Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Brandschutz: Feuerwehr fordert mehr Investitionen
Lokales Teltow-Fläming Brandschutz: Feuerwehr fordert mehr Investitionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:48 23.10.2019
Der Waldbrand auf dem Truppenübungsplatz in Jüterbog erstreckte sich in diesem Jahr auf über 700 Hektar. Quelle: Victoria Barnack
Niedergörsdorf

Und täglich grüßt das Murmeltier. Dieses Sprichwort, bekannt aus der gleichnamigen US-Filmkomödie von 1993, beschreibt Patrick Bellins jüngste Ansprache im Bauausschuss der Gemeinde Niedergörsdorf wohl ziemlich gut. Denn der Gemeindewehrführer machte am Dienstagabend zum wiederholten Mal klar, dass über die für den Brandschutz bereitgestellten finanziellen Mittel diskutiert werden müsse.

Warum sollte spätestens seit dem Sommer 2018 jedem klar sein. Denn die deutlich höheren Einsatzzahlen kosten die Kameraden nicht nur Kraft, sondern haben auch eine einleuchtende Folge: Durch mehr Einsätze entsteht auch mehr Verschleiß. Fahrzeuge, technische Geräte und Schutzkleidung würden so sehr beansprucht, dass sie über kurz oder lang ersetzt werden müssen.

Aufschub macht es eher schlimmer

Wie Patrick Bellin selbst weiß, sind die Kosten dafür allerdings nicht gerade unerheblich. Nur für die Standardausrüstung eines einzigen Feuerwehrmannes sind allein 577,07 Euro fällig. Angesichts der aktuellen Bedingungen, die sich in Zukunft wohl nicht ändern werden, fordert Patrick Bellin eine entsprechende Reaktion. Die Gemeinde müsse darüber sprechen, wie sie die Pflichtaufgabe Brandschutz auch in den kommenden Jahren bewältigen will. „Wir wollen keinesfalls sagen, dass wir schlecht dastehen, aber die Herausforderungen werden immer größer“, so Bellin im Namen der Niedergörsdorfer Kameraden.

Aufgrund der knappen Haushaltsmittel wurden notwendige Anschaffungen und Maßnahmen in der Vergangenheit verschoben. Vom Gemeindewehrführer gab es dazu am Dienstag ein klares Statement: „Es bringt nichts, diese Sachen von einem aufs andere Jahr zu schieben. Das sind alles Riesenbaustellen, die uns in den nächsten Jahren auf die Füße fallen.“

Land lehnt Antrag auf Förderung ab

Zu diesen „Riesenbaustellen“ gehören etwa die Einsatzfahrzeuge. Der Großteil hat schon mindestens 15 oder 20 Jahre auf dem Buckel. Dabei rechnen die Kameraden pro Fahrzeug nur mit einer Nutzungszeit von 20 Jahren. „Maximal 25 Jahre“, so Bellin. Dass die Wehr in Blönsdorf, die auch noch eine der fünf Schwerpunktwehren in der Gemeinde ist, mit einem 36-Jahre alten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug auskommen muss, sei deshalb inakzeptabel.

Das weiß auch die Gemeinde Niedergörsdorf und hatte deshalb eine Förderung beim Land beantragt. Darüber hinaus wurden im Haushalt für 2019 und 2020 jeweils 35.000 Euro zur Finanzierung des Eigenanteils eingeplant. Der Traum vom neuen Fahrzeug ist aber vorerst geplatzt. Denn die Förderung wurde abgelehnt.

„Aufgrund der vielen Waldbrände im Jahr 2019 hat die Landesregierung beschlossen, vorrangig Feuerwehrfahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung wie zum Beispiel ein Tanklöschfahrzeug zu fördern“, erklärt Doreen Boßdorf am Mittwoch auf MAZ-Nachfrage. Da die Mittel begrenzt seien, wurden andere Fahrzeugtypen, wie das in Blönsdorf benötigte Löschgruppenfahrzeug (LF 10), aus dem Förderprogramm gestrichen.

Ungenutzte Mittel: 35.000 Euro in der Diskussion

Mittlerweile habe die Verwaltung einen weiteren Antrag zur Förderung eines LF 10 an das Land gestellt. Trotzdem: Die für dieses Jahr eingestellten 35.000 Euro bleiben und die Frage ist nun: Wofür werden sie verwendet?

Patrick Bellin hat dazu explizite Vorstellungen. „Ich bin dafür, das Geld für Ersatzbeschaffungen von Materialien auszugeben, um damit die Bedarfe der Ortswehren aufzuholen“, so der Gemeindewehrführer. „Wir haben genügend Bedarfe, an denen unter Umständen Menschenleben dranhängen.“

So einfach sei es laut Bürgermeisterin Doreen Boßdorf (Bürgergemeinschaft) aber nicht. Denn die Gemeinde Niedergörsdorf befindet sich im Haushaltssicherungskonzept. Sollte das Defizit am Ende des Jahres also höher ausfallen als geplant, müsse man die 35.000 Euro „aus wirtschaftlichen Gründen“ schlichtweg dafür einsetzen, dieses Defizit auszugleichen. Boßdorf zeigte zwar Verständnis gegenüber Bellin, erklärte jedoch: „Die Bedarfe sind da, das wissen wir. Wir können aber nicht alle erfüllen.“

Gefahrenanalyse: Bellin möchte Dritten hinzuziehen

Aus Sicht der Bürgermeisterin bräuchten die ländlichen Kommunen unbedingt finanzielle Unterstützung vom Land, um diese Mammutaufgabe bewältigen zu können. Schon in der Vergangenheit wandte sie sich deshalb bei einer Gesprächsrunde mit Mike Bischoff (SPD) an die Landespolitik.

Das Thema Brandschutz wird die Gemeinde Niedergörsdorf wohl auch in Zukunft weiter beschäftigen – ebenso wie die Risiko- und Gefahrenanalyse. Dazu gab Patrick Bellin im Bauausschuss die Anregung, diese bei der nächsten Überarbeitung von einem außenstehenden Dritten durchführen zu lassen. Der Gefahrenbedarfsplan war bisher von der Gemeindewehrführung und der Verwaltung gemeinsam umgesetzt worden. Vorfälle, wie der Chlorgasaustritt im Freibad Oehna hätten jedoch einige Lücken in der vorhandenen Analyse aufgezeigt. „Hierzu gab es jedoch noch keine Abstimmung mit der Verwaltung“, erklärte Doreen Boßdorf.

Von Isabelle Richter

Vom 11. bis 15. November wird die Anschlussstelle Baruth auf der A 13 Richtung Dresden gesperrt. Das hat der Landesbetrieb Straßenwesen mitgeteilt.

23.10.2019

Das Gleichgewicht der Welt ist aus dem Lot. Jeder Einzelne kann helfen, einen besseren Kurs zu finden. In Dahme diskutierten Einwohner über Möglichkeiten, die im Alltag umgesetzt werden können.

23.10.2019

Das Niedergörsdorfer Kulturjahr 2020 wird bunt – viele Verträge sind schon geschlossen. Haus-Chefin Andrea Schütze verrät die ersten Highlights und erzählt außerdem, warum es auch für sie persönlich ein besonderes Jahr wird.

22.10.2019