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Ludwigsfelde Nachtclub soll Vereinsräumen weichen
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Nachtclub soll Vereinsräumen weichen
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01:16 07.09.2018
Im kommenden Jahr läuft der Mietvertrag für die Nachtbar 47 Club 47 aus – dann kann die Gemeinde den ehemaligen Gasthof „General von Bülow" kaufen.
Im kommenden Jahr läuft der Mietvertrag für die Nachtbar 47 Club 47 aus – dann kann die Gemeinde den ehemaligen Gasthof „General von Bülow" kaufen. Quelle: Abromeit
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Großbeeren

Vielleicht wird ein traditionsreiches Haus mitten in Großbeeren wieder kultureller Mittelpunkt und sogar zu einem „Haus der Vereine“: Der Hauptausschuss empfiehlt, die Verwaltung möge Bausubstanz und Konditionen für Kauf oder Miete des früheren Gasthofs „General von Bülow“ prüfen. Heute ist das Gebäude ein Nachtcafé mit Nachtbar. Die Großbeerener sind direkter, sie sagen Bordell.

Zur Historie des Hauses

Der ehemalige Gasthof „General von Bülow“ an der Hauptstraße in Großbeeren ist deshalb für viele Veranstaltungen so attraktiv, weil er wie die meisten früheren Landgasthöfe eine Bühne hat.

Vor allem deshalb nutzte auch der Faschingsclub Großbeeren das Gebäude als Vereinsdomizil und Auftrittsstätte für seine Prunksitzungen.

Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Haus saniert und am 8. Januar 2000 wieder eröffnet. Der „General“, wie die Großbeerener ihr Gasthaus nannten, war fortan ein Kaffeehaus mit Pension und hieß „Von Beeren“. Im Oktober 2013 schloss das Haus, vor allem, weil der Betreiber kein Personal fand. Im Jahr 2012 hatte es im Bordell Großbeeren, in der „Filmbar 47“ 200 Meter nördlich auf der anderen Straßenseite, gebrannt. Der Betreiber suchte eine neue Bleibe. Als der „General“ schloss, trafen sich die Interessen, das Haus öffnete als „47 Club Nachtcafé & Nachtbar“.

Den Antrag für eine mögliche neue Nutzung hatte die SPD gestellt. Ziel des Prüfauftrags ist es, den Gebäudekomplex „General von Bülow“ einschließlich des Saals hinter dem Haus langfristig zu mieten. Fraktionschefin Petra Brückner erklärte den Hintergrund: „Nächstes Jahr läuft der Vertrag mit dem jetzigen Etablissement Club 47 aus und der Eigentümer will den Vertrag nicht verlängern.“

Niemand glücklich

Ohnehin sei von offizieller Seite niemand im Ort so richtig glücklich mit diesem Haus mitten im Ort, so Brückner. Deshalb habe man sich zusammengesetzt und aufgelistet, was mit dem Haus möglich wäre.

„Da ist vom Seniorenbeirat über den Faschingsclub und grundsätzliche Vereinsarbeit ganz viel zusammengekommen“, berichtete Petra Brückner im Ausschuss. Denn der Gemeinde fehle ein angemessener Ort für Vereine, an dem sich deren Mitglieder treffen können, so die Fraktionschefin. Die Sportler hätten bekanntlich ihren Bereich am Eichenhügel und der alte Rentnerreff in der Lindenstraße genügt – wie in der Vergangenheit vielfach moniert wurde – heutigen Ansprüchen kaum noch.

Junge Talente könnten sich präsentieren

Im ehemaligen „General“ könnte sich durchaus ein Mehrgenerationen-Treff etablieren, möglichst mit einer zentralen öffentlich zugänglichen Toilette im Ort, schreiben die Initiatoren in ihrer Begründung. Und sie schlagen vor: Den großen Saal könnten neben den Karnevalisten auch der Kulturverein nutzen oder junge Großbeerener Talente; Musiker und Theatergruppen hätten eine Bühne und könnten damit noch mehr Bindung an den Ort erfahren.

Verpächter ist der Großbeerener Spediteur Roland Blenn. Der hatte den Gasthof in „Von Beeren“ umgetauft. Damit war eine Fontane-Sage aufgegriffen, die auch zur Ortsgeschichte gehöre und älter sei als die Schlacht von Großbeeren, hatte er vor fünf Jahren erläutert. Schließen musste er, weil kein geeignetes Gaststätten-Personal mehr zu finden gewesen sei. Doch ungenutzt hatte die Immobilie auch nicht bleiben könne.

Jetzt prüft die Verwaltung

Nun soll die Gemeindeverwaltung Bauzustand und Konditionen zusammentragen, um den Gemeindevertretern einen Nutzungs- und einen Miet- beziehungsweise vielleicht sogar einen Kaufvorschlag unterbreiten zu können. Über die Prüfergebnisse sollen die Ausschüsse zeitnah informiert werden, damit möglichst schnell nächste Schritte beschlossen werden können.

Von Jutta Abromeit