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Teltow-Fläming Neue Erdgas-Pipeline für Gazprom
Lokales Teltow-Fläming Neue Erdgas-Pipeline für Gazprom
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09:09 05.04.2018
Eine derartige Erdgas-Verdichterstation wird im Baruther Ortsteil Radeland gebaut.
Eine derartige Erdgas-Verdichterstation wird im Baruther Ortsteil Radeland gebaut. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Als vor etwa zehn Jahren bekannt wurde, dass die Opal-Pipeline auch durch die Region Dahmeland-Fläming führen soll, löste die Information eine massive Protestwelle aus. Kommunen holten anwaltlichen Rat ein, Bürgerinitiativen gründeten sich, es gab Klagen gegen das Verfahren. Besonders in Baruth, wo eine große Verdichterstation geplant war, schlugen die Wellen hoch.

Seit einer guten Woche liegen in den betreffenden Rathäusern der Region wieder Unterlagen zu einer Erdgasleitung aus. Diesmal geht es um das Raumordnungsverfahren für die Eugal-Pipeline. Das ist ein 485 Kilometer langes Rohrsystem, das in zwei parallel verlaufenden Leitungssträngen Erdgas von der Ostsee durch Brandenburg – unter anderem durch die Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming – bis nach Tschechien transportieren soll. Die Pipeline soll der Einfachheit halber weitgehend auf derselben Trasse wie die inzwischen gebaute Opal-Leitung verlaufen, sie wird aber deutlich größer als diese sein: dickwandige Stahlrohre, 1,40 Meter im Durchmesser, 51 Milliarden Kubikmeter Transportkapazität pro Jahr.

Außerdem soll sie eine eigene Verdichterstation bekommen, die wieder in Baruth gebaut werden soll. Diesmal noch größer und deutlich leistungsstärker als die erste Station. Protestiert wurde gegen das Vorhaben bislang allerdings nicht. Es bleibt auffällig still.

Nimtz: „Wir hatten keine Chance“

Kein Wunder, sagt Siegbert Nimtz. Nimtz (Wählergemeinschaft) ist Bürgermeister der Gemeinde Heidesee, durch die die Trasse verlaufen soll. Auch seine Gemeinde war damals von der Opal-Leitung betroffen und hatten versucht, gegen die Planung und den Bau vorzugehen. Man hatte sogar ein Berliner Anwaltsbüro bemüht, weil die Pipeline mitten durch den Ortsteil Bindow führen sollte. „Wir wollten das damals nicht, weil die Entwicklung des Ortsteils entlang der Trasse damit auf lange Sicht blockiert ist. Direkt auf der Leitung darf schließlich nichts gebaut werden“, sagt Nimtz. Die Bemühungen blieben aber damals erfolglos. „Wir hatten keine Chance, den Bau zu verhindern. Das haben auch die Bürger registriert, die damals Einwendungen geschrieben haben“, berichtet der Bürgermeister.

Die Planungen für die Eugal-Pipeline, die seit wenigen Tagen auch in Heidesee ausliegen, gefallen Siegbert Nimtz genauso wenig wie die Opal-Planungen vor zehn Jahren. Auch die neue Erdgasleitung soll wieder durch Bindow führen. Wenn sie gebaut wird – nach derzeitigem Stand soll das etwa 2019 der Fall sein –, dann werden wieder Straßen aufgerissen, die Baufahrzeuge werden womöglich wieder unbefestigte Wege zerfahren, genau wie damals. Und der Streifen, auf dem in Bindow nichts gebaut werden darf, wird dadurch wieder ein paar Meter breiter. Nimtz hatte deshalb schon angemerkt, dass ihm eine Trasse um Bindow herum deutlich lieber wäre. Trotzdem, sagt Nimtz, sei er diesmal nicht bereit, erneut Geld für einen Anwalt auszugeben. Genauso gut könne man es aus dem Fenster werfen, so Nimtz: „Ein Rechtsstreit bringt nichts.“

Alternativstandort Massow ist vom Tisch

So denkt man auch in Baruth. Dort wollen Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) und die Gemeindevertreter keine Grundsatzdiskussion mehr aufkommen lassen über den Bau der zweiten Verdichterstation. Selbst von dem Alternativstandort Massow, den der Bürgermeister im Oktober noch ins Auge gefasst hatte, hat man sich inzwischen verabschiedet. Zu aufwendig.

So wie es aussieht, wird die neue Station direkt neben die bereits vorhandene gebaut. Die Frage ist nur noch, ob auf nördlicher oder auf westlicher Seite. „Ich denke nicht, dass wir die Station grundsätzlich verhindern können. Wir wollen als Gemeinde den Prozess begleiten und schauen, dass wir wenigstens die Abwärmenutzung hinbekommen“, sagt Ilk. Abwärmenutzung wäre immerhin ein Fortschritt. Die schon vorhandene Verdichterstation steht in unmittelbarer Nähe zum Baruther Industriegebiet und setzt unfassbare Energiemengen frei, die einfach als Abwärme in die Atmosphäre verpuffen.

Einige ortsansässige Unternehmen würden damit gern ihre Produktionshallen beheizen. Zu diesem Thema habe es auch schon Gespräche mit dem Projektträger Gascade gegeben, die daran ebenfalls interessiert sind, sagt Ilk. Möglicherweise könne die Abwärme auch genutzt werden, um eine der zur Verdichtung nötigen Gasturbinen durch eine Dampfturbine zu ersetzen. Mehr wagt man in Baruth nicht mehr zu hoffen.

Opal-Leitung bisher nur zur Hälfte ausgelastet

Und selbst diese Wünsche sind kein Selbstgänger. Bei der bisher vorhandenen Verdichterstation ist die Nutzung der Abwärme zwar nicht vorgesehen, sie wäre aber bisher auch kaum praktikabel. Denn die Opal-Leitung ist bislang nur zur Hälfte ausgelastet, womit eine kontinuierliche Wärmeversorgung nicht gewährleistet ist.

Das liegt allerdings nicht an der fehlenden Gas-Nachfrage. Es gab vielmehr ein rechtliches Problem. Der russische Energie-Riese Gazprom, der die Pipeline nutzt, hatte bisher nur Nutzungsrechte für die Hälfte der Kapazität. Die EU-Kommission hatte festgelegt, dass die zweite Hälfte für andere Anbieter frei gehalten wird. Diese anderen Anbieter gab es freilich nie.

Seit November ist die Regelung aufgehoben. „Damit kann Gazprom 90 Prozent der Leitungskapazitäten nutzen“, sagt Peter Ilk, der nun Hoffnung schöpft, dass die auch die bestehende Verdichterstation für eine Abwärmenutzung nachgerüstet werden kann.

Die Unterlagen für die Eugal-Pipeline liegen noch bis zum 17. Februar in den Kreisverwaltungen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming sowie in den Rathäusern von Königs Wusterhausen, Mittenwalde, Ba­ruth, Heidesee, Bestensee und in der Amtsverwaltung des Schenkenländchens aus. Sie können zumeist während der üblichen Öffnungszeiten eingesehen werden.

Von Oliver Fischer