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Teltow-Fläming Scheunenwindmühle fasziniert Besucher
Lokales Teltow-Fläming Scheunenwindmühle fasziniert Besucher
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00:26 25.05.2018
Elke Krause aus Berlin hat es sich mit ihren drei Jagdhunden auf der Wiese vor der Saalower Scheunenwindmühle bequem gemacht. Quelle: foto: Frank Pechhold
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Saalow

„So was habe ich noch nie gesehen.“ Faszination pur sprach aus den Worten von Christian Müller nach seinem Besuch der Saalower Scheunenwindmühle. Dort drängten sich Pfingstmontag Schaulustige aus nah und fern.

Müller und seine Familie wohnen im bayerischen Meisach. „Wir sind über Pfingsten bei meinem Schwiegervater in Mittenwalde zu Besuch. Er hat uns den Ausflug am Mühlentag vorgeschlagen.“ Erste Station war die Karthäusermühle in Telz, zweite Saalow. „Man kennt ja sonst nur die klassischen Windmühlen.“ Aber eine Mühle in der Scheune sei außergewöhnlich.

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Auf dem Weg zur „Via Molina

„Das Antriebsprinzip ist eine hölzerne Windturbine“, so Marianne Frey, Vorsitzende des Vereins „Scheunenwindmühle Saalow“. Geschaffen wurde die Mühle zwischen 1864 und 1866 bei Dresden. Johann Traugott Leberecht Schubert, Hobbytischler und Besitzer eines Dreiseithofes, wollte den Mühlenzins umgehen. Also baute er sich in einem zweistöckigen Fachwerkhaus eine Mühle, die nicht als solche zu erkennen war.

Unter Anleitung von Marianne Frey wurde das mittlerweile in seine Einzelteile zerlegte und in Saalow lagernde Mahlwerk 1993 wieder aufgebaut. Um den Bekanntheitsgrad des technischen Denkmals hinaus zu erhöhen, beteiligt sich der Mühlenverein an dem Projekt „Via Molina“ (Europäische Kulturstraße der Mühlen). „Bislang haben wir als einziger Brandenburger Verein unsere Bereitschaft bekundet, daran mitzuwirken“, so die Architektin. Am Ende der Vorbereitungsphase muss der Europarat die „Via Molina“ zertifizieren und offiziell anerkennen. „Aber bei diesem Projekt mahlen die Mühlen leider viel zu langsam.“ Dabei würde diese Art von Werbung auch dem kleinen Mühlenverein gut tun.

Mühlenverein sucht dringend neue Mitglieder

„Wir sind gerade mal acht Mitglieder“, sagt Freys Mann Theo Boss. Erfreulicherweise bekomme der Verein von der Lokalen Aktionsgruppe „Rund um die Fläming-Skate“ Fördermittel in Höhe von 25 000 Euro. „Mit dem Geld wollen wir die Außenhülle der Mühle sanieren, Fachwerk und Fenster streichen“, so Boss. Die ersten Fenster an der Westseite habe man schon sichern müssen, weil Scheiben rauszufallen drohten.

Boss zufolge sei es sehr schön, am Mühlentag solche Besuchermassen zu erleben. Andererseits stimme es ihn traurig, dass die Zahl der Vereinsmitglieder immer weiter schrumpft. „Uns fehlt einfach der geschichtlich und technisch interessierte Nachwuchs.“ Deshalb freue er sich über jede Unterstützung. Beispielsweise habe ein kurzer Anruf beim Bauhof der Gemeinde Am Mellensee genügt, und schon wurde die Wiese am Dorfanger gemäht. „Wir wollen die Mühle und das Umfeld in einem sehenswerten Zustand präsentieren, damit die Leute einen guten Eindruck mit nach Hause nehmen“.

Begeisterung bei den Besuchern

So wie die Rotberger Editha und Wolfgang Müller. „Müller und Mühlentag – das passt doch wunderbar“, spielte Wolfgang Müller auf seinen Nachnamen an. Helmut Jabczynski aus Wildau besuchte die Saalower Mühle voriges Jahr erstmals. „Von dem Besuch war ich so begeistert, dass ich sie diesmal unbedingt meiner Tochter und Enkelin zeigen wollte“. Elke Krause aus Berlin-Charlottenburg saß mit ihren drei Jagdhunden Vicky, Layna und Danny auf der frisch gemähten Wiese. „Wir sind mit einer Wandergruppe in Zossen gestartet“, sagte sie. „Die Mühle ist wirklich einmalig. Hierher wäre ich auch bei schlechtem Wetter gewandert.“

Von Frank Pechhold