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Teltow-Fläming MAZ-Leser fragen - Politiker antworten
Lokales Teltow-Fläming MAZ-Leser fragen - Politiker antworten
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00:52 11.09.2014
Interessante Fragen und Antworten in großer Runde gab es bei dem von der MAZ veranstalteten Wahlforum im Zossener Hotel-Restaurant „Weißer Schwan“. Quelle: Gudrun Ott

Die sechste Runde des MAZ-Wählerforums stieg in Zossen, im "Weißen Schwan". Sechs MAZ-Leser haben die Kandidaten für den Brandenburger Landtag befragt. Für das Wahlforum hat die MAZ Leser angesprochen, die in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens aktiv sind. Sie sollten die Politiker zu Themen befragen, die sie aus ihren Berufs- oder Lebensumfeldern kennen und die auch anderen Lesern wichtig sind. Für ihre engagierte Teilnahme vielen Dank!

Befragt wurden

  • Christoph Schulze aus Zossen tritt für die BVB/Freie Wähler an. Der 49-Jährige sitzt bereits seit 1990 im Landtag und war bis 2013 Mitglied der SPD. Er ist studierter Mediziner.
  • Dietlind Biesterfeld (46), kandidiert für die SPD. Sie ist Jugendrichterin, wohnt in Blankenfelde und sitzt dort in der Gemeindevertretung. Außerdem ist sie Unterbezirksvorsitzende ihrer Partei.
  • Gerhard Kalinka (52) aus Blankenfelde tritt für die Grünen an. Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist Gemeindevertreter, Vorsitzender des Kreistags und Sprecher des Nachtflug-Volksbegehrens.
  • Carsten Preuß (52) aus Zossen ist der Kandidat der Linken. Der Mitarbeiter des Kreisumweltamtes ist Fraktionsvorsitzender der Linken in Zossen und Landesvorstandsmitglied des BUND.
  • Daniel Freiherr von Lützow tritt für die AfD an. Der 39-Jährige ist Zeitsoldat und Spediteur und sitzt seit der Kommunalwahl in der Gemeindevertretung von Blankenfelde-Mahlow.

Darum ging es

Stichwort Schulstandort-Sicherung

Frage von MAZ-Leserin Cornelia Schumann: Wie stehen Sie zu einem flexiblen Schulsystem, das es erlaubt, eine Oberschule wie in Wünsdorf nicht gleich zu schließen, auch wenn mehrere Jahre lang nur eine siebente Klasse eingerichtet werden kann?

  • Schulze: Einzügige Schulstandorte können nicht das Ziel sein. Allerdings sollte man darüber nachdenken, ob man nicht überholte Regelungen des Bildungsministeriums zu Klassenstärken aufheben kann. Damit habe ich kein Problem.
  • Biesterfeld: Wenn langfristig keine zwei Züge zustande kommen, dann muss man darüber nachdenken, Kooperationen mit anderen Schulen einzugehen. Das sage ich auch vor dem Hintergrund, dass ab 2019 die Schülerzahlen deutlich sinken werden.
  • Preuß: Schulschließungen sind immer das letzte Mittel. Als Stadtverordneter in Zossen weiß ich, wie viel Geld wir in den Schulstandort Wünsdorf gesteckt haben. Alle baulichen Voraussetzungen sind vorhanden. Nun kommt es darauf an, mehr Eltern und Kinder als bisher von der Attraktivität dieses Standortes zu überzeugen.
  • Kalinka: Wünsdorf liegt gerade noch so am Rand des Speckgürtels. Dort muss man sich die Schülerzahlen in den nächsten Jahren ganz genau ansehen und gleichzeitig darüber nachdenken, wie man diesen Standort noch attraktiver gestalten kann.
  • Von Lützow: Auch wenn es in Wünsdorf in den nächsten Jahren nur 13 Schüler in jeder der beiden siebenten Klassen gibt, dann muss einfach das Geld dafür da sein, um sie zu unterrichten. An der Bildung darf nicht gespart werden. Die Bildungspolitik in Brandenburg ist in den vergangenen 25Jahren ziemlich verkorkst worden. Wir sollten zu einem Schulsystem zurückkehren, das aus Grundschule, Oberschule und Gymnasium besteht, an dem man sein Abitur in 13 Jahren ablegen kann.

Stichwort Schallschutz

Frage von MAZ-Leser Herbert Faust: Bei mir reicht die vom Flughafen gezahlte Entschädigung für Schallschutzmaßnahmen an meinem Haus bei weitem nicht aus. Die dafür verantwortlichen Politiker von Bund, Brandenburg und Berlin legen bestimmt kein Geld drauf, um die Differenz auszugleichen. Bleibe ich am Ende auf meinen Mehrkosten sitzen oder wer zahlt die Zeche?

  • Kalinka: Ich bin selbst von dieser Entschädigungspraxis betroffen und bekomme weniger Geld vom Flughafen als ich bräuchte, um mein Haus schallschutztechnisch auszustatten. So wie mir, geht es tausenden Menschen in Blankenfelde-Mahlow, Schulzendorf und den anderen Umlandgemeinden des Flughafens BER. Deshalb darf es nicht bei den aktuellen Regelungen für den Schallschutz bleiben. Es kann nicht sein, dass Menschen flächendeckend zehntausende Euro für einen angemessenen Schallschutz ihrer Häuser drauflegen. Nach dem Verursacherprinzip müssen Airlines und Passagiere an den Kosten für den Schutz vor Fluglärm beteiligt werden, den sie selbst verursachen.
  • Biesterfeld: Auf jeden Fall dürfen die Bürger nicht auf den zusätzlichen Kosten für den Schallschutz sitzen bleiben. Die vom Flughafen gezahlten Entschädigungen müssen für einen angemessenen Schallschutz ausreichen. Das Geld dafür sollten die Flughafengesellschafter bezahlen. Das sind der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg.
  • Preuß: Am Schallschutz darf nicht gespart werden. Nachdem beim BER schon sonst wie viel Geld in den Sand gesetzt worden ist, sollte man jetzt nicht noch versuchen, hier auf Kosten der betroffenen Bürger irgendwie den letzten Euro zusammenzukratzen. Beispielsweise könnte man die Start- und Landegebühren etwas anheben und das so eingenommene Geld in den Schallschutz stecken.
  • Schulze: Die Verursacher des Fluglärms sollen das Geld für den Schallschutz bezahlen. Angefangen bei den drei Herren, die den falschen Standort für den Flughafen BER ausgeklüngelt haben.
  • Von Lützow: Alle Bürger in den umliegenden Gemeinden müssen konsequent vor Fluglärm geschützt werden. Auch die Menschen in jenen Orten, die von den sogenannten abknickenden Flugrouten betroffen sind, haben ein Recht auf vernünftigen und angemessenen Schallschutz. Daran darf der Flughafen nicht sparen.

Stichwort Flächenbedarf

Frage von MAZ-Leser Markus Mohn: Ackerflächen und Flächen am Rande von Naturschutzgebieten werden zunehmend für Neuansiedlungen von Gewerbe und Wohnungen genutzt und damit versiegelt. Dabei gibt es genug verfügbare Flächen in ausgewiesenen Gewerbegebieten oder auf ehemals militärisch genutzten Liegenschaften. Welche Chancen sehen Sie, den Flächenverbrauch anders zu gestalten?

  • Preuß:Wir müssen daran arbeiten, den Verbrauch bislang freier Flächen zu verringern. Schließlich gibt es im Landkreis Teltow-Fläming genug Konversionsflächen, auf denen etwas passieren muss.
  • Kalinka: Beispielsweise bemüht sich die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow darum, eine ehemals militärisch genutzte Fläche sinnvoll zu nutzen. Dort wo Naturschutzflächen von neuen Investitionen betroffen wären, sollte man überlegen, dafür grundsätzlich andere Flächen in Anspruch zu nehmen.
  • Von Lützow: Wir haben genug belastete ehemalige Militärflächen, beispielsweise in Kummersdorf-Gut und Blankenfelde. Diese Flächen sollte das Land entsorgen und darauf kreatives Gewerbe ansiedeln. Insofern wäre es vernünftig, den Flughafen BER zu schließen. Dann hätte man genug Geld, um entsprechende Förderprogramme zu finanzieren.
  • Biesterfeld: Man könnte über ein Belohnungs- und Bestrafungssystem nachdenken. Jeder Investor, der sein Vorhaben nicht auf dafür in Bauland umzuwidmendem Ackerland umsetzt, könnte belohnt und mit weniger Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen belegt werden.
  • Schulze: Flächenverbrauch und die damit verbunden Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen sind in Brandenburg ein großes Problem. Beispielsweise muss die Flughafengesellschaft für die in Anspruch genommenen BER-Flächen Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen im Wert von 34Millionen erbringen. Leider hat es das Land nicht vermocht, diese Maßnahmen für Teltow-Fläming und damit die vom Flughafen am meisten betroffene Region festzuklopfen. Die meisten Maßnahmen fließen in die Lausitz, die Prignitz und andere Landesteile.

Stichwort Flughafen

Frage von MAZ-Leser Herbert Faust: Welcher Partei kann ich noch trauen, wenn es um das Thema Flughafen BER geht?

  • Schulze: Glauben Sie nichts, dann erleben Sie auch keine Enttäuschung mehr. Der BER ist das große schwarze Loch, das sehr viel Geld absaugt. Zum Flughafen werde ich weiter im Landtag unbequeme Fragen stellen.
  • Biesterfeld: Christoph Schulze und ich haben lange gemeinsam innerhalb der SPD für eine andere Flughafenpolitik gestritten. Wir beide stehen in dieser Frage für Verlässlichkeit. Ich kämpfe weiter für einen angemessenen Schallschutz und gegen eine dritte Start- und Landebahn.
  • Preuß: Als Parteiloser trete ich für die Linke an, um mir im Landtag eine gewisse Sonderstellung zu bewahren. Ich habe mir vorgenommen, die Interessen der von den negativen Auswirkungen des BER betroffenen Bürger innerhalb einer großen Fraktion zu vertreten.
  • Kalinka: Als Sprecher der Volksinitiative gegen Nachtflüge weiß ich, wie schwierig es ist, Flugverkehr gesetzlich zu beschränken. Grundsätzlich müssen wir die Frage stellen: Wie viel Flugverkehr verkraften die Region Berlin-Brandenburg und damit die Menschen, die hier leben?
  • Von Lützow: Wir sind dafür, dass der Flughafen BER sofort geschlossen wird und nicht noch mehr Milliarden reingepumpt werden. Gleichzeitig sollte man einen Alternativstandort suchen. Die regierenden Parteien halten das Prestigeprojekt um jeden Preis am Leben, auch wenn klar ist, dass der BER nur rote Zahlen schreibt.

Stichwort Energiewende

Frage von MAZ-Leser Daniel Schacht: Wer sollte über Standorte für die Produktion erneuerbarer Energien – Windparks oder Photovoltaikanlagen – entscheiden? Das Land oder die Kommune?

  • Kalinka: Als Grüner stehe ich eindeutig für die Energiewende und damit den Ausstieg aus der Atomenergie und der Verstromung von Braunkohle. Wir müssen also in Brandenburg sehen, dass wir Leute finden, die in erneuerbare Energien investieren. Und da kann es nicht sein, dass die Landesplanung Flächennutzungspläne der Kommunen einfach aushebelt.
  • Preuß: Andererseits kann nicht jeder ein Windrad einfach da aufstellen, wo er möchte. Wir brauchen die erneuerbaren Energien. Anders lässt sich der Ausstieg aus der Atomenergie und der Braunkohle nicht darstellen. Allerdings müssen wir grundsätzlich klären, wie viel Windenergie wir in Brandenburg produzieren wollen.
  • Schulze: Das Land sollte Kommunen selbst über Standorte für erneuerbare Energien bestimmen lassen und nicht über die Köpfe der Leute hinweg entscheiden.
  • Biesterfeld: Wenn Kommunen entsprechende Flächen ausweisen, dann sollte sie die Regionalplanung nicht einfach aushebeln.
  • Von Lützow: Zu jedem geplanten Standort für erneuerbare Energien sollte man vorher alle Bürger in den davon betroffenen Orten befragen. Nur wenn eine deutliche Mehrheit den Standort befürwortet, sollte man ihn auch genehmigen. Ich bin strikt gegen Windparks in Wäldern. Gegen solche Vorhaben werde ich kämpfen.

Stichwort Beratung

Frage von MAZ-Leser Ricardo Schewe: In vielen Orten werden Beratungsstellen für Bürger mit sozialen Problemen geschlossen oder existieren nebeneinander her. Wie könnte man die Beratung für Bürger bündeln?

  • Kalinka: Das ist eine Sache der Organisation und der jeweiligen Kommune. Man könnte eine Internettplattform mit allen Beratungsangeboten schaffen. Im Internet könnten dann alle wichtigen Informationen aufgearbeitet werden, damit nicht jeder Bürger zu jedem Beratungstermin gehen muss.
  • Von Lützow: Angebote im Internet lösen das Problem nicht. Viele ältere Bürger nutzen das Internet kaum oder nicht. Gerade sie wollen wissen, an wen sie sich persönlich mit ihren Problemen wenden können, weil es immer weniger Beratungsstellen vor Ort gibt.
  • Schulze: Zu prüfen wäre, ob das Land die Einrichtung gemeinsamer Beratungsstellen mit Förderprogrammen unterstützen kann.
  • Biesterfeld: Wenn Bürger von Zossen nach Luckenwalde fahren müssen, um sich beraten zu lassen, dann ist das nicht gut.
  • Preuß: Auf diese Frage habe ich ganz ehrlich gesagt keine Antwort. Ich weiß aber, dass die fehlende Beratung vor Ort zunehmend ein Thema ist, dessen man sich verstärkt annehmen muss.

Stichwort NPD-Verbot

Frage von MAZ-Leser Daniel Schacht: Die vielen Wahlplakate der NPD fallen mir unangenehm auf. Was kann man gegen diese Partei und ihr rechtsradikales Gedankengut tun?

  • Schulze: Gerade in diesem Bereich unternimmt das Land Brandenburg schon eine ganze Menge. Gegen die NPD und ihre Parolen sollte man in aller Öffentlichkeit einschreiten und aufstehen, an jedem Tag und jedem Ort.
  • Kalinka: Da denke ich wie Christoph Schulze. Im Kern geht es darum, Zivilcourage zu zeigen.
  • Biesterfeld: Ich bin unbedingt dafür, die NPD zu verbieten. Aber damit ist dieses Gedankengut und der Nährboden dafür noch nicht weg. Es geht also auch um den Abbau von Armut und eine andere Verteilung des Reichtums.
  • Preuß: Mit einem Verbot löst man das Problem nicht. Wichtig ist, dass sich in Brandenburg wieder mehr Menschen für Politik interessieren. Wir müssen also die Demokratie wieder lebendig machen.
  • Von Lützow: Das Problem besteht auch darin, dass es in Deutschland Wirtschaftsflüchtlinge gibt, die als Asylbewerber anerkannt werden und Bleiberecht erhalten. So etwas muss man verhindern und einfach nur die bestehenden Gesetze anwenden. Dann entzieht man der NPD den Nährboden.

Stichwort Wahlkreisbüro

Frage von MAZ-Leser Rolf Krause: Wo werden Sie ihr Wahlkreisbüro einrichten, wenn sie in den Landtag gewählt werden?

  • Von Lützow: Ein Bürgerbüro reicht für diesen großen Wahlkreis nicht aus. Deshalb wird es wahrscheinlich zwei Büros geben. Eins in Baruth und eins im Norden. Da genügt ja jeweils ein Raum, um wirklich als Ansprechpartner vor Ort für die Bürger da zu sein.
  • Preuß: Mit der Frage beschäftige ich mich erst, wenn das Wahlergebnis so ausfällt, wie ich es mir vorstelle. Wenn ich in den Landtag gewählt werde, gebe ich auf jeden Fall mein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung Zossen nicht auf, um hautnah zu spüren, was Landespolitik vor Ort bewirkt.
  • Biesterfeld: Wo mein Büro sein wird, ist noch offen. Allerdings ist es illusorisch, in jeder der vier großen Kommunen Baruth, Zossen, Blankenfelde-Mahlow und Rangsdorf ein Büro zu betreiben.
  • Kalinka: Es wird ein Wahlkreisbüro in Zossen oder Blankenfelde-Mahlow mit festen Sprechstunden geben. Allerdings werde ich nicht nur während der Sprechzeiten darauf warten, dass Bürger mit ihren Problemen zu mir kommen. Weiter ist vorgesehen, mit Vorträgen und anderen Veranstaltungen Leben in das Büro zu bringen.
  • Schulze: Ich fühle mich in meinem Zossener Büro gut aufgehoben. Hier bin ich einmal pro Woche von 17 bis 19 Uhr zu sprechen. Allerdings ist es nicht damit getan, dass ich mich in dieser Zeit hinsetze und darauf warte, dass jemand kommt. Pro Jahr habe ich rund 1100 persönliche Kontakte mit Bürgern, damit sie auch wissen, wen sie in den Landtag gewählt haben.

Stichwort Unterrichtsausfall

Frage von MAZ-Leserin Cornelia Schumann: Wie wollen Sie darauf einwirken, dass weniger Unterrichtsstunden an den Schulen ausfallen und genügend Lehrer da sind, die auch alle angebotenen Fächer abdecken?

  • Preuß: Bildung muss in Brandenburg das Thema Nummer eins sein. Sicher hat das Land für das neue Schuljahr 900 Lehrer eingestellt, aber dabei handelt es sich nicht nur um Neueinstellungen, sondern auch um ehemals befristete Stellen, die in unbefristete umgewandelt wurden. Wir brauchen also noch mehr neue Lehrer.
  • Schulze: Die Einstellung von mehr Lehrern ist eine rein politische Entscheidung. Brandenburg hätte für das neue Schuljahr gut und gerne 2000 zusätzliche Lehrer gebraucht. Dafür hätte man mehr Geld in den Haushalt einstellen müssen. Das Land muss sich also prinzipiell entscheiden, ob es künftig mehr Geld für Lehrerstellen und damit weniger Unterrichtsausfall ausgibt. Unter der rot-roten Landesregierung sind im zurück- liegenden Schuljahr 243.000 Unterrichtsstunden ausgefallen.
  • Kalinka: Bildung ist einer der ganz großen Schwerpunkte in der Landespolitik. Was können wir tun? Brandenburg muss überlegen, wie wir die Qualität von Schulen deutlich verbessern. Wenn dieser blöde Flughafen BER und die damit verbundenen Ausgaben nicht wären, könnte man deutlich mehr Geld für den Bereich Bildung loseisen.
  • Von Lützow: Bei den Ursachen für die Bildungsmisere muss man etwas tiefer gucken und fragen: Wie kommen die vielen Fehlstunden zustande? Dafür ist der hohe Krankenstand in der Lehrerschaft verantwortlich. Warum so viele Lehrer krank werden? Weil sie vielfach kaum noch eine Handhabe gegenüber störenden Einflüssen an ihren Schulen haben. Beispielsweise passen viele Schüler nicht mehr auf und stören den Unterricht. Die Disziplin lässt also sehr zu wünschen übrig. Auch die Teamfähigkeit der Schüler ist nicht in dem gewünschten Maße vorhanden. Hinzu kommen zu große Klassenstärken. Das alles führt dazu, dass immer mehr Lehrer krank werden.
  • Biesterfeld: Von dem hohen Krankenstand sind immer mehr ältere Kollegen betroffen. Deshalb hat das Land vor allem jüngere Lehrer eingestellt. Damit allein ist das Problem noch nicht gelöst. Deshalb setzte ich mich dafür ein, dass jede Schule einen Sozialarbeiter bekommt. Oft werden die Lehrer zusätzlich mit den sozialen Problemen ihrer Schüler belastet. Um diese Probleme sollten sich Schulsozialarbeiter kümmern, um den Lehrern den Rücken für ihre eigentliche Aufgabe freizuhalten: nämlich Schüler zu unterrichten.

Stichwort Innenbelebung

Frage von MAZ-Leser Rolf Krause: Wir wollen die Innenstadt in Zossen beleben. Manche Kunden aus den zwölf Ortsteilen müssen nach dem Einkauf zwei Stunden und länger warten, bis ein Bus in ihr Dorf fährt. Wie könnte man die Situation Ihrer Meinung nach verbessern?

  • Preuß: Vor drei Jahren bin ich in Zossen rumgerannt und habe Geschäftsleute und Gewerbetreibende gefragt, ob es Sinn macht, „Kaufland“ anzusiedeln. Weiter wollte ich Bedingungen schaffen, damit die Innenstadt nicht ausblutet. Leider hat sich alles noch ein Stück negativer entwickelt als befürchtet. Seit kurzem liegt nun eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie zur Belebung der Innenstadt vor.
  • Kalinka: Nach der Wende sind im Umfeld von Zossen mit dem A10-Center in Wildau, dem Südring-Center in Rangsdorf und dem Stern-Center in Potsdam gleich drei große Malls nach amerikanischem Vorbild auf der grünen Wiese entstanden. Diese Entwicklung finde ich bedauerlich.
  • Biesterfeld: Man kann die Entwicklung nicht zurückdrehen. Aber man kann den öffentlichen Personen- und Nahverkehr verbessern. Weiter muss es darum gehen, die Innenstadt auch von den Angeboten her attraktiver zu gestalten. Deshalb finde ich es gut, dass sich die Gewerbetreibenden zusammenschließen, um die Innenstadt zu beleben.
  • Schulze: Eine bessere Busanbindung wäre eine gute Möglichkeit, um den Marktplatz zu beleben.
  • Von Lützow: Mit einem Rufbus könnte man die Anbindung der kleinen Orte an die Kernstadt Zossen spürbar verbessern.

Diese Leser haben gefragt

Cornelia Schumann kommt aus Wünsdorf und ist Verwaltungsangestellte. Die 48-Jährige ist Vorsitzende des Fördervereins Oberschule Wünsdorf.
Herbert Faust (79) wohnt in Glasow nur 300 Meter von der Startbahn des BER entfernt. Er war früher Leiter der Kooperation der Akademie der Wissenschaften.
Ricardo Schewe ist 39 Jahre alt und wohnt in Wünsdorf-Waldstadt. Er leitet hauptamtlich die Zossener Tafel, die vom Arbeitslosenverband getragen wird.
Rolf Krause ist 55 Jahre alt, kommt aus Glienick und ist Webdesigner. Er ist Mitglied der Aktionsgemeinschaft der Fachhändler „Stadtmitte Zossen“.
Markus Mohn ist Diplom-Ingenieur für Landschaftsplanung. Der 41-Jährige ist Mitarbeiter des Landschaftspflegevereins Mittelbrandenburg.
Daniel Schacht ist Landwirt in Baruth und 29 Jahre alt. Er arbeitet in der Baruther Urstromtal Rinderhaltung GmbH und kümmert sich dort um die Pflanzenproduktion.
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