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Ludwigsfelde Was tun, wenn man einen Wolf trifft? „Es genießen“, sagt Wolfsexperte Stefan Hoika
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Was tun, wenn man einen Wolf trifft? „Es genießen“, sagt Wolfsexperte Stefan Hoika
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14:46 31.10.2019
Ein Wolfspaar aus der Kummersdorf-Sperenberger Heide. Aufgenommen von der Wildtierkamera des Wolfsexperten. Quelle: Stefan Hoika
Ludwigsfelde

Ein Wolf wurde im Stadtgebiet von Ludwigsfelde gesichtet. In der Nähe des Ludwigsfelder Friedhofs. Die Stadtverwaltung rief die Bevölkerung deshalb zur Achtsamkeit auf und riet allen Hundebesitzern auf ihrer Internetseite und in den sozialen Medien, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen und nicht die Waldwege zu verlassen und in der Dämmerung am besten gar nicht in den Wald zu gehen. Viele Menschen sind jetzt verunsichert, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die MAZ sprach mit einem Wolfexperten.

„Die Menschen brauchen wirklich keine Angst vor Wölfen zu haben. Die Wölfe haben eher Angst vor den Menschen und nehmen sofort reißaus, wenn sie einen wittern“, sagt der Wolfexperte Stefan Hoika (51). Ein Einwohner hat in der Ernst-Thälmann-Straße/Ecke Siethener Straße einen Wolf gesichtet und seine Beobachtung, die schon vergangene Woche gewesen sein soll, auf dem stadteigenen Hinweisportal „Maerker“ von Ludwigsfelde gepostet. Die Stadt warnte deshalb die Einwohner. „Völlig übertrieben. Außerdem passiert schon erst recht nichts, wenn ein Hund in der Nähe des Menschen ist,“ so Hoika, der Wolfsmonitoring macht und die Wölfe seit acht Jahren in Sperenberg und der Kummersdorfer Heide beobachtet.

Wolfsexperte Stefan Hoika sagt, eine Begegnung mit einem Wolf solle man genießen. Quelle: Marlene Schmidt

Junge Wölfe verlassen die Rudel, suchen neue Reviere

Es ist nicht das erste Mal und auch nicht ungewöhnlich, dass ein oder mehrere Wölfe durch Städte streifen. Die geschlechtsreifen Wölfe legen tausende von Kilometern zurück, um sich ein neues Territorium zu suchen, wo sie ein eigenes Rudel gründen können. „Jetzt ist wieder die Zeit, wo die geschlechtsreifen Jungwölfe losziehen, um sich ein Revier zu suchen,“ erklärt Hoika. Da viele Reviere aber besetzt sind, legen sie weite Wege zurück. „Oft 700 Kilometer in ein paar Wochen. So landen in Brandenburg geborene Wölfe auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder in Dänemark“ sagt der Experte. Ein Rudel beansprucht 200 bis 300 Quadratkilometer. Wölfe nehmen immer den direkten Weg, der kann auch mitten durch die Stadt führen.Laut NABU leben 73 Rudel, 30 Paare und drei residente Einzeltiere in Deutschlands freier Natur. Das sind etwa 1000 Wölfe insgesamt, 300 davon leben in Brandenburg. Stefan Hoika beobachtet eine Wolfsfamilie (circa acht Tiere) in dem Gebiet zwischen Sperenberg und der Kummersdorfer Heide. Er liest die Losungen (den Wolfskot) auf, kartiert sie, packt sie in Tüten und in Alkoholgläschen und schickt sie zur DNA-Auswertung ans Land Brandenburg. „Damit können wir verfolgen, aus welchem Wurf die Wölfe stammen, woher sie kommen oder wohin sie ziehen oder sogar was sie gefressen haben,“ so Hoika. Aber nicht nur Losungen, sondern auch Wildtierkameras werden ausgewertet.

„Man sollte eine Wolfsbegegnung genießen“

Eine Wolfsfamilie besteht in der Regel aus acht bis zehn Tieren, ein Wurf aus drei bis sechs Tieren. Die Sterberate ist hoch, liegt bei 50 bis 70 Prozent innerhalb des ersten Lebensjahres. „Sie werden überfahren oder erschossen“, erklärt Stefan Hoika. Erreichen die Rüden das zweite Lebensjahr, wandern sie ab. Stefan Hoika: „Der Mensch ist nicht ihr Beuteschema. Sie fressen Wildschwein, Reh, Hase, Hirsch und 0,1 Prozent Nutztiere. Die Wildschweine sind ein Problem in der Stadt, aber sicher nicht die Wölfe.“ Und was sollte man tun, wenn man einem Wolf begegnet? „Stehenbleiben, es genießen und ein Lied pfeifen,“ sagt der Wolfsliebhaber.

Aufgrund der Wolfssichtung wurde in Ludwigsfelde jetzt eine Wildtierkamera aufgestellt. Wer einen Wolf sichtet, kann ihn unter dieser Telefonnummer melden. Telefon: 0174/9400817 oder auch dem Wolfsexperten selbst unter Telefon: 0176/96317825.

Von Marlene Schmidt

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