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Nuthe-Urstromtal Wenn der Bürgermeister seine Einwohner traut
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12:16 23.06.2019
Andreas Klaue und Sabine Schneider aus Felgenreu waren die ersten Eheleute, die beim Bürgermeister den Bund fürs Leben schließen durften. Quelle: Victoria Barnack
Ruhlsdorf

„Vor dem Eingehen einer Ehe sollte man sich eigentlich nur die eine wohl aber die alles entscheidende Frage stellen: Glaubst du, dich mit diesem Menschen bis ins hohe Alter hinein gut unterhalten zu können?“ Für seine erste Traurede als Standesbeamter hatte sich Stefan Scheddin (parteilos) ein Zitat von Friedrich Nietzsche ausgesucht, um es den Eheleuten mit auf den gemeinsamen Weg zu geben.

Vor Leuten zu sprechen, das ist nichts Neues für den Bürgermeister von Nuthe-Urstromtal. Wohl aber, dass seine Worte zwei Menschen ein ganzes Leben lang begleiten werden.

Wo am Wochenende Menschen getraut werden, hat Bürgermeister Stefan Scheddin auch sonst seinen Arbeitsplatz. Quelle: Margrit Hahn

„Es ist eine der schönsten Aufgaben, die mir in meiner Funktion als Standesbeamter und Bürgermeister übertragen wurden“, sagte er am Samstag.

Bräutigam: „Aufgeregt bin ich eher wegen der Hochzeit“

Andreas Klaue und Sabine Schneider, die jetzt ebenfalls Klaue heißt, waren die beiden Glücklichen. Seit vielen Jahren leben sie in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal. Vor 18 Jahren kreuzten sich ihre Wege. „Aufgeregt bin ich heute eher wegen meiner Hochzeit als wegen des Standesbeamten“, sagte der Bräutigam aus Felgentreu kurz vor der Trauung.

Dass sie die ersten Eheleute sein würden, die den Bund fürs Leben beim Bürgermeister schließen werden, hatte man ihnen vorher sicherheitshalber trotzdem gesagt. Auch seine Frau kam aber eher vorfreudig als nervös in der Pferdekutsche vor die Gemeindeverwaltung in Ruhlsdorf gefahren.

Braut Sabine Klaue kam mit der Pferdekutsche zum Standesamt. Quelle: Victoria Barnack

Im Inneren war derweil schon alles vorbereitet. Denn der neue Standesbeamte wusste, was zu tun ist. „Aufgeregt bin ich nicht“, sagte Scheddin. In dem Trauzimmer hat der Bürgermeister normalerweise sein Büro.

Für Hochzeiten wird dort umdekoriert, werden Stühle hereingetragen und auch mal ein Keyboard aufgestellt und Kerzen angezündet. Stefan Scheddin war bestens vorbereitet als sich die Eheleute Klaue am Samstag auf die beiden Plätze vor ihm setzten. Immerhin hatte er für seine neue Aufgabe sogar eine Prüfung ablegen müssen.

Kerzen anzünden, die Ringe bereit legen: Bürgermeister Scheddin ist auch mit der Organisation einer Heirat bestens vertraut. Quelle: Victoria Barnack

Dass Stefan Scheddin neben den vielen Aufgaben, die er als Bürgermeister ohnehin schon hat, auch noch zum Standesbeamten wurde, hat weniger romantische als praktische Gründe. Denn mit viel Personal sind die Standesämter in der Region nicht gesegnet.

Große Entfernung zwischen Trauzimmern belasten Standesbeamte

„Bei uns kommt hinzu, dass wir in unserer großen Gemeinde insgesamt fünf verschiedene Orte zum Heiraten haben“, berichtet Scheddin. Wem die Gemeindeverwaltung in Ruhlsdorf nicht schick oder romantisch genug ist, der kann sich zum Beispiel auf Schloss Stülpe oder im Haus am Bauernsee in Dobbrikow das Ja-Wort geben.

„Wegen der großen Entfernungen ist das für die Standesbeamten eine ganz schöne Belastung“, sagt der Bürgermeister, „vor allem wenn im Sommer mehrere Paare am selben Tag heiraten wollen.“

Wer in Nuthe-Urstromtal heiraten will, hat die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Trauzimmern, wie hier im Haus am Bauernsee in Dobbrikow. Quelle: Hahn Margrit

Scheddin hatte sich deshalb schon bei seinem Amtsantritt 2018 vorgenommen, auch als Standesbeamter zu arbeiten. Die zusätzliche Belastung nimmt er dafür in Kauf.

„Nach dem Vorgespräch mit dem künftigen Ehepaar braucht es noch einmal ein paar Stunden, um die Rede zu schreiben und auch formell alles für die Hochzeit vorzubereiten“, erzählt er.

„So darf er gerne noch mehr Leute verheiraten“

Aber mal Papierkram beiseite: Stefan Scheddins erstes Ehepaar war am Samstag glücklich mit ihrem prominenten Standesbeamten. „Das hat er sehr schön gemacht“, sagte Braut Sabine Klaue nach der Trauung und gab mit Ehemann Andreas prompt den Segen: „So darf er gerne noch mehr Leute verheiraten.“

Das hat der Bürgermeister auch tatsächlich vor. Nur wann für ihn die nächste Hochzeit auf dem Terminplan stehen wird, ist noch unklar. „Aber gefragt haben schon viele Einwohner“, verrät er.

Von Victoria Barnack

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