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Teltow-Fläming Ehepaar adoptiert jungen Afghanen
Lokales Teltow-Fläming Ehepaar adoptiert jungen Afghanen
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09:07 24.12.2019
Pfarrerin Ines Fürstenau-Ellerbrock und ihr Mann Jens Ellerbrock feiern Heiligabend ganz klassisch unterm Tannenbaum und mit ihrem muslimischen Adoptivsohn. Quelle: Isabelle Richter
Niedergörsdorf

„Ich sehe das als gute Fügung für alle Beteiligten“, sagt Ines Fürstenau-Ellerbrock. Die Niedergörsdorfer Pfarrerin (48) und ihr Mann Jens Ellerbrock (46) haben keine leiblichen Kinder. Trotzdem verbringen sie Heiligabend mit ihrem Sohn. Denn vor vier Jahren nahm das Schicksal des Paares einen unerwarteten Lauf. Ines Fürstenau-Ellerbrock und Jens Ellerbrock adoptierten Anfang 2017 einen jungen Flüchtling.

Starke Verbindung von Anfang an

Farid (Name geändert) flüchtete im Jahr 2015 auf den Rat seiner Eltern mit nur 16 Jahren aus seinem Heimatland Afghanistan nach Deutschland. Ines Fürstenau-Ellerbrock traf ihren späteren Adoptivsohn damals das erste Mal in einer Flüchtlingsunterkunft in Altes Lager. Dort hatte die Pfarrerin mit weiteren Helfern gerade das sogenannte „Welcome Team“ gegründet, das den Geflüchteten bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat unterstützend zur Seite stand.

Die deutsche Pfarrerin und der 16-Jährige Afghane hatten sofort eine enge Verbindung. „Er ist ein freundlicher, höflicher und hilfsbereiter Mensch“, erzählt Ines Fürstenau-Ellerbrock über ihren Adoptivsohn. Und auch Farid fand in der 48-Jährigen eine wichtige Bezugsperson, der er sich anvertrauen konnte.

Kurze Zeit später: Umzug ins Pfarrhaus

Ines Fürstenau-Ellerbrock bewunderte Farid für seine enorme Willensstärke. „Er wollte etwas lernen und hat mir viele Fragen gestellt“, erzählt die Pfarrerin. Während eines Ausfluges nach Berlin kaufte er sich in einer Buchhandlung von seinem ersten Geld eine Sprach-CD. An den ersten deutschen Satz erinnert sich seine Adoptivmutter noch genau. „Er sagte: Mama, ich will zur Schule“, so Fürstenau-Ellerbrock.

Ende 2015 besuchte Farid bereits ein Gymnasium in Potsdam und zog kurz darauf ins Niedergörsdorfer Pfarrhaus. „Er hat gelernt wie ein Tier und kam jeden Abend mit seinen Schulbüchern zu uns“, erinnert sich die Pfarrerin. Alles schien sich gut zu entwickeln. Doch nach einer Anhörung im April 2016 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge folgte für Farid und seine Pflegefamilie der Schock.

Familie sucht erfahrene Anwältin auf

„Im Juli 2016 kam ein Brief, dass er abgelehnt ist. Für uns brach eine Welt zusammen“, erzählt die Pfarrerin. Die Vorstellung, dass die Bundespolizei irgendwann vor der Tür steht und Farid zurück in seine Heimat schickt, in der er so gut wie keine Überlebenschance hat, quälte die Pfarrerin und ihren Mann so sehr, dass das Paar eine Anwältin aufsuchte. Trotz der vielen Hürden gelang es der Expertin für Pflege- und Adoptionsrecht, die beantragte Adoption durchzusetzen und Farid damit ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland zu sichern.

Ständige Angst um die leiblichen Eltern

Ines Fürstenau-Ellerbrock und ihr Mann Jens haben die Adoption bis heute nicht bereut. „Er bemüht sich täglich darum, uns ein Stück weit etwas zurückzugeben“, so die Pfarrerin „Er ist eine Bereicherung auf allen Ebenen.“ Aktuell besucht der 21-Jährige die 12. Klasse des Oberstufenzentrums in Ludwigsfelde. Im kommenden Jahr wird Farid dort sein Fachabitur machen. Und auch ein Studium in der Richtung Politik und Wirtschaft strebt der junge Afghane an.

Farid hat sich in seiner neuen Heimat integriert und sich ein selbstständiges Leben aufgebaut. Trotzdem vermisst er seine Heimat, wie seine Adoptivmutter weiß. „90 Prozent der Toten in Afghanistan sind Anschlagsopfer“, berichtet Ines Fürstenau-Ellerbrock. Die Angst, dass mit Farids Eltern irgendetwas passiert sein könnte, sei deshalb täglich präsent.

Pfarrerin will Familie schützen

Schon einmal hatte der Vater des 21-Jährigen eine Art Abschiedsnachricht an seinen Sohn verschickt. Um den 21-Jährigen und seine Familie in Afghanistan zu schützen, gibt die Pfarrerin auch nicht den echten Namen ihres Adoptivsohnes preis. Auch ein veröffentlichtes Foto könne zu viel verraten. „In Afghanistan steht der Abfall vom Glauben immer noch unter Todesstrafe“, so die Pfarrerin zum Hintergrund. Zwar sei Farid nicht konvertiert und nach wie vor Muslim – aber allein die Tatsache, dass er mit Christen unter einem Dach lebt und diese respektiert, könne für ihn und seine Familie lebensgefährlich sein.

Ines Fürstenau-Ellerbrock weiß, dass ihr Adoptivsohn unter der Trennung von seinen leiblichen Eltern leidet. Auch wenn die Lage in Afghanistan sich so schnell wohl nicht beruhigen wird, sagt sie: „Ich würde ihm nichts mehr wünschen, als dass er seine Familie noch einmal wieder sieht.“

Von Isabelle Richter

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