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Ludwigsfelde Ludwigsfelder Schüler überglücklich aus der Filmwelt zurück
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17:25 28.05.2019
Die Ludwigsfelder Schüler in Cannes Quelle: privat
Ludwigsfelde

Ein oder zwei Minuten waren sie in Cannes bei den diesjährigen Filmfestspielen auf dem roten Teppich – so genau können die fünf Ludwigsfelder Gymnasiasten Sophie Dräger, Max Lietze, Sophie Wehlmann, Luna Kaminski, Oliver Schmidt und ihre Französisch-Lehrerin Lena Splittgerber nicht sagen, wie lange sie für die 20 Meter und die 30 Stufen hinauf in den Film-Palast brauchten.

Fünf Französisch-Schüler aus Ludwigsfelde haben an einem Workshop des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Cannes teilgenommen.

„Es ging alles so schnell. Und man darf nicht fotografieren... Wir haben also gar keine Bilder von diesem Moment“, erzählen die 16- und 17-Jährigen; „und überall waren Security-Leute.“ Aber froh sind sie, das trotz ihrer extra gekauften Gala-Garderobe niemand von ihnen auf dem berühmten roten Teppich gestolpert ist.

Workshop zur Filmkritik

Wie berichtet konnten die Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums als eine von zwei deutschen und zwei französischen Schülergruppen während des 72. Filmfestivals an der Côte d’Azur in der vergangenen Woche Gäste des Deutsch-französischen Jugendwerks (DFJW) sein. Sie waren zum Arbeiten dort. „Auch wenn uns das angesichts der Bilder kaum jemand glaubt“, so die Lehrerin. Das Thema ihres mehrtägigen Workshops war das Verfassen einer Filmkritik.

Jeden Tag wurden sie um 8 Uhr morgens abgeholt vom Hotel, und abends immer gegen 23 Uhr kamen sie nach einem rappelvollen Tag zurück. „Da blieb nicht mal Zeit für den wunderschönen Pool“, erzählt Sophie Wehlmann. Sophie Dräger ergänzt: „Aber ich bin jeden Abend noch mal raus gegangen und habe auf die Stadt, die Küste und das Lichtermeer runtergeschaut – es war fantastisch.“ Lena Splittgerber lacht und erklärt: „Die Schüler hatten keine Vorstellung, wie bergig die Côte d’Azur ist...“

Treffen mit Dieter Kosslick

Natürlich haben sie nicht mit den großen Stars der Film- und Kino-Welt gesprochen. „Aber wir hatten zum Beispiel ein Treffen mit Tobias Bütow, dem Generalsekretär des DFJW“, erzählt Luna Kaminski. Und auf der Arte-Yacht, dem Schiff des europäischen Kultursenders Arte, trafen sie Dieter Kosslick, den langjährigen Berlinale-Chef und -Macher, der seinen Job jetzt weitergegeben hat. „Der kam mit seinem berühmten roten Schal und hat ihn Tobias Bütow geschenkt“, erzählt Luna Kaminski.

Eine Einführung in die Welt der Filmkritik gab es für die Schüler an der Semaine de la Critique, der von Filmkritikern selbst gegründeten und ältesten Rubrik der Filmfestspiele. Sie widmet sich seit 1962 der Entdeckung neuer Kinotalente und ehrt Erstlingswerke von Regisseuren aus aller Welt. „Das war echt spannend“, erzählt Max Lietze, „denn es gibt dabei keine festen Strukutren, wie man so was macht. Wir sollten nur vor allem unsere Ideen und Emotionen einfließen lassen.“ In Gruppen sollten die Schüler das ausprobieren. „Das Wichtigste und die Kunst dabei ist, nicht zu viel vom Inhalt zu verraten“, erklärt Luna Kaminski.

Anleitung von Radioredakteur

Gelegenheit, das zu üben, hatten sie mehrere, und das unter prominenter Anleitung. So bekamen sie von Radioredakteur Jörg Taszmann vom Deutschlandfunk Kultur Einblicke, wie eine gesprochene Filmkritik aussehen kann, sie führten Live-Interviews mit einer Regisseurin oder erlebten eine Schreibwerkstatt mit den Moderatoren Pierre-Simon Gutman und Philipp Schwarz.

Das Französisch hat sich verbessert

Das Fazit aller nach diesen Tagen: Unser Französisch ist viel besser. Und Lehrerin Splittgerber verrät: „Bei der Vorstellung ihrer Workshop-Ergebnisse und bei den Gesprächen auf der Arte-Yacht haben sie sehr viel Reife gezeigt und sehr intelligente Fragen gestellt – ich war richtig stolz auf unsere Schüler.“

Zwischendurch mussten die Ludwigsfelder auch manchen Weg zu Fuß gehen in der Stadt der Glamour-Welt am Mittelmeer; beeindruckt waren sie zum Beispiel von der Prachtstraße La Croisette, wo sich Luxusmarken dieser Welt präsentieren.

Schüler wollen nicht ins Filmbusiness

Doch das Lebensziel, direkt ins Filmgeschäft einsteigen zu wollen, das hat keiner der fünf Schüler nach diesen französischen Tagen. Max Lietze sagt: „Es gibt so wenige Filmkritiker oder Drehbuchautoren, die wirklich berühmt werden –das ist mir zu schwer, das schaffe ich bei meinen Ansprüchen nicht.“ Oliver Schmidt erklärt unumwunden: „Es war wunderschön, aber ich bleibe bei meinem Lehramt.“ Er nimmt mit, dass es nicht immer die Blockbuster, die berühmten Filme sein müssen: „Ich bin beeindruckt, welche Tiefe auch unbekannte Filme haben und was ein Film emotional auslösen kann.“

Vielleicht, überlegt Sophie Wehlmann, geht es mal Richtung Kultur-Journalismus. Sie hat jedenfalls ganz viele Gespräche am Rande all ihrer Begegnungen geführt. Und Sophie Dräger erzählt: „Ich empfand das deutsch-französische Verhältnis als ein besonderes und die Dreisprachigkeit zwischen allen, die uns betreut haben. Und alle, die wir getroffen haben, waren so offen. Das hat es uns einfach gemacht, klar zu kommen in dieser fremden Welt.“ Auch für Luna Kaminski waren es ganz besondere Tage. Und sie sagt: „Ich gehe jetzt kritischer, aber auch offener an Filme ran.“

Kontakte nach Frankreich sollen gehalten werden

Französisch-Lehrerin Lena Splittgerber sinniert am Ende des MAZ-Gesprächs, sie sagt: „Man wird jetzt hundert Mal gefragt ,Wie war’s?’ und man sagt hundert Mal ,Schön’ oder ,beeindruckend’, aber das gibt es ja nicht annähernd wieder. Dabei möchte man erzählen, aber es ist keine Zeit...“ Was sie sich jedoch ganz fest vorgenommen hat: „Wir werden den Kontakt zu den Schülern vom Lyzeum in Paris halten und das gemeinsame Online-Magazin veröffentlichen.“

Von Jutta Abromeit

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