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Teltow-Fläming Nach Insolvenz: So geht es dem Lila Bäcker
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Nach Insolvenz: So geht es dem Lila Bäcker

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11:06 24.08.2020
Knapp ein Jahr nach Insolvenz und Neustart hat die Backkette Lila Bäcker ihre Umstrukturierungen abgeschlossen und registriert steigende Umsätze. Quelle: Stefan Sauer/ZB/dpa
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Neubrandenburg

Knapp ein Jahr nach Insolvenz und Neustart hat die Backkette Lila Bäcker (Neubrandenburg) ihren Umbau abgeschlossen und registriert steigende Umsätze. „Wir sind extrem froh, dass wir unsere Hausaufgaben 2019 erledigen konnten, denn das wäre im Zuge der Corona-Krise in der alten Struktur schwierig geworden“, sagte Geschäftsführerin Viola Kaluza der Deutschen Presse-Agentur. Trotz der Corona-Pandemie seien alle 270 Filialen geöffnet geblieben.

„Wir sind systemrelevant“, sagte Kaluza. Kurzarbeit habe man nur zu einem kleinen Teil, vor allem in der Kuchenproduktion, anwenden müssen. Das habe damit zu tun, dass die Gastronomie, für die auch produziert wird, in der Krisenzeit fast völlig heruntergefahren worden war.

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Der Lila Bäcker - der auch als Unser Heimatbäcker Holding GmbH firmiert - hatte Anfang 2019 mit rund 2500 Mitarbeitern und 400 Läden Insolvenz angemeldet. Auch dank einer Landesbürgschaft aus Schwerin kam es im September 2019 zum Neustart. Jetzt gehören rund 2100 Mitarbeiter und etwa 270 Filialen dazu, die je zur Hälfte in Brandenburg und Berlin sowie in Mecklenburg-Vorpommern liegen. Produziert wird in Pasewalk und Neubrandenburg, Logistikzentren gibt es in Pasewalk, Gägelow bei Wismar und Großbeeren bei Berlin.

„Im Frühjahr war es sehr schwer“, räumte Kaluza ein. In einigen Filialen sank der Verkaufsumsatz um bis zu 30 Prozent, weil Kunden die Waren nicht mehr in Läden verzehren durften. Vor allem in der Nähe von geschlossenen Schulen sowie Gewerbe- und Bürogebäuden stockte das Geschäft. „Überhaupt hat sich der Einkauf sehr gewandelt“, sagte die Geschäftsfrau. Bis heute gingen Leute auch wegen der Maskenpflicht nicht mehr so oft einkaufen wie früher, kauften dafür aber mehr auf einmal. „Das gleicht sich aus.“

Dabei seien Brot und Brötchen, die zentral in Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) gebacken werden, die Hauptumsatzbringer. Insgesamt habe Lila Bäcker - auch bei Kuchen - den Anteil von eigenen Produkten von früher 50 Prozent auf heute 90 Prozent erhöht. „Nur beispielsweise Croissants lassen wir liefern, wie andere auch.“ Und auch Eis habe man ins Sortiment aufgenommen.

Die Corona-Krise hatte auch noch einen anderen Effekt. Weil Gaststätten lange geschlossen hatten, hatte die Backbranche deutlich mehr Bewerbungen als vor einem Jahr und konnte Fluktuation so besser ausgleichen. „Die Situation hat sich deutlich gewandelt“, sagte Kaluza, die vor einem Jahr noch Leute gesucht hatte.

Die Verwaltung sei von Pasewalk nach Neubrandenburg gezogen und die Zahl der Führungskräfte reduziert worden, da es nur noch 10 statt bisher 14 Filialgruppen gibt. Lage und Umsatz der Filialstandorte werde genau analysiert, So wird sich die Kette unter anderem von einem Standort in Potsdam trennen, aber in Berlin einen neuen öffnen. An der Ostsee sei zu merken, dass mit zunehmendem Tourismus das Geschäft wieder angezogen hat. „Doch die Krise ist noch nicht vorbei“, warnte Kaluza. Zu einem zweiten „Lockdown“ dürfe es nicht kommen, denn dies würden viele Firmen und Läden nicht verkraften. Eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung auf 24 Monate, wie in der Politik diskutiert, hält die Geschäftsfrau nicht für notwendig.

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Von RND/dpa