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Teltow-Fläming Mann gesteht Brandanschlag auf Ehefrau
Lokales Teltow-Fläming Mann gesteht Brandanschlag auf Ehefrau
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13:44 18.02.2014
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Matthias Schöneburg beim Prozessbeginn im Landgericht in Potsdam. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Dana R. sitzt mit einer Zigarette auf der Veranda, als die Hölle über sie hereinbricht. Es ist der 26. Juni 2013, kurz vor 14 Uhr, gleich muss die Krankenschwester zur Spätschicht. Ihr Mann sitzt bei ihr. „Wir haben nicht viel gesprochen“, erinnert sich Dana R. Plötzlich fährt ihr Mann hoch. „Mir reicht’s“, ruft er, springt auf. Als er zurückkehrt, spritzt er der 37-Jährigen aus einer Flasche Benzin ins Gesicht. „Dann sah ich nur noch, wie aus einem Rohr eine Flamme auf mich zukam. Ich hatte Todesangst.“

Eine fassungslos machende Tat wird seit Dienstag vor dem Landgericht Potsdam verhandelt. Friedhelm R. (51) soll seine Frau aus Eifersucht mit Benzin übergossen und mit einer Leuchtrakete angezündet haben, um sie zu töten.

„Für den Fall, dass sie überlebt, sollte sie entstellt sein, um sie für Nebenbuhler unattraktiv zu machen“, sagt Staatsanwalt Peter Petersen. Dana R. konnte sich nur durch einen Sprung in den Gartenteich ihrer Eltern retten, die direkt nebenan in Blankenfelde (Teltow-Fläming) wohnen. Ihr siebenjähriger Sohn hat die Tat miterlebt, blieb aber unverletzt. Fünf Wochen lag die junge Frau im künstlichen Koma. 13 Operationen hat sie hinter sich. Erst vor zwei Wochen kam sie aus der Reha.

Kurz nach der Hochzeit kippt die Beziehung

Der Fall beschreibt eine beispiellose Eskalation einer kurzen Beziehung, die im Sommer 2012 in Rostock begann. Friedhelm R. besucht seine Schwester, die eine behinderte Tochter hat. Dana R. ist die Pflegerin. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der Angeklagte. In atemberaubendem Tempo entwickelt sich die Beziehung. Bei der Hochzeit im November ist Dana R. schon schwanger. Ihre Eltern hatten sie vor der übereilten Eheschließung gewarnt.

Schon bald kippt die Beziehung. Dana R. erleidet eine Fehlgeburt. Danach habe sie nicht mehr mit ihrem Mann schlafen können, erinnert sie sich. „Es lag nicht daran, dass ich ihn nicht mehr geliebt habe. Ich konnte seine Berührung nicht mehr ertragen.“ Im Februar zogen sie von der Ostseeküste ins brandenburgische Blankenfelde, dort war Dana R. einst geboren worden. Zwei ältere Damen vermieten dem Paar ein Haus, direkt neben Dana Rs. Eltern. „Wirklich tolle Leute“, sagt Friedhelm R. über seine Schwiegereltern.

Der Angeklagte wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf, in Bad Sülze, der Vater war Nachtwächter im Sanatorium, die Mutter Invalidin wegen Rheumas. „Ich musste sie immer mit Schlangengift einreiben“, sagt der Sohn. Er lernt Kellner auf Usedom, trifft mit 15 seine erste Frau, die ihn später, wie er erzählt, „hinterfotzig“ betrogen habe. 20 Jahre sind die beiden zusammen, bekommen Kinder. Als die erste Ehe in die Brüche geht, rastet R. aus. „Leider habe ich die Mutter meiner Kinder krankenhausreif geschlagen“, sagt er.

Seine Erinnerungen an die kurze Beziehung klingen abenteuerlich

Der Angeklagte schildert sein Leben als eine Reihe von enttäuschenden Frauengeschichten. „Ich hab gekocht, gebügelt, abgewaschen, was weiß ich.“ Die Frauen hätten es ihm gedankt, indem sie sich auf Volksfesten anderen Männern hingaben.

Friedhelm R. hat von seiner Ehe mit Dana R. ein ganz eigenes Bild. „Nach dem Umzug nach Blankenfelde war auf einmal alles scheiße. Ich hab geschnarcht, zu schnell gegessen, falsch geatmet, was weiß ich“, sagt er. Warum seine Frau nach der Fehlgeburt nicht mit ihm schlafen wollte, dafür hat Friedhelm R. eine Theorie: Er vermutet eine Affäre, findet angeblich einen mit Sperma befleckten Slip im Wäschekorb.

Seine Erinnerungen an die kurze Beziehung klingen abenteuerlich. Dana R. habe etwa ihren Sohn aus ihrer ersten Partnerschaft dazu ermuntert, seiner kleinen Schwester zwischen die Beine zu langen, weil Männer das so machen würden. „Und ich durfte sie nicht mehr anfassen“, sagt Friedhelm R.

Ein anderes Mal habe sich ein Freund von ihm ungeniert beim Grillfest an seiner Frau bedient, ihr an die Brüste und an den Slip gefasst. „Warum haben sie bei diesem angeblichen Übergriff nicht reagiert?“, fragt der Staatsanwalt. „Die hätten mich doch alle ausgelacht“, sagt Friedhelm R. In seiner Welt hat Dana ihn nur geheiratet, damit er ihr den Umzug nach Blankenfelde bezahlt.

Michaela Mumm-von Oldenburg sagt zu diesen Geschichten: „Das ist Legendenbildung. Welche Mutter lässt schon zu, dass ihr Sohn ihrer Tochter zwischen die Beine fasst?“ Die Rechtsanwältin vertritt Dana R., die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt. Dana R. hört ruhig zu, wenn ihr Peiniger erzählt, macht sich Notizen. Die blonde Frau hat Narben im Gesicht, an den Händen, am Rücken davongetragen. Sie schluckt täglich Schmerzmittel, hat weitere Operationen vor sich.

„Zehn Sekunden später hatte sie das Benzin in der Fresse“

Dana R. kann am ersten Verhandlungstag nur kurz aussagen, sie muss noch zur Therapie. Ihr Mann sei krankhaft eifersüchtig gewesen. Freunde habe sie nicht mehr umarmt, aus Angst, er könne ausrasten. Einmal habe er ihrem Vater gegenüber gedroht, ihr etwas anzutun. „Du fasst meine Tochter nicht an“, habe der Vater entgegnet. „Dazu brauch’ ich sie nicht anzufassen“, soll Friedhelm R. daraufhin gesagt haben.

Kurz nach dem Brand in Blankenfelde. Quelle: Aireye

Friedhelm R. leugnet die Tat nicht, schildert sie aber anders. Seine Frau habe wieder mit ihren Sticheleien angefangen, habe vor seinen Augen mit ihrem Liebhaber telefoniert. Und dann habe sie einen obszönen Spruch gemacht, über ihre Affären. „Zehn Sekunden später hatte sie das Benzin in der Fresse“, sagt Friedhelm R. Zischend und schnaufend erzählt der muskulöse Mann mit den kurz geschorenen Haaren, warum er seine Frau angezündet hat. „Ich bin explodiert. Das Maß war voll. Mir hat’s gereicht. Wie viel Demütigung sollte ich noch ertragen?“ Während seine Frau in Flammen stand, fuhr R. davon. Er saß stundenlang in der Spielothek, stellte sich am nächsten Tag der Polizei.

Warum hatte Friedhelm R. eine Flasche mit Benzin griffbereit, als er am 26. Juni 2013 wegen der angeblichen Schikane „explodiert“ ist? Er habe vorgehabt, das Haus anzuzünden, sagt er, damit kein fremder Mann dort einzieht. Rechtsmediziner Jörg Semmler hat seine Zweifel. Wer ein Haus abfackeln will, nimmt gleich einen Kanister und füllt das Benzin nicht vorher in Flaschen ab. „Warum haben Sie das Benzin in Flaschen gefüllt?“, fragt Semmler. „Mir war einfach danach“, ruft R. genervt.

„Mein Mandant bereut die Tat“, so Verteidiger Matthias Schöneburg. „Er war erschüttert über die Folgen.“ Im Gefängnis hat Friedhelm R. Fotos seiner gezeichneten Frau erhalten. Er sagt: „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben.“

Der Prozess wird am 18. Februar fortgesetzt.

Spektakuläre Fälle

  • Er ging als Axtmörder in die Justizgeschichte ein: Im April 2005 erschlug Thomas M. in Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) seine Eltern mit einer Axt. Der 19-jährige Drogenabhängige hatte ein Mädchen – ebenfalls drogensüchtig – kennengelernt. Den Eltern missfiel die Beziehung. M. wurde im Oktober 2005 zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.
  • Nicht minder blutrünstig war die Tat von René S. Der 28-Jährige aus Rathenow (Havelland) ermordete im Juli 2010 seine Eltern und zerlegte die Leichen mit einer Kettensäge. Nach langen Jahren autoritärer Erziehung entlud sich bei dem Jurastudenten der aufgestaute Hass. S. erhielt im Februar 2011 eine lebenslange Haftstrafe.
  • Ein grausiges Familiendrama ereignete sich im August 2011 in einem Wald bei Börnicke (Havelland). Weil er seiner Ex-Ehefrau das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder nicht gönnte, ermordete der 40-jährige Däne Peter-Thue R. die neun und zehn Jahre alten Töchter. Er betäubte sie im Auto und zündete den Wagen an. R. erhielt im Mai 2012 lebenslänglich.
  • Am Ende blieben Zweifel. Das Indizienverfahren gegen Heinrich Scholl, Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), ließ viele Deutungen zu. Der heute 71-Jährige soll Ende Dezember 2011 seine Ehefrau erdrosselt haben. Die Beziehung war zerrüttet. Scholl wurde im Mai 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestreitet die Tat. Der Fall liegt zur Revision beim Bundesgerichtshof. V.Kr.

Von Torsten Gellner

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