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Teltow-Fläming Luthers Frau zu Besuch in Luckenwalde
Lokales Teltow-Fläming Luthers Frau zu Besuch in Luckenwalde
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07:02 31.07.2017
Pfarrerin Stephanie Hennings schlüpfte in die Rolle der Frau Luthers, Katharina von Bora. Quelle: Laura Görner
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Luckenwalde

Anlässlich des Reformationsjubiläums haben Pfarrerin Stephanie Hennings und Kreiskantor Peter-Michael Seifried am Sonnabend zu einer außergewöhnlichen Lesung mit Kaffeetrinken in die Jakobikirche nach Luckenwalde eingeladen.

Die Lutherin Katharina von Bora (1499 bis 1552), Frau des Reformators Martin Luther aus Wittenberg, war zu Besuch in der Kirche. Stephanie Hennings verkörperte die Frau, die Luther oft liebevoll Morgenstern nannte. Zeitgemäß trug sie eine schwarzweinrote Robe, wodurch die Besucher in die Zeit Luthers versetzt wurden und realitätsnahe Einblicke in das Leben der sächsischen Adligen bekamen. Die Idee, sich als Frau Luthers zu verkleiden und als diese aus ihrem Leben zu berichten, sollte den Besucher einen unterhaltsamen Vortrag bieten, dem sie so besser folgen können. Außerdem sollte es nicht schon wieder direkt Luther sein, um den es geht, sondern es sollte mal eine andere Seite gezeigt werden, die dennoch über Luthers Wesen berichtet, erzählte die Pfarrerin.

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Im Kloster lernte sie vor allem eines: schweigen

Die Besucher in der Jakobikirche in Luckenwalde erfuhren beispielsweise, dass Katharina von Bora schon mit sechs Jahren, gerade mal einen Tag nach dem Tod ihrer Mutter, ungefragt in ein Kloster gesteckt wurde, in dem sie Schreiben und Lesen, Niederknien, Bekreuzigen, aber vor allem eins lernte: schweigen.

Geschwiegen wurde am Sonnabend auch, doch nur wenn die Worte Stephanie Hennings durch den Raum der oberen Kirchenempore hallten und Kreiskantor Peter-Michael Seifried auf der Orgel Lieder wie beispielsweise „Air“ von dem deutschen Organisten Johann Heinrich Buttstedt spielte.

Reichlich gedeckte Tafeln mit Kirschkuchen und Schmalzstullen

Hochzeitsmusik erklang, als die verkleidete Katharina von ihrer Ehe mit dem Theologieprofessor sprach, wodurch sie Mutter von sechs Kindern und Schlossherrin des „schwarzen Klosters“ in Wittenberg wurde. „Das dunkelste und kälteste Schloss“, sagte Hennings, wo Badestube und Küche gänzlich fehlten und der Garten verwilderte, wurde von der Theologenfrau wieder zu einer herzlichen Wohnstätte gemacht.

So „herzlich, wie bei Luther“, wie Hildegard Löwe, eine der Organisatoren sagte, sollte auch dieser interaktive Vortrag gestaltet werden. Daher organisierten sie neben der schauspielerisch und musikalisch gestalteten Lesung, reichlich gedeckte Tafeln mit Kirschkuchen und Schmalzstullen für die Gäste.

Eine Frau mit vielen Namen

Mit Zitaten Luthers wie „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ oder „Für die Toten Wein, für die Lebenden Wasser, das ist eine Vorschrift für Fische“, rief die Pastorin immer wieder zum gemeinsamen Essen und Trinken auf.

Geehrt wurde durch diese Art der Vorlesung ein bedeutende Frau mit vielen Namen: Pfarrfrau, Predigerin, Schweinezüchterin, Brauerin, Richterin, gnädigste Hausfrau, Käthe, Morgenstern zu Wittenberg – die Lutherin. Um die Geschichte zu verinnerlichen und an die Reformation sowie dessen Wegbereiter Luther zu denken, wurde am Ende der Veranstaltung zum Beisammensein und Austausch eingeladen.

Von Laura Görner