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Ludwigsfelde Diskussion um Freiwilligen-Agentur in Ludwigsfelde
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01:15 25.05.2019
Die Ludwigsfelder Selbsthilfegruppe Parkinsonkranker trifft sich regelmäßig im "Waldhaus". Sie ist die erste Gruppe deutschlandweit, die das Trommeln als Therapieform für sich entdeckt hat. Quelle: Jutta Abromeit
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Ludwigsfelde

Noch ist es völlig offen, ob es in Ludwigsfelde eine seit längerem angestrebte Freiwilligen-Agentur geben wird. Diese soll ehrenamtliche Arbeit von Initiativen, Beiräten und Vereinen in der Stadt besser als bisher zu koordinieren. Darüber hinaus soll so die Ehrenamtsbörse wiederbelebt werden, die bisher nur einmal stattgefunden hat.

Am Donnerstagabend entscheiden die Stadtverordneten auf ihrer letzten Sitzung vor der Wahl, ob der im Waldhaus ansässige Förderverein Akademie Zweite Lebenshälfte für 2019 bis 2024 einen Zuschuss von 30.000 Euro zum Aufbau und Betrieb einer solchen Agentur bekommt.

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Fachbereichsleiter wirbt für neues Projekt

Paul Niepalla, Fachbereichsleiter für Soziales, Familien, Sport und Kultur im Ludwigsfelder Rathaus, sagte, der Seniorenbeirat und die Vereine lechtzten danach. „Wir sind doch alle d'accord – wer heute noch Ehrenamt macht und seine Freizeit opfert, der will auch sehen, dass dabei was rauskommt.“ Würde der Beschluss nicht zustande kommen, so Niepalla, dann müsste der Start auf Oktober verschoben werden oder könnte dieses Jahr gar nicht mehr stattfinden.

Kritik von mehreren Seiten

Doch sowohl im Sozial- als auch im Hauptausschuss hatte es überraschenden Gegenwind zum Ansinnen Freiwilligen-Agentur gegeben. Die Stadtverordnete Angelika Wodtke (Filu) sagte, die Idee habe lange in der Schublade gelegen, monierte jedoch Formfehler. Direkt dagegen ist Cornelia Hafenmayer (Linke), sie fragte: „Ist das nicht eine Doppelfinanzierung? Kann das nicht der Hauptsachbearbeiter mit machen, dessen Stelle mit den Aufgaben ,Ehrenamt und Soziales’ und Netzwerk-Arbeit mit Tarifbesoldung ausgeschrieben ist?“ Sie halte weitere 30.000 Euro für dies Aufgabe für zuviel Geld.

Wenn sie das so sehe, sagte Niepalla, „dann können Sie im Rathaus Kohorten haben“. Der Sozialausschuss lehnte eine Vertagung der Entscheidung ab, empfiehlt den Stadtverordneten mit drei Ja-, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen jedoch nur ganz knapp, dem Zuschuss zuzustimmen.

Energischer Disput im Hauptausschuss

Energischer lief der Disput im Hautpausschuss. Dort erklärte Bürgermeister Andreas Igel (SPD), es bedürfe einer solche Betreuung und Verwaltung der ehrenamtlichen Arbeit in der Stadt. Fraktionschef Hans-Erwin Baltrusch (Vereinte) sagte, er sei deutlich dafür, wenn man ehrenamtliches Bürgerengagement in der Stadt wolle. „Wir wollen die Ehrenamtsbörse, aber nicht zwei Stellen“, erklärte dort Angelika Wodtke.

Bürgermeister versteht Kritik nicht

Die Freiwilligen-Agentur solle Kontaktstelle für eine solche Ehrenamtsbörse sein, argumentierte Fachbereichsleiter Niepalla. „Es geht um Wertschätzung und Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen“, sagte er. Überall fehlten Leute, die ehrenamtlich Verantwortung übernähmen. Hier liege eine Konzeption mit viel Know How, in der es um den Austausch und die Vernetzung der Vereine, um die Entwicklung von Vereinsideen gehe, so Niepalla. Und er sagte, einiges sei zwar beim Landkreis und bei der Arbeitsagentur verortet, aber Ludwigsfelde brauche auch eine Koordination vor Ort. Er bat: „Geben Sie uns die Chance, das fünf Jahre aufzubauen und das Ehrenamt in der Stadt zu stärken.“ Damit gebe man den Rahmen, die Bürgerschaft zu unterstützen und die Stat voranzubringen.

Bürgermeister Igel fehlt das Verständnis für den Gegenwind: „Wir haben feststellen müssen, dass die Gutwilligen und Verantwortungsbereiten weniger werden“, sagte er. „Wenn wir das jetzt nicht tun, werden wir noch ganz andere Probleme bekommen.“ Der Hauptausschuss empfiehlt den Zuschuss bei einer Enthaltung.

Von Jutta Abromeit