Leiter nach oben. Fast vier Minuten braucht der 56-jährige für den Aufstieg. Dann ist er oben, in 30 Metern Höhe. Er schwitzt, die Luft ist dick. Die Hitze macht ihm zu schaffen. Er zieht erst seine Jacke, dann sein T-Shirt und schließlich auch seine lange Arbeitshose aus. Nur mit einer kurzen Sporthose bekleidet und mit freiem Oberkörper setzt er sich in die kleine Kanzel – 1,5 Quadratmeter groß, halb so hoch wie eine Telefonzelle. Stehen kann er darin nicht.

Der Aufstieg in die Krankanzel. Quelle: Marlene Schmidt

Blick bis nach Berlin

Die Sonne ist gnadenlos, hat die Luft in der Kabine aufgeheizt. Jenseits der 40 Grad. Er setzt sich eine Sonnenbrille auf und kurbelt die Seitenfenster nach unten. Dann nimmt er einen Schluck aus seiner Wasserflasche und blickt über Ludwigsfelde. Bis nach Berlin auf der einen, bis nach Jüterbog auf der anderen Seite. Es ist sein Arbeitsplatz für achteinhalb Stunden. Dimo Petrov aus Bulgarien ist Kranführer auf der Elia-Baustelle an der Potsdamer Straße von Ludwigsfelde, wo Wohn-, Geschäfts- und Reihenhäuser neu gebaut werden.

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„Wenn ich zur Toilette muss, steig ich natürlich ab“

Schon seit mehr als zwölf Jahren arbeitet Dimo Petrov als Kranführer. Meist in Bulgarien. Zurzeit ist er aber für diese Baustelle bei dem Subunternehmen AS Garant tätig. Dreimal am Tag steigt er die Eisen-Stiegen hoch und dreimal wieder runter. Und das bei Wind und Wetter. Die Hitze macht ihm gerade sehr zu schaffen. Denn bei den hohen Temperaturen brennt die Sonne gnadenlos auf das Gehäuse der kleinen Kanzel. Eine Klimaanlage hat er nicht. Nur die zwei Seitenfenster, die er aufschieben kann, schenken ihm einen frisches Lüftchen.

Das Führerhäuschen befindet sich in 30 Metern Höhe. Der gesamte Terex Turmdrehkran ist 37 Meter hoch. Quelle: Marlene Schmidt

„Ich zieh deshalb die gesamte Kleidung aus, bis auf die Shorts. Hier oben sieht mich ja keiner“, lacht der Familienvater (zwei Kinder). Bis zu zwei Liter Mineralwasser trinkt er in seinem engen Kabuff. Und wenn er mal zur Toilette muss? „Dann steig ich natürlich ab.“ Wirklich jedes Mal? Es soll ja Kranführer geben, die dafür extra Behälter in ihrer Kanzel haben. Doch Dimo Petrov versichert, dass es bei ihm nicht so ist. Aber in seine Kanzel darf ich nicht rein. „Sie ist nicht aufgeräumt“, lacht der Kranführer.

Achteinhalb Stunden arbeitet Dimo Petrov jeden Tag in 30 Metern Höhe. Von der Kanzel aus hat er einen weiten Blick auf die Region. Quelle: Marlene Schmidt

Blitze stören nicht

Und was ist bei Gewitter? „Blitze sind zwar gruselig aber sie stören mich nicht“, sagt er. Der Kran vom Typ CTT 231 Terex ist geerdet und birgt somit keine Gefahr. Aber bei zuviel Wind kann es dann doch ziemlich gefährlich werden. Bei einer Windgeschwindigkeit von 40 Kilometer in der Stunde arbeitet er bereits mit einer seitlichen Drehbremse. Bei 50 Kilometer pro Stunde muss er aber absteigen. Das ist Vorschrift. Dimo Petrov arbeitet gern auf dem Terex Kran. Die Hakenhöhe beträgt 30 Meter, der Ausleger ist 50 Meter lang und kann bis zu fünf Tonnen heben.

Bis zum Waldbrand nach Jüterbog

Er ist zwar nicht der höchste Kran, auf dem er bisher gearbeitet hat – das war ein 58 Meter hoher Kran in Bulgarien –, aber er hat trotzdem einen guten Ausblick. Über ganz Ludwigsfelde und noch weiter bis über die Stadtgrenzen hinaus. „Ich konnte von hier oben den Waldbrand in Jüterbog sehen. Auf der anderen Seite sehe ich die Skyline von Berlin“, schwärmt der Kranführer. Dann steigt er auf. Zum dritten Mal an diesem Tag. Nach viereinhalb Minuten hat er seine Kanzel erreicht.

Von Marlene Schmidt