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Ludwigsfelde Über 6000 Euro für mangelhafte Arbeit
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06:21 07.01.2020
Ein paar Aluleisten an zwei Schornsteinen, etwas Holzschutzfarbe und ein nur teilweise geteertes Gaubendach wurden teuer für Helmut Reinhard. Quelle: Böhlefeld
Ludwigsfelde

Kurz vor Weihnachten wollte Helmut Reinhard (Name von der Redaktion geändert) aus dem Ludwigsfelder Flussviertel eigentlich nur einen Kostenvoranschlag für notwendige Dachreparaturen an seinem Haus haben. Über 6000 Euro hat das den 80-Jährigen am Ende gekostet. Gegen das Unternehmen aus Lauchhammer hat er inzwischen Strafanzeige gestellt.

„Ich war gerade zufällig draußen vor dem Haus, als das Auto mit den Dachdeckern anhielt. Einer, ich glaube, der Chef, lobte das Aussehen meines Daches. Aber an den Schornsteinen muss etwas gemacht werden, meinte er.“ Reinhard, der früher immer alles selbst gemacht hat, aber seit einiger Zeit im Rollstuhl sitzt, wusste, dass an den Schornsteinen des Ende der 1930er Jahre erbauten Hauses gearbeitet werden musste. Und bat den Dachdecker um einen Kostenvoranschlag.

Drei Mann auf drei Leitern

Kaum ausgesprochen, legten drei Mitarbeiter Hand an, auf insgesamt drei Leitern ging es nach oben an die Schornsteine in der Nähe des Dachfirstes. „Das machen wir gleich, das ist nicht so viel“, hieß es nur wenige Minuten später, als die Dachdecker wieder am Boden waren. Hier stockt Helmut Reinhards Erzählung: „Mein Fehler, dass ich da nicht Einhalt geboten habe. Statt auf dem Kostenvoranschlag zu bestehen, dachte ich, so wird es vielleicht günstiger. Immerhin waren die ja schon da, ich musste niemanden extra bestellen.“ Statt günstig wurde es für den Rentner am Ende sehr viel teurer.

Kein Denken an den Kostenvoranschlag mehr

Als der Dachdecker-Chef das nächste Mal vom Dach herunter kam, bemängelte er den Zustand der Teerpappe auf der Wetterseite des Hauses. „Das muss dringend gestrichen werden“, so der Handwerker. Längst war dabei die Dunkelheit schon angebrochen, so dass mit einer Leuchte auf dem Dach gearbeitet werden musste. Anschließend musste auch das Moos auf den Dachsteinen noch mit dem Kärcher entfernt werden. Das Holz unter dem Dachüberstand sollte nach entsprechender Vorbereitung mit Spachtel und Schleifpapier am Ende einen neuen Isolieranstrich erhalten. Stück für Stück wurde so aus der kleinen Reparatur am Schornstein eine doch aufwendigere Reparatur an verschiedenen Stellen des Daches. Dabei hatte Reinhard die Frage nach dem Kostenvoranschlag inzwischen komplett aus den Augen verloren.

Schachern um die Mehrwertsteuer

Erst am Abend wurde ihm die Rechnung für diese Achtlosigkeit präsentiert. Weit über 6000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sollte er für die Arbeiten bezahlen, die zudem noch nicht ganz abgeschlossen waren. Der Versuch, den Preis für die Dienstleistung zu drücken, kam schnell an einen Punkt, an dem die offizielle Rechnung entfällt. 3000 in bar sollte der Rentner nun zahlen, die auf keiner Rechnung erscheinen. Weitere 3000 Euro wurden dann noch offiziell und auf Rechnung fällig. Helmut Reinhard war so überrascht, dass er die ersten 3000 Euro zahlte, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine Quittung gab es dafür natürlich nicht. Stattdessen verlangte der Dachdecker weitere fünfzig Prozent der legalen Rechnungssumme sofort, sonst könnten die Arbeiten nicht fortgesetzt werden. Inzwischen war ja auch der Schornstein soweit in Arbeit, dass es nun bei Niederschlägen unweigerlich ins Haus regnen würde. Helmut Reinhard zahlte also auch die 1755 Euro, nicht sicher, ob die Handwerker auch am nächsten Tage noch erscheinen, um die Arbeit abzuschließen.

„Und mir passiert sowas“

Das taten sie immerhin, sicherlich auch, da ja immer noch annähernd 2000 Euro zu kassieren waren. Ihre Arbeit erledigten sie zu allem Übel auch noch mangelhaft. Der Ludwigsfelder Dachdecker, den Reinhardt im Nachhinein um eine Begutachtung bat, bezeichnete die Arbeiten als mangelhaft. Er machte Fotos und will die Dachdecker-Innung in Potsdam auf die Fährte des Lauchhammer Unternehmens setzen. Helmut Reinhard selbst hat inzwischen ebenfalls Strafanzeige gestellt, die Polizei ermittelt. Am allerschlimmsten für Reinhard aber ist, dass er sich so hat austricksen lassen. „Die Polizei warnt immer vor Enkeltricks und ähnlichen Geschichten, um älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und mir passiert dann sowas.“

„Wenn Handwerker unangekündigt an der Tür auftauchen und eine sofortige Dienstleistung zu einem Dumping-Preis anbieten, ist Vorsicht geboten“, sagt die Verbraucherberatung Brandenburg. Die Verbraucherberatung empfiehlt, grundsätzlich immer schriftlich ein detailliertes Angebot über die auszuführenden Arbeiten mit konkreten Firmenangaben einzufordern, an das der Handwerker später gebunden ist.

Von Udo Böhlefeld

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