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Nuthe-Urstromtal Streit um Insektizid-Einsatz
Lokales Teltow-Fläming Nuthe-Urstromtal Streit um Insektizid-Einsatz
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15:36 24.05.2019
Tote Fliegen als Auswirkungen von „Karate Forst“. Quelle: Privat
Kemnitz

Die Biologin Ricarda Voigt, die sich vehement gegen das Insektizid „Karate Forst flüssig“ ausgesprochen hatte, war am Mittwoch in den betroffenen Gebieten unterwegs, um sich die Auswirkungen der Sprühaktion in den Wäldern anzuschauen. Sie fuhr von Gottsdorf den Kemnitzer Weg bis zur Bekämpfungsfläche und weiter in Richtung Kemnitz. „Es gibt an keiner Stelle an dieser Straße Hinweisschilder, die davor warnen, wenigstens für die nächsten drei Wochen keine Beeren, Kräuter oder Pilze zu sammeln“, kritisiert Voigt.

Keine Feldgrillen zu hören

Wie sie schildert, liegen überall auf der Kemnitzer Straße tote Fliegen. Weitere Insekten oder Spinnen, weder tot noch lebendig, hat sie nicht gesehen. „Die in der Krautschicht liegenden Insekten findet man nach dem Regen nicht mehr. Auch die Fliegen auf der Straße waren durch den Regen schon fast im Sand verschwunden“, so die Biologin. Bei ihrem letzten Besuch am 12. Mai seien in dem Wald noch an verschiedenen Stellen Feldgrillen zu hören. „Sie sind jetzt verstummt“, fügt sie hinzu.

In den Wäldern rund um Kemnitz sind Auswirkungen der Schädlinge zu sehen. Quelle: Margrit Hahn

 Sie fand auch tote Fliegen auf einem kleinen Weg in einer nach Bekämpfungsplan nicht gespritzten Kiefernschonung. Dies deutet ihrer Ansicht nach daraufhin, dass das Gift durch den Wind verteilt wurde.

Sie konnte Buchfinken beobachten, die in diesen Wäldern am häufigsten vorkommen und in offenen Nestern in den Baumkronen brüten. „Man muss davon ausgehen, dass die jungen Buchfinken den Giftnebel nicht überstanden haben“, sagt sie. Zumindest hätten es aber die erwachsenen Tiere überlebt, die sich hauptsächlich von Sämereien ernähren, während die Jungen die eiweißreiche Insektennahrung brauchen.

Geringe Fraßschäden

Wie sie berichtet, zeige ein großer Teil des Waldes nur geringe Fraßschäden und nur in einigen jüngeren, forstwirtschaftlich schlecht gepflegten Beständen seien die Kiefernkronen wirklich stark geschädigt. Es handele sich um weinige Hektar. „Genau in diesen stark geschädigten Flächen liegen die mutmaßlichen Untersuchungsflächen der Forstverwaltung. Von diesen Flächen ausgehend, wurde der Wald vermutlich beurteilt“, schätzt sie ein.

Nirgends konnte sie Nistkästen und Fledermauskästen entdecken. Dabei seien grade Meisen für die biologische Schädlingsbekämpfung von großer Bedeutung. Man habe nach der letzten Giftspritzerei im Jahr 2012 auch in dieser Hinsicht keinerlei Vorsorge getroffen. Natürliche Höhlen gäbe es in den Wäldern kaum, da die Bäume noch zu jung sind.

Auf die Kritik der fehlenden Hinweisschilder erklärt Heiko Fritzsche, Leiter Oberförsterei Baruth, dass er davon ausgeht, dass die zuständige Revierleiterin und die beauftragten Forstwirte alle notwendigen Sperrmaßnahmen ordnungsgemäß vorbereitet und durchgeführt haben. „Unabhängig davon nehmen wir die Hinweise zum Anlass, die ausgebrachte Beschilderung nochmals unmittelbar auf Vollständigkeit und gute Sichtbarkeit zu prüfen“, so Fritzsche.

Weitere Einsätze aus der Luft mit „Karate Forst flüssig“ wurden gerichtlich untersagt. Quelle: Thomas Wachs

Beim Einsatz des Insektizides „Karate Forst“ gehen die Meinungen weit auseinander. Während Ricarda Voigt den Einsatz auf das Schärfste kritisiert, sind Waldbesitzer wie Dieter Scheddin froh über die Aktion der Forstverwaltung. Der Kemnitzer sieht sich als kleiner Waldbauer mit überschaubarer Hektarzahl. Er hat seinen Wald im Laufe der Jahre mit Laubbäume aufgeforstet.

Lichter Wald

„Ich habe im Bereich Kemnitz in Richtung Dobbrikow und Lühsdorf einen derartigen Befall von Schadinsekten gesehen, dass man durch das Waldstück hindurchsehen konnte“, berichtet Scheddin. Wie er sagt, müssen Waldbesitzer 30 bis 50 Jahre warten, bis Erträge erwirtschaftet werden können. In all den Jahren werde viel Geld in den Wald investiert und wenn nichts unternommen wird, fressen Schädlinge alles ab. „Ich habe nichts davon, wenn sich keine Nadeln mehr an den Bäumen befinden und man weiß nicht, ob sich die Wälder wieder erholen“, so Scheddin. Er war froh, als er erfuhr, dass in Kemnitz und Zülichendorf gespritzt wurde. „Ich hoffe, dass es auch was bringt“, fügt er hinzu.

 

Von Margrit Hahn

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