Teltow-Fläming: Gehäufte Absage von Behandlungsterminen bringt Therapeuten in Not - Rettungsschirm gefordert
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ludwigsfelde Physiotherapeuten vor dem Ruin
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Physiotherapeuten vor dem Ruin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 26.03.2020
Ergotherapeut Paul Mitschard aus Ludwigsfelde.
Ergotherapeut Paul Mitschard aus Ludwigsfelde. Quelle: Privat
Anzeige
Ludwigsfelde

Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen droht das wirtschaftliche Aus. Wegen der Corona-Krise sagen auch in Ludwigsfelde und im Landkreis immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine ab. Praxisinhaber und Angestellte bringt das an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. „Müssen die entsprechenden Praxen schließen, sind allein in Ludwigsfelde zwei Logopädien, vier ergotherapeutische Praxen und über zehn Physiotherapien betroffen“, sagt der Ergotherapeut Paul Mitschard aus Ludwigsfelde. „Gleichzeitig würde das den Verlust von mehr als 50 Arbeitsplätzen in der Branche bedeuten.” Dabei bestehen schon jetzt monatelange Wartelisten in den Speckgürtel-Gemeinden.

Rücklagen schnell aufgebraucht

„Bei den derzeitigen Umsatzrückgängen von 60 bis 90 Prozent sind eventuell vorhandene Rücklagen schnell aufgebraucht”, beschreibt der Ergotherapeut die Situation in der Branche. Deshalb fordert der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) nun auch einen Rettungsschirm für die Therapeuten. Die Gesetzlichen Krankenkassen sollen Ausgleichszahlungen leisten, die die Existenz der Heilmittelerbringer rettet. Da die Therapiekosten ohnehin im Haushalt der Kassen eingeplant seien, bringe sie das nicht in Schwierigkeiten.

Wer bekommt welche Hilfe?

Heute entscheidet der Bundestag in Berlin, wer Hilfe von dem milliardenschweren Rettungspaket bekommt und wer nicht. Heilmittelerbringer wie die Physiotherapeuten und Ergotherapeuten sind da ausgeschlossen. Nur zum Vergleich: Ärzte sollen nach dem Willen des Gesetzgebers den Umsatzausfall in voller Höhe erstattet bekommen. Sollten die Heilpraxen nun aus finanziellen Gründen schließen müssen, führt das auf Dauer zu massiven Versorgungsproblemen. Die Politik nimmt dann die Insolvenz von vielen tausend Heilmittelerbringern in Kauf. „Dieser Versorgungsmangel kann und wird früher oder später jeden von uns, unsere Familie und Freunde treffen”, befürchtet Mitschard.

Von Udo Böhlefeld