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Nuthe-Urstromtal Arbeitsgruppe kritisiert Insektizid-Einsatz
Lokales Teltow-Fläming Nuthe-Urstromtal Arbeitsgruppe kritisiert Insektizid-Einsatz
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00:18 07.05.2019
Hier im Kemnitzer Wald sind die Spuren der Schädlinge deutlich zu sehen. Quelle: Margrit Hahn
Nuthe-Urtromtal

Anja Jürgen und Ricarda Voigt vom Arbeitskreis „Luckenwalde. Lebendig. Gestalten!“ haben einen offenen Brief an den Landesforstdirektor Hubertus Kraut, an Heiko Fritzsche von der Oberförsterei Baruth und an die Landtagsabgeordneten geschrieben. Darin fordern sie, den demnächst geplanten Einsatz von des Insektizids „Karate Forst“ flüssig in den Wäldern in Teltow-Fläming und in ganz Brandenburg zu unterlassen, die gesunden Lebensgrundlagen von Pflanzen, Tieren und Menschen nicht weiter zu gefährden und stattdessen Konzepte für den ökologischen Waldumbau zu entwickeln und umzusetzen. Mit „Karate Forst“ soll vor allem ein Befall durch die Nonne bekämpft werden

Wald als Holzlieferant

„Wir sind größtenteils keine Waldbesitzer, aber wir sind Menschen in Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark, die Sie durch den geplanten großflächigen Pestizideinsatz über den Wäldern zwischen Gottsdorf, Nettgendorf, Zülichendorf und Kemnitz massiv gefährden und in ihrer Freiheit einschränken“, heißt es in dem Schreiben an die Forst. Forstleute würden damit argumentieren, dass nur so die „Funktionen des Waldes“ erhalten bleiben. Der Arbeitsgruppe scheint es jedoch, dass es vorrangig um die eine Funktion des Waldes als Holzlieferant geht. Wälder hätten aber viel mehr Funktionen: Sie dienen der Erholung, als Kohlendioxidsenke, als Staubfilter und nicht zuletzt als Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. Die Stangenhölzer, die jetzt durch die Nonne bedroht sind, seien dagegen reine Holzplantagen.

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Keine Veränderungen zu erkennen

„Seit 30 Jahren wird zwar vom Waldumbau geredet, zu sehen ist davon aber wenig. Dementsprechend gefährdet sind die Forsten durch Schädlinge, Feuer und Sturm. Jahrzehntelange forstliche Misswirtschaft, nämlich fehlende Durchforstung, kein Aufbau verschiedener alter Bestände, keine Durchmischung mit Laubhölzern hat zu diesem Zustand geführt“, kritisiert Ricarda Voigt. Seit Jahren sei das bekannt, doch, statt eine Veränderung herbeizuführen, würde wieder und wieder zu Pestiziden gegriffen.

Auswirkungen nicht erforscht

Wozu der massive Pestizideinsatz in Forst- und Landwirtschaft führt, sehe man ihrer Ansicht nach am Insektensterben und am Rückgang vieler Vogelarten. Auch der jetzt geplante Pestizideinsatz würde dazu führen, dass viele Nestlinge nicht überleben. Selbst die Jungvögel, die das Nest verlassen, seien oft nicht so fit und hätten deshalb eine geringere Überlebenschance. Auswirkungen habe ein Pestizideinsatz auch auf die Zweitbrut, wie wissenschaftlich nachgewiesen worden sei. Auswirkungen durch „Karate Forst flüssig“ auf die Nahrungskette seien noch völlig unerforscht.

Konsequenzen aufgezeigt

Die Arbeitsgruppe hat sich auch damit auseinandergesetzt, was passiert, wenn nicht gespritzt wird. „Ein Teil der Bäume würden eventuell eingehen, vielleicht auch viele, aber niemals alle. Es wird Platz geschaffen für eine natürliche und gesunde Waldgesellschaft mit diversen Strukturen“, so Anja Jürgen. Der Zusammenbruch eines Kiefernforstes wird nicht als ökologisches Problem, sondern als eine Bereicherung für die Waldbesitzer gesehen.

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Waldbesitzer fürchten um Bestand

Etliche Waldbesitzer haben sich allerdings inzwischen an Nuthe-Urstromtals Bürgermeister Stefan Scheddin (parteilos) gewandt. Sie wünschen sich, das gespritzt wird, denn sie verzeichneten in den vergangenen Jahren große Schäden durch Insekten und fürchten um den Baumbestand. 2018 waren die Wälder besonders betroffen, weil mehrere Schadinsekten gleichzeitig aufgetreten sind und das nicht nur vereinzelt, sondern in Massen. Vor allem Areale der Oberförsterei Potsdam, Jüterbog, Baruth, Dippmannsdorf sowie das Gebiet zwischen Dobbrikow, Nettgendorf und Kemnitz spüren die Auswirkungen noch immer.

Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Stefan Scheddin gibt den Umweltverbände insofern Recht, dass es im Interesse des Menschen liegt, weniger Gift zu versprühen. „Gift ist sowohl für den Menschen als auch für die Tiere nachteilig und wenn es zum Einsatz gelangt, wirkt es nicht nur auf den zu vernichtenden Schädling“, so Scheddin. Niemand bestreite, dass der Einsatz ganz ohne negative Nebenwirkungen vonstatten gehen wird. „Gift wird nie ein optimales Mittel für derartige Vorhaben sein, jedoch sollte hier der Schutz des Waldes in seiner jetzigen Form im Vordergrund stehen“, betont Stefan Scheddin.

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Waldumbau braucht Zeit

Der sogenannte Waldumbau sei unzweifelhaft ein guter Weg, aber auch dieser sei nicht sofort umsetzbar und benötige naturgemäß Zeit. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass gerade für die sandigen Böden in der Region die Auswahl an gut wachsenden Bäumen nicht üppig ist. „Ich habe mir von den Auswirkungen des Schädlingsbefalls vor Ort ein Bild gemacht und mich mit betroffenen Waldeigentümern unterhalten. Diese begrüßen das Vorgehen der Forstbehörde, die Bäume vor dem Befall der Raupen zu schützen und so größere Schäden abzuwenden“, sagt Scheddin.

Brandschutz ist wichtig

Das Problem aus Sicht der Gemeinde sei, dass jeder durch Schädlinge abgestorbene Baum noch mehr Totholz im Wald bedeutet – aus Brandschutzsicht sei dies katastrophal und nicht weiter zu forcieren. „Diese Vorgehensweise kann nicht im Sinne der Allgemeinheit sein. Sieht man sich die betroffenen Wälder und die offensichtlichen Schäden im Baumbestand an, dann erkennt man unweigerlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht“, stellt Scheddin fest.

Das seit Jahren praktizierte Vorgehen bei der Holzernte, bei der nur die gewinnbringenden Teile entnommen werden, Baumkronen und „unbrauchbare“ Stämme aber in Massen liegen bleiben, vertrocknen und somit eine fabelhafte Grundlage für Schädlinge und Waldbrände bieten, sollte seines Erachtens überdacht werden.

Herausforderung für Feuerwehren

„Nach dem trockenen Jahr 2018, in dem sich Feuerwehren den Herausforderungen unzähliger Waldbrände stellen mussten, sollten wir durch Untätigkeit nicht noch selber dazu beitragen, dass der Wald von Baumschädlingen zerstört wird. Dies sind unsere Wälder; dies sind Wälder von Waldeigentümern, die viel Zeit, Mühe und Kosten aufwenden, Ihren Wald zu pflegen und zu erhalten. Auf deren Kosten sollte kein Wahlkampf betrieben werden“, resümiert Scheddin.

Von Margrit Hahn

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