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Ludwigsfelde Volle Gleise bremsen Regio-Verkehr
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Volle Gleise bremsen Regio-Verkehr
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00:24 17.05.2019
Ein ICE donnert donnert über die Trasse Anhalter Bahn, hier passiert er die Station Ludwigsfelde. Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Nur mit Beharrlichkeit und immer neuen kleinen Schritten kann die Industriestadt Ludwigsfelde angesichts stetig steigender Pendlermassen und verstopfter Straßen mehr Leute bewegen, das Privatauto stehen zu lassen und mit „Öffis“ zu fahren, also mit Bus und Bahn. Mit dieser Erkenntnis gingen Besucher eines Forums zur künftigen Mobilität in Ludwigsfelde am Montagabend nach Hause.

Die Stadtverwaltung vergab vor 14 Tagen den Auftrag zum Entwickeln eines Konzepts für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) an das Berliner IGES-Institut.

Zu wenig Parkplätze, zu wenige Züge, zu wenige Gleise – auch der Pendler-Bahnhof Ludwigsfelde als Schnittpunkt zwischen Straße, Schiene und Fußgängern schreit förmlich nach neuen Lösungen. Genau darum ging es bei dem Forum am Montagabend im Rathaussaal.

Bis zum Sommer soll es Antworten auf solche Fragen geben: Wie können in Ludwigsfelde die drei Bahnhaltepunkte besser mit Busverbindungen verknüpft werden? Wie können Beschäftigte in bestehenden und gerade entstehenden Industrie- und Gewerbegebieten besser mit Busverbindungen versorgt werden? Lassen sich Schülerbeförderung und Touristen-Ströme optimieren? Wie kann das ÖPNV-Angebot für neue Siedlungen geschaffen oder erweitert werden?

Vor allem berücksichtigt werden sollen dabei die Verkehrsbeziehungen nach Potsdam, Teltow, Großbeeren, Blankenfelde-Mahlow, Zossen und Trebbin.

Das Dilemma auf der Anhalter Bahn

Fachleute aus der Stadt- und der Kreisverwaltung sowie vom Verkehrsverbund VBB und aus der Privatwirtschaft beschrieben im Rathaussaal alle dasselbe Dilemma: Die Gleise der Anhalter Bahn sind voll, der Fernverkehr hat Vorrang und zwingt Regionalzüge zum Warten.

Mehr Wagen, sind nicht da beziehungsweise nicht bestellbar, und große Lösungen wie mehr Gleise oder Ausweichstellen scheitern an langen Planungszeiten. Das genehmigt zu bekommen dauere wenigstens sechs bis acht Jahre, so Rüdiger Hage, Geschäftsführer der Potsdamer Firma IPG und Moderator des Abends. An der Planung der Dresdener Bahn habe man gesehen, dass es auch 20 Jahre dauern kann, bevor es ans Bauen geht. Hage sieht am GVZ Großbeeren Chancen für fahrerlose Kleinbusse.

Mobilitätsgarantie mit Taxi

IGES-Geschäftsführer Christoph Gipp gab Gedanken wie diesen in die Runde: „Alles, was fährt, muss öffentlich nutzbar sein.“ In anderen Bereichen Deutschlands könne man überall Fahrräder mitnehmen, ob Bahn oder Bus. Und Gipp sagte: „Oder eine Region gibt zum Beispiel eine Mobilitätsgarantie. Das heißt, man kann gleich ein Taxi rufen, wenn in absehbarer Zeit öffentlich nichts fährt.“ Es gebe regionale Lösungen, wenn man danach suche.

Ein Besucher, beschäftigt bei einem Auto-Hersteller, wohnt seit zweieinhalb Jahren in Ludwigsfelde. Er und seine Frau seien überzeugte ÖPNV-Nutzer. Doch weil die Züge morgens um 6 beziehungsweise 6.30 Uhr überfüllt seien, hätten sie in den sauren Apfel gebissen und 1.-Klasse-Tickets gebucht, doch auch dort sei es im Berufsverkehr inzwischen voll, so der Mann.

Trotz Metropolregion um 23 Uhr Schluss

Was ihn außerdem stört: „Wir sind hier Metropolregion. Aber wenn man den Abend mit Freunden in Berlin verbringt, müssen wir uns verabschieden und um 23 Uhr am Hauptbahnhof sein, sonst fährt erst um 1.30 Uhr der nächste Zug.“ Außerdem fragte er: „Warum fahren Regionalzüge im Winter mit weniger Waggons?“ Die Bahn-Begründung, da seien weniger Radfahrer unterwegs, verstehe er nicht. Und er beklagt, Autobahnen würden pro Richtung dreispurig ausgebaut, aber Bahnstrecken seien nur zweigleisig.

Brandenburg hat die Zeit verschlafen“

„Sie sprechen mir aus dem Herzen“, erklärte Christian Weise, Verkehrsplaner beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). „Die Autobahn wird am Dreieck Havelland drei- und vierspurig pro Richtung ausgebaut, woanders bis achtspurig...“ Ganz direkt erklärte IPG-Chef Rüdiger Hage: „Das Land Brandenburg hat bei der Verkehrsplanung die Zeit verschlafen.“

Ein Lob für die Bahn gab es dann doch noch: „Wir reden von emissionsfreiem Fahren – da, wo die Bahn fährt, hat sie das“, antwortete Bürgermeister Andreas Igel (SPD) in der Abschlussrunde auf Frage, welche verkehrsmäßigen Visionen jeder habe.

Großbetriebe können Politiker drängen

Für ihn ist wichtig, dass Betriebe ihren Bedarf selbst und direkt beim Land anmelden, nicht über den Umweg des jeweiligen Rathauses. Als Beispiel nannte er „einen großen Arbeitgeber an der Dresdener Bahn“ (gemeint ist Rolls Royce). Das habe Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) letztlich dazu bewogen, Rangsdorf den S-Bahn-Anschluss in Aussicht zu stellen.

VBB-Mann Weise sieht Bus-Spuren, Bevorrechtigungen und größere Bahnhofsvorplätze als schnellstmögliche Verkehrslösungen in Ballungsgebieten.

Massiv mehr E-Mobilität mit 5-G-Netz-Standard

Marcel Penquitt, Sachgebietsleiter in der Kreisverwaltung, sieht in nächster Zukunft eine massive Ausweitung der E-Mobilität mit 5-G-Funknetz-Standard. Dirk Müller von der Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF) wünscht sich von der Bahn verlässliche Fahrpläne, um Kunden langfristig konstante Bus-Anschlüsse präsentieren zu können.

Moderator Hage setzt diese Prämissen: Der Schienenverkehr als übergeordnetes System müsse fit sein, er bestimme den ÖPNV und Planungszeiträume; verbessert werden müssten Schnittstellen in den Ortsteilen und zu Nachbarkommunen; ohne Barrierefreiheit gehe künftig nichts mehr; „und Industriegebiete und Betriebe müssen in Verkehrsplanungen stärker einbezogen werden“, so Hage abschließend.

Von Jutta Abromeit

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