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Teltow-Fläming Moderner Ablasskasten für den Holz-Tetzel
Lokales Teltow-Fläming Moderner Ablasskasten für den Holz-Tetzel
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08:13 11.01.2017
Holzbildhauer Oliver Recknagel bessert Schäden aus, ohne dem Tetzel aus Eichenholz seine Patina zu rauben.
Holzbildhauer Oliver Recknagel bessert Schäden aus, ohne dem Tetzel aus Eichenholz seine Patina zu rauben. Quelle: Peter Degener
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Langenlipsdorf

Erst 17 Jahre ist er alt und bekommt schon sein erstes „Facelifting“. Die Holzfigur des Ablasspredigers Johann Tetzel, die seit dem Jahr 2000 am Jüterboger Heilig-Geist-Platz steht, wird gerade in der Holzwerkstatt von Sik-Holz in Langenlipsdorf aufgearbeitet. In der kommenden Woche tritt der lebensgroße Tetzel dann bei der Lebensmittelmesse Internationale Grüne Woche in Berlin als Botschafter für Jüterbog auf

Figur liegt Sik-Holz-Gründer am Herzen

Die Idee dazu hatte Sik-Holz-Geschäftsführer Klaus-Peter Gust gemeinsam mit dem Stadtmarketing und dem Heimatverein Jüterboger Land im Dezember spontan ausgeheckt. Die Figur liegt Gust am Herzen. Er selbst hatte den Holz-Tetzel einst als einladende Dekoration des Stadtbild neben dem Restaurant „Tetzelstuben“ geschaffen.

„Zusätzlich bauen wir einen Tetzelkasten für die Grüne Woche, verrät der Unternehmer. Äußerlich mit Metallbeschlägen und falscher Patina soll diese Kiste auf alt getrimmt, doch im Innern ganz modern sein. „Wir bauen dort ein modernes Soundsystem ein, das mechanisch aktiviert wird. So etwas verwenden wir normalerweise auf unseren Spielplätzen“, sagt Gust.

Ablasstruhe mit Sound-Effekt

Der Clou ist eine Kurbel, die aus der Truhe herausragen wird. „Wenn man daran dreht, ertönt eine Stimme, die als Belohnung für das Kurbeln etwas über die Reformation, Jüterbog und Johann Tetzel erzählt“, sagt Gust.

Seine dreitägige Schönheitskur hat Tetzel seit Montag von Holzbildhauer Oliver Recknagel bekommen. „Ich habe das Eichenholz von Dreck und Moos befreit und Risse mit Keilen und Holzspachtel ausgebessert. Bis auf den Sockel, der teils etwas faulig war, ist das Holz noch sehr gut“, lautet sein Urteil. Schon als Lehrling hatte Recknagel die Figur zum Stadtjubiläum 2007 erstmals ausgebessert. Mit Schleifmaschine und einem Schnitzeisen für die versteckteren Stellen geht er ganz behutsam vor. Im Gesicht kommt nur ein Schleifschwamm zum Einsatz. „Er soll seine Patina ja nicht verlieren“, sagt Recknagel.

Von Peter Degener