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Ludwigsfelde Gedenktafel neben Panzerspuren
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01:17 29.04.2019
Der Ludwigsfelder Volkmar Goltz will mit einer Tafel an seiner denkmalgeschützten Jugendstil-Villa Nachkommen erzählen, wie die Panzerspuren am 22.April 1945 an das Haus kamen. Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

In Ludwigsfelde soll mit einer Gedenktafel an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 74 Jahren erinnert werden. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Sie plant diese Erinnerung dort anzubringen, wo es im Ort mit die letzten sichtbaren Spuren an diesen Krieg gibt: am Grundstück der markanten Backsteinvilla, in der Volkmar und Ute Goltz wohnen, Am Alten Krug 8.

In dieser denkmalgeschützten Jugendstil-Villa in Ludwigsfelde lebte Schauspielerin Barbara Rütting als Kind; damals hieß sie noch Waltraut Goltz. Quelle: Jutta Abromeit

Am 22. April rollten Panzer der Roten Armee von Osten her durch Ludwigsfelde. Weiße Bettlaken überall waren das Signal: Der Ort ergibt sich kampflos. Drei Wochen später war der Zweite Weltkrieg zu Ende.

An der Goltzschen Villa sind Beschädigungen zu sehen, eines der Kettenfahrzeuge hatte das Gemäuer gestreift. Volkmar Goltz ließ sie nicht entfernen, sie sollten als Mahnung bleiben. Was zuerst nur für die Nachfahren in der eigenen Familie gedacht war, wird nun öffentlich: Für 30.April um 16 Uhr ist das Anbringen der Gedenktafel geplant.

Hildebrandts Erinnerung ans Kriegsende

Vor vier Jahren hatten Dieter Hildebrandt und Felix Kuballa das Buch „Mein Kriegsende – Erinnerungen an die Stunde null“ herausgegeben. Darin erzählen Hildebrandt und weitere 21 Prominente, wie sie Hitlers Krieg und sein Ende erlebten.

Eine der Veröffentlichungen stammt von Volkmar Goltz’ Schwester Waltraut, bundesweit bekannt als Schauspielerin, Friedensaktivistin, Politikerin, Menschenrechtlerin oder Tierschützerin unter dem Namen Barbara Rütting. Sie war das älteste Kind der fünf Goltz-Kinder, die mit den Eltern aus dem heutigen Ortsteil Wietstock nach Ludwigsfelde zogen.

Das Ende der heilen Welt

Beide Orte bleiben für Barbara Rütting Heimat, wie sie der MAZ 2015 erzählte. Dabei bedeute Wietstock ihr „eine unbeschwerte glückliche Kindheit in einer heilen Welt“. Ludwigsfelde dagegen sei für sie „das Ende dieser heilen Welt, Krieg, Bombennächte, Trümmer, tote Freundinnen, das Auseinanderbrechen unserer Familie, Abschied“.

Ihr Vater war als Nazi-Verehrer im Ort bekannt, die Kinder erzog er in diesem Geiste. „Man geht eben immer den Weg des geringsten Widerstands“, hatte ihre Mutter auf die Frage der jungen Waltraut geantwortet, warum sie den Vater nicht abhalten konnte, Nationalsozialist zu werden. „Heute kann ich sie verstehen. Sie musste in diesem entsetzlichen Krieg fünf Kinder durchbringen“, sagte Rütting.

Rütting macht den Mund auf bis zum Tod

Allerdings prägte sie dieser Satz, sie schwor, den Weg des größten Widerstands zu gehen: „Wo Unrecht Recht ist, wird Widerstand zur Pflicht. Deshalb werde ich meinen Mund aufmachen für alle, die es nicht können oder dürfen, bis ich tot umfalle.“

Schon beim MAZ-Besuch zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im April 2015 hatte Volkmar Goltz angesichts der Panzerspuren an der väterlichen Jugendstil-Villa erklärt, mit einer kleinen Tafel die Erinnerung an die Kriegsereignisse weiterzugeben. Er sagte: „Wenn wir nicht mehr sind, weiß es niemand mehr.“

Von Jutta Abromeit

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