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Teltow-Fläming Modelleisenbahnen made in Thyrow
Lokales Teltow-Fläming Modelleisenbahnen made in Thyrow
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11:23 05.12.2016
Pinzette, Lupe, Minilötkolben: Die Montage einer Modellbahn ist reine Handarbeit. Quelle: Oliver Fischer
Thyrow

Die preußische T7 war ein ziemlicher Klotz. Neuneinhalb Meter lang, 42 Tonnen schwer, drei Achsen, kantig, grob genietet. Mit genügend Dampf auf dem Kessel konnte sie ihre Masse schon mal auf 40 Stundenkilometer wuchten und dabei immense Lasten ziehen – aber die Erhabenheit, die alte Dampflokomotiven gerne umweht, ergriff Zeitgenossen bei ihrem Anblick eher selten. Unter den Loks ihrer Epoche war sie das Brauereipferd. „Sie hat extrem große Zylinderblöcke, damit ist sie eigentlich ziemlich hässlich“, sagt sogar Werner Hammer. Trotzdem hat der Thyrower in den letzten vier Jahren viel an die T7 gedacht – und viel Geld in sie investiert. Er setzt einige Hoffnungen in die alte Lok. Sie soll sein neues Erfolgsmodell in der Spurbreite H0 werden.

Der Diplom-Ingenieur Werner Hammer ist Gründer und Chef der Firma PMT. Das steht für „Profi Modell Thyrow“, was vielleicht nicht der flippigste Name ist, aber gut zusammenfasst, was Hammer und seine sieben Angestellten machen. Sie produzieren Modelleisenbahnen „Made in Thyrow“ – und sind damit eine von nur noch drei Firmen, die ihre Modelle ausschließlich in Deutschland herstellen.

Die Großen schauen vor allem auf Wirtschaftlichkeit

Der Markt wird zwar dominiert von einigen großen Unternehmen, allen voran Märklin, Roco oder Fleischmann, die Jahresumsätze im zweistelligen Millionenbereich machen. Bei der Auswahl ihrer Modelle schauen die Großen aber vor allem auf Wirtschaftlichkeit, sagt Hammer: Was lässt sich möglichst günstig produzieren und möglichst teuer verkaufen. Und weil Modelleisenbahner auch ein Herz für Besonderheiten und Kleinserien haben, bleibe noch genug übrig für die kleinen Hersteller.

Die T7 etwa wollte bislang keiner der gut 150 europäischen Hersteller produzieren – was bemerkenswert ist. Denn von allen anderen preußischen Tenderloks gibt es inzwischen Modelle, die unter den Hobbyeisenbahnern auch ihre Abnehmer finden. Werner Hammer hat sich deshalb bereits vor vier Jahren entschieden, die Lücke zu füllen. Dafür hat er mit zwei Mitarbeitern eines der beiden letzten noch existierenden Exemplare der T7 in einem polnischen Museum aufgesucht und mit dem Zollstock einen ganzen Tag lang jede Strebe, jede Treibstange und jedes Stahlblech vermessen. Anschließend hat ein Konstrukteur die Daten in ein Modell umgesetzt.

20 Gussformen braucht Hammer für eine Lok

Seither ist Werner Hammer dabei, die nötigen Werkzeuge für die Produktion herzustellen. Er braucht vor allem Gussformen, mit denen die Plastikteile gegossen werden können. Rund 20 solcher Formen sind für eine komplette Lok nötig, sagt Hammer. Die Herstellungskosten für diese Werkzeuge können weit in den sechsstelligen Euro-Bereich gehen. Dieses Geld aufzubringen sei das, was die Planung neuer Modelle langwierig macht.

Die T7 sollte eigentlich schon 2013 auf den Modellbahnplatten dieser Welt fahren, jetzt wird es 2017, zum 25-jährigen Bestehen der Firma. Auch gut.

Das Hauptquartier von PMT ist ein alter Schuppen hinter Hammers Privathaus, den der Chef Anfang der 90er Jahre zur Werkstatt umgebaut hat. Hammer hatte sich damals einen Kindheitstraum erfüllt. Er sei immer begeisterter Eisenbahner gewesen, sagt er. Als Kind schob er die ersten Schienenstränge zusammen, als Erwachsener projektierte er im Geräte- und Reglerwerk Teltow Eisenbahnsicherheitstechnik. Als nach der Wende das Klima auf der Arbeit frostig wurde, entschied er sich für den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich wollte machen, was ich am besten kann“, sagt er. Als Enthusiast kannte er den Markt – und Eisenbahnmodelle hatte er schon zu DDR-Zeiten gebaut, damals eher aus der Not heraus. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner gründete er 1992 PMT.

Lupen, kleine Schraubenzieher, Mini-Lötkolben

Die Werkstatt mutet an wie eine Zeitschleuse. Im dunklen Raum sitzen ein paar Männer und Frauen an vollen Arbeitstischen. Sie rascheln in Kisten und Kästchen, greifen Baugruppen aus schwarzem oder weißem Plastik und fummeln im Schein ihrer Lampen kleine Teile in andere kleine Teile. Sie kleben Dächer auf Waggons, montieren Gestänge auf Fahrgestelle und Geländer auf Chassis. Sie benutzen Lupen dafür, kleine Schraubenzieher und Mini-Lötkolben. Die Montage einer PMT-Lokomotive ist pure Handarbeit, was das Endprodukt entsprechend kostspielig macht. Um die 200 Euro kostet eine Lokomotive. „Das ist kein Kinderspielzeug, eher etwas für Liebhaber“, sagt Hammer.

Das könnte auch gut und gerne für den Maschinenpark gelten, der im Nachbarraum steht. Drehbänke, Fräsen, Pressen, Spritzguss-Maschinen, alles resedagrün lackiert, 30 oder 40 Jahre alt. Einige der Maschinen hat Werner Hammer von einer Dresdener Firma übernommen, die vor Jahren aufgeben musste und deren Modelle PMT nun weiterführt. „Funktioniert aber bestens, es muss nicht immer CNC-Technik sein“, sagt Hammer.

Computergesteuerte Fertigung lohnt sich nicht

Die würde sich bei den meisten Arbeitsschritten ohnehin nicht rechnen. Wenn es hoch kommt, verkauft PMT von einer Baureihe ein paar tausend Stück. Da lohnt sich computergesteuerte Fertigung nicht. Selbst in den Produktionsräumen des Branchen-Krösus Märklin, der mehr als 1000 Beschäftigte hat, werde so gearbeitet wie in Thyrow, sagt Werner Hammer.

www.pmt-modelle.de

Von Oliver Fischer

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