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Nuthe-Urstromtal Mit dem Förster durch den Waldbrand-Forst
Lokales Teltow-Fläming Nuthe-Urstromtal Mit dem Förster durch den Waldbrand-Forst
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01:18 08.06.2019
Feuerwehr Marten Freund aus Woltersdorf hält den Wasserwerfer auf den schwelenden Brandboden zwischen Hennickendorf und Märtensmühle. Quelle: Hartmut F. Reck
Hennickendorf

Revierförster Jens Dockhorn aus Hennickendorf hat einen nagelneuen Pickup-Truck als Dienstfahrzeug. Der Tacho des geländegängigen Fahrzeugs zeigt noch nicht mal 2000 Kilometer an. Das Auto sieht aber aus, als ob es schon zweimal den Globus umrundet hätte. „Das hat noch so frisch nach Neuwagen gerochen“, sagt der 51-jährige Revierförster. Inzwischen stinkt es im Inneren des Wagens genauso wie draußen im Wald: verbrannt. Und innen ist der Wagen nun genauso staubig und verdreckt wie von außen.

Jens Dockhorn ist der zuständige Förster der Bundesforstverwaltung für das Revier Hennickendorf. In seinem Gebiet ist am Montagmittag das erste Feuer ausgebrochen und zwar an einer Stelle, die er glaubt, ziemlich genau lokalisieren zu können. Dort lagen gefällte Kiefernstämme fein säuberlich gestapelt am Wegesrand. Übrig geblieben ist nur noch ein kümmerlicher Rest Asche und wenige angekohlte Stämme, die ganz unten lagen.

Verdacht der Brandstiftung

Dockhorn könnte wetten, dass es da nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Kriminalpolizei hat den vermeintlichen Tatort bereits untersucht. „Vielleicht haben sie ja etwas gefunden“, sagt Dockhorn, „ich bin gespannt.“ Sein Verdacht wird genährt von der Tatsache, dass etwa zeitgleich in einem nahegelegenen Privatwald ein weiterer Brand ausgebrochen ist, was er erst soeben erfahren hat.

Die Folgen des noch schwelenden Waldbrands werden schwerwiegender sein, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Zu Schaden gekommen sind 30- bis 80-jährige Kiefernbestände sowie Jungkiefern, die sich selbst ausgesät haben. „Alles, was hier schwarz ist, wird absterben“, weiß Dockhorn. Und überall raucht es zwischen den angekohlten Baumstämmen.

Angst vorm schwarzen Prachtkäfer

„In drei Wochen hat sich hier überall der schwarze Prachtkäfer eingenistet“, sagt der Waldexperte. Diese Insekten fliegen – vom Rauch angelockt – auf die geschwächten Bäume, in denen sie ihre Eier ablegen und die Larven die Bäume dann restlos zerstören. „Es besteht die Gefahr, dass die Schädigung auch auf den gesunden Wald übergreift“, meint Dockhorn. Deshalb müssten die brandgeschädigten Bäume schnellstens weggeräumt werden. Und weil dort rund um die ehemalige NVA-Kaserne das ganze Gelände als Munitionsverdachtsfläche gilt, müsste gleichzeitig eine Munitionsberäumung stattfinden, so der Bundesförster. Schließlich fanden dort 1945 die Rückzugsgefechte der deutschen Wehrmacht gegen die vorrückende Sowjet-Armee statt. Kleinere Explosionen zeugen bei solchen Waldbränden immer noch davon. Insgesamt sind dort etwa 50 Hektar Wald verbrannt. Davon zirka 25 Hektar Bundesforst und noch mal dieselbe Größe an Privatwald.

MAZ-Reporter Hartmut F. Reck begleitete Revierförster Jens Dockhorn durch den noch schwelenden und rauchenden Wald. Hier wurden unzählige Bäume auf einer Fläche von etwa 50 Hektar zerstört.

Warten auf den Regen

Wenige Meter entfernt versuchen Daniela Strube, John Lehmann, Marten Freund und Mike Lau von der Freiwilligen Feuerwehr Woltersdorf mit ihrem Tanklöschfahrzeug immer wieder aufflammende Glutnester zu löschen. Aber der Brand frisst sich unterirdisch weiter. „Die Schwelbrände kommen erst dann zum Erliegen, wenn es ordentlich regnet“, sagt Dockhorn und hofft auf Regen am Donnerstag.

Brunnen versiegt

Am Mittwoch sind seit 6 Uhr in der Frühe die Woltersdorfer im Einsatz. Jeder Einsatz dauert zwölf Stunden. Es ihr dritter in Folge. Bei der ganzen Schinderei erfreuen sie sich der schönen Regenbögen, die beim Löschen durch den Sonneneinfall entstehen. Wenn der Tank leer ist, müssen sie etwas weiterfahren als sonst, weil der nächstgelegene Brunnen bei den Löscharbeiten am Montag versiegt ist. Auch dauert das Auftanken etwas länger, weil viele Brunnen nicht mehr die Leistung bringen, die sie sollten.

Laubbäume brauchen mehr Wasser

Überhaupt das Wasser: Alles redet vom Waldumbau. Nur: Laubbäume brauchen viel mehr Wasser als Kiefern. Und die vielen Spargelfelder in der Umgebung ebenso. Jens Dockhorn ist stolz auf die Parzellen, in denen er schon aktiv Waldumbaumaßnahmen umgesetzt hat. Doch: „Wir leiden nicht nur unter Trockenheit“, sagt er, „wir hatten auch Spätfrost bis zu minus fünf Grad in diesem Jahr.“ Das schwäche die jungen Laubbäume. Tatsächlich sieht man reihenweise diese Bäumchen, deren Blätter wie vertrocknet aussehen. Das war aber der Frost. Und die Eichen sind geschwächt durch den Prozessionsspinner und den Sturm. „Die Laubbäume haben hier richtig zu kämpfen, deshalb geht es nicht ohne die Kiefern“, sagt der Förster, der heilfroh ist, dass zum Beispiel seine schön angewachsene Laubholzfläche von 2004 nicht angegriffen wurde.

Waldarbeitern wird fast schlecht

Schlecht werden könnte es auch seinen Waldarbeitern, die er unterwegs trifft. Die Gruppe kümmert sich sonst um die Pflege des Waldes und muss jetzt zusehen, wie alles vernichtet wird. Jetzt schneidet sie Schneisen für die Feuerwehr und löscht mit ihrem „kleinen“ 1000-Liter-Tank auf dem Hänger kleinere Glutnester. „Es flammt immer wieder auf“, sagt Vorarbeiter Tibor Benke, „wo wir rankommen, versuchen wir es halt.“

„Katastrophenschutz kostet eben Geld“

Aber das mit dem „Rankommen“ ist so ein Problem. Wegen der zu vermutenden Munition darf man nicht alles betreten. Und wenn doch, dann kommt man nicht hin, weil es entweder an Wegen oder an befestigten Zufahrten fehlt. Zwar ist in dieser Hinsicht schon einiges geschehen, weil die Gemeinde Nuthe-Urstromtal mit Hilfe von Fördermitteln zumindest zwischen Hennickendorf und Märtensmühle einen Weg gebaut hat. „Solche zentralen Achsen sind bitter nötig bei derartigen Ereignissen“, sagt dazu der Revierförster. „Katastrophenschutz kostet eben Geld“. Aber es müsse noch viel mehr in dieser Richtung geschehen: mehr Wege, mehr Wasserentnahmestellen.

Betonrecycling statt Natursteinschotter

Nur leider sei der Waldwegebau an strenge Regeln gebunden und werde aufgrund naturschutzrechtlicher Erwägungen oft verhindert, ärgert sich der Förster. Dass dies der Natur bei solchen Waldbränden eher schädlich als nützlich ist, kann man bei der Fahrt durch den Forst beobachten. „Leider legt uns der Naturschutz immer Steine in den Weg“, bedauert Dockhorn. Allerdings nicht in Gestalt kleiner Natursteine – so wurde jetzt aus lauter Not Betonrecycling angefahren und mit einem Radlader verteilt, um die Waldwege wieder befahrbar zu machen, nachdem so viele schwere Einsatzfahrzeuge die unbefestigten Wege zerschunden hatten.

Neuer Brand ausgebrochen

Auf der großen zentralen Freifläche in der Nähe des Forsthauses Märtensmühle, wo am Montag und Dienstag noch eine großes Gewusel rund um die Einsatzleitung war, ist alles ausgeflogen. Dockhorn erfährt, dass neben dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz wieder ein Feuer ausgebrochen ist. Er fährt sofort zur Brandstelle. Die Feuerwehren von Nuthe-Urstromtal sind schon da und löschen so weit in den Wald hinein, wie ihre Fahrzeuge und Wasserwerfer kommen. Es ist kurz nach Mittag. Alle haben zu tun und einen höllischen Kohldampf. Dockhorn wird gebeten, Verpflegung aus Märtensmühle abzuholen.

Kiloweise Brötchen geschmiert

Dort warten Sandy Freund aus Woltersdorf und Sabine Wischnewski aus Gottow. Sie haben den ganzen Vormittag kiloweise Brötchen geschmiert und diese zusammen mit Würstchen, Obst und Getränken in ihr kleines Auto gepackt. Alles selbst bezahlt. Alles für die mutigen Männer und Frauen im Wald. „Was soll ich denn tun?“, sagt Sabine Wischnewski, „mein Enkel ist doch dabei.“ „Und mein Sohn auch“, ergänzt Sandy Freund.

Dockhorn liefert die Verpflegung aus. Alle hoffen, dass bis zum Abend der Einsatz beendet ist. Um 19 Uhr soll die Übergabe sein. Doch am Nachmittag sind wieder drei neue Brände aufgeflammt und der Wind hat aufgefrischt. Dockhorn glaubt nicht an eine Übergabe zu diesem Zeitpunkt, jedenfalls hält er es nicht für eine gute Idee.

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Von Hartmut F. Reck

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