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Ludwigsfelde Zwei Ortsvorsteher verlassen wütend Stadtrat-Sitzung
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01:15 27.05.2019
55. und letzte Stadtverordnetenversammlung dieser Legislaturperiode in Ludwigsfelde Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Dirk Houschka und Jens Wylegalla, die Ortsvorsteher von Genshagen und Ahrensdorf, verließen am späten Donnerstagabend frustiert den Rathaussaal von Ludwigsfelde. Dort debattierten die Stadtverordneten ein letztes Mal in dieser Wahlperiode, und das vor großer Gäste-Kulissse. Die beiden Männer hatten erwartet, bei den Beschlüssen zum Bolzplatz Genshagen beziehungsweise zu mehreren Rousseaupark-Entscheidungen in Ahrensdorf als Stimme ihrer Dörfer gehört zu werden.

Der eine wurde gehört, doch Bürgermeister Andreas Igel (SPD) zog die Bolzplatz-Entscheidung „wegen Bauchschmerzen“ zurück; der andere wurde nicht gehört: Es gab kein Votum vom Ortsbeirat. Da half Wylegalla kein Statement, die Unterlagen zur jüngsten Sitzung seien nicht da gewesen, die Nicht-Anhörung sei Rechtsbruch, und auch keine unzulässigen Zwischenrufe.

Genshagen wählte günstigste Variante

Seit fünf Jahren ringen die Genshagener darum, trotz der Wildschweine und Maulwürfe ihren alten Sportplatz wenigstens als Bolzplatz zu behalten. Deshalb ist der fünfköpfige Ortsbeirat des bisher größten Ortsteils mit dem Kommunalservice der Stadt wie berichtet in Gesprächen, Verhandlungen und Vor-Ort-Terminen. Zuletzt ging es um einen massiven Zaun. Der soll 60.000 Euro kosten, weil alle anderen Wildschwein-Bekämpfungsversuche wie Baumstämme und Maschendrahtzaun nicht geholfen hatten, wie Kommunalservice-Chefin Evelyn Stöber mehrfach darlegte.

Houschka erklärte den Stadtverordneten, die Dorfgemeinschaft habe sich bereits für die günstigste Variante von 186.000 Euro entschieden, also gegen die 500.000- und die 350.000-Euro-Varianten. „Wir verzichten dafür auf den Parkplatz am Dorfgemeinschaftshaus. Dass es jetzt wieder Einwände auch von Ihnen als Stadtverordnete gibt, das verstehen wir nicht mehr.“ Seit Jahren bleibe man trotz galoppierend steigender Baukosten konstant bei dieser Summe, so der Ortsvorsteher im Gäste-Bereich des Saales. In Genshagen habe man jetzt die Nase voll, so Houschka.

Das halbe Dorf ist sauer

„Dieses Projekt für unseren Fußballverein und die Kinder und Jugendlichen im Freizeittreff an der Nuss-Allee ist nun wirklich nachhaltig, da hat Frau Stöber mit ihrem Team bei der Planung richtig gute Arbeit geleistet“, sagt Houschka gegenüber der MAZ. „Mit dieser Entscheidung ist nun das halbe Dorf aufgebracht. Deshalb werden wir was dagegen unternehmen“, erklärt der Ortsvorsteher.

Wylegalla kündigt juristischem Streit an

Mit juristischen Schritten drohte der Ahrensdorfer Ortsvorsteher Jens Wylegalla noch im Rathaussaal. Sowohl zum Entwurf des städtebaulichen Vertrags zwischen Ludwigsdorf-Investor Callidus GmbH und der Stadt als auch zum Abwägungs- und Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Ahrensdorfer Heide – Rousseaupark Süd“ habe der Ortsbeirat die notwendigen Unterlagen nicht gehabt, also auch nicht beraten können, erklärte er.

Dass niemand aus Ahrensdorf zu den Sitzungen der Fachausschüsse gekommen war, wo Details diskutiert wurden, kreideten den Ahrensdorfern auch Stadtverordnete an, andere versuchten zu vermitteln. Der Sozialausschuss-Vorsitzende Frank Priefert (SPD) verlangte zur juristischen Kritik eine rechtliche Einordnung. Die gab Heike Sebald, Rechtsfachfrau im Rathaus: „Das hatte der Ortsbeirat ja bereits in einem Brief dargelegt und das haben wir geprüft. Es bleibt bei unserem Standpunkt.“ Die Ahrensdorfer hätten dieselbe Zeit für alle Unterlagen wie die Stadtverordneten gehabt, so Sebald.

Investor schafft zusätzlich Platz für 50 Kinder

Bürgermeister Igel erklärte nicht nur, dass es den B-Plan bereits vor dem Jahr 2000 gab, als Ahrensdorf noch selbstständige Gemeinde war, und dass Flächen, die jetzt bebaut würden, nie in öffentlicher Hand, sondern stets Privateigentum waren. Darüber hinaus sei es dem Investor hoch anzurechnen, so Igel, dass er bei Kita-Plätzen Handlungsbedarf signalisiert habe und soziale Flächen für 50 mehr Kinder zur Verfügung stelle als geplant.

Bau der neuen Kita "Schwalbennest" im Stadtviertel Ludwigsdorf, Baustand von Anfang Mai. Quelle: Jutta Abromeit

Wie berichtet wurde die künftige Kita „Schwalbennest“ im Rousseaupark statt mit 170 mit 230 Plätzen gebaut, am 1. Juni wird sie eröffnet. Igel übergab Wylegalla Unterlagen mit den Worten: „Es gibt kein ,Die’, es gibt ein ,Wir’. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst.“

Ortsbeirat will weiterkämpfen

Wylegalla sagte der MAZ: „Wir haben ein Recht, gehört zu werden. Passiert das nicht, ist das Rechtsbruch.“ Dem Investor werde alles in den Rachen geschoben; ihm werde öffentlicher Raum geschenkt, obwohl er nicht mal in Ludwigsfelde Steuern zahle. „Warum“, fragt er, „fällt bei solch einem Riesenprojekt kein Ausgleichsfonds für Siethener, Gröbener und Ahrensdorfer ab, um unsere Natur und Landschaft hier zu pflegen?“

Neue Ein- und Zweifamilien-Häuser im Rousseaupark des entstehenden Ludwigsfelder Stadtteils Ludwigsdorf auf der Gemarkung Ahrensdorfer Heide, Stand Ende März 2019 Quelle: Jutta Abromeit

Der Ortsvorsteher erklärte, der dreiköpfige Ortsbeirat bleibe an diesen Themen dran, da seien sich alle drei Mitglieder einig. „Und dass das nicht nur unsere Meinung ist, sondern die des halben Dorfes, das müsste die Stadtverwaltung spätestens bei den beiden rappelvollen Einwohnerversammlungen in der Gaststätte ,Deutsches Haus’ gesehen haben“, so der Ortsvorsteher.

Von Jutta Abromeit

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