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Ludwigsfelde Zukunft eines einmaligen Kunstwerks ungewiss
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Zukunft eines einmaligen Kunstwerks ungewiss
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00:21 31.12.2018
Die Zufahrt zum Ex-Militärgelände an der Ludwigsfelder Neckarstraße: links die Bagger, rechts das Kunstwerk „Geschichte der Nachrichtenübermittlung“ Quelle: Fotos: Jutta Abromeit (3)
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Ludwigsfelde

Kann ein rund 50 Meter langes Kunstwerk in Ludwigsfelde – das sepiafarbene Betonrelief „Geschichte der Nachrichtenübermittlung“ an der Neckarstraße – gerettet werden oder muss es dem Baugrund für dringend nötige Wohnungen weichen? Diese Frage scheint sich im Moment zuzuspitzen. Hinzu kommt: Behörden arbeiten über den Jahreswechsel eingeschränkt, privatwirtschaftliche Geschäfte laufen werktags weiter.

Von 1976 bis kurz nach dem Mauerfall war dort am Wald in Ludwigsfelde das modernste Richtfunkbataillon der Nationalen Volksarmee (NVA) stationiert. Das gut zehn Hektar große frühere Militärgelände ist seit Jahren Baugebiet, doch aus verschiedensten Gründen wurde neben den Wünsdorfer Werkstätten und den DLRG-Garagen bisher nicht gebaut.

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Politisch neutrale Darstellung

Für das Kunstwerk an der Eingangsmauer hatte sich 2015 ein Sankt Petersburger Museum interessiert, weil das Relief die Historie des Nachrichtenübertragens von der Antike bis ins Satelliten-Zeitalter politisch neutral darstellt. Deshalb hätte Stadtmuseumsleiterin Ines Krause es begrüßt, das Kunstwerk zentraler zu präsentieren.

Hier die Ludwigsfelder Museumschefin Ines Krause mit dem vier Meter langen Entwurf des Reliefs "Geschichte der Nachrichtenübermittlung", das der Ludwigsfelder Volkhard Böhme 1981 für die Außenmauer des NVA-Richtfunk-Bataillons schuf. Quelle: Jutta Abromeit

„Irgendwo im Stadtzentrum würden es viel mehr Menschen sehen können“, sagte sie. Und erklärte zur Einmaligkeit: „Für den neuen Reichstag hatte man extra Werke in diesem Stil anfertigen lassen. Und wir haben so was schon lange in der Stadt.”

Fläche mit Mauer wird jetzt weiterverkauft

Wie berichtet hatten die einheimischen Unternehmer Jozsef Jagoschitz und Ali Ilieri das Areal zum Wohnpark entwickeln wollen. Zwei Drittel der Fläche verkauften sie inzwischen. Direkt an der Neckarstraße werden nun 28 Baugrundstücke erschlossen, der Ludwigsfelder Firmenchef Thomas du Chesne vermarktet sie.

Zum mittleren Baufeld, dem mit dem Kunstwerk, sagt er: „Auch das ist verkauft, zurzeit laufen die Verhandlungen für die Veräußerung an einen Investor.“ Keine Information habe er zum Status der Mauer, so Du Chesne, persönlich finde er jedoch: „Solche unverwechselbaren Details sollte man erhalten, sie gehören zu dem Ort, aus dem wir kommen.“

Wettlauf zwischen Denkmalschutz und Investor

Vorbesitzer Jagoschitz sagt: „Ich hoffe, das Relief steht inzwischen auf der Denkmalschutzliste.“ Das habe ihm der mittlerweile verstorbene Bürgermeister Frank Gerhard zugesagt. Doch dem ist nicht so. Erreichen will den Schutzstatus jetzt Peter Dunkel, Kreistagsmitglied und Fraktionschef Die Linke im Stadtrat.

Die Bagger beräumen einen Großteil des ehemaligen Militärgeländes für 28 Baugrundstücke. Quelle: Jutta Abromeit

Er hatte beim Ungarn-Treff in Ludwigsfelde von dem Problem erfahren und organisierte einen Vor-Ort-Termin mit dem ehemaligen Vize-Bürgermeister Paul Beilecke und dem Bauunternehmer, der die Mauer damals gestaltete. „Wir haben die Risse gesehen und es war klar: Dieses Kunstwerk versetzt niemand mehr“, so Dunkel.

Bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im Kreishaus traf er auf offene Ohren. „Eine Mitarbeiterin sah sich das Kunstwerk an und war begeistert“, so Dunkel. Doch zuständig fürs Unter-Schutz-Stellen ist die Obere Fachbehörde beim Land mit Sitz in Wünsdorf. „Dort habe ich mit dem Zuständigen gesprochen. Der hofft, dass die Bauarbeiten das Kunstwerk nicht beschädigen. Er sagte zu, sich das sofort nach den Feiertagen anzuschauen und als schützenswert zu deklarieren.“

Aus einem langen Gespräch mit dem jetzigen Rathauschef Andreas Igel (SPD) nimmt Dunkel die Zusage mit: „Im neuen Jahr soll es schnell ein Gespräch mit der zuständigen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung geben, damit alle Seiten den aktuellen Status kennen.“

Von Jutta Abromeit