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Nuthe-Urstromtal Wie vor Hundert Jahren: So geht ökologischer Waldumbau mit Pferd und Pflug 
Lokales Teltow-Fläming Nuthe-Urstromtal Wie vor Hundert Jahren: So geht ökologischer Waldumbau mit Pferd und Pflug 
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10:28 28.09.2019
Douke Eekman mit seinen „Kolleginnen“ Lilly und Margriet. Quelle: Margrit Hahn
Gottsdorf

Douke Eekman lädt Pflug und Pferde ab. Der 52-Jährige will am Pekenberg in Gottsdorf pflügen und setzt dafür die Tiere ein, weil diese leichter sind als Maschinen. Dadurch werden Wege und Boden geschont. Den Auftrag erhielt er von Hartmut Hanack, der sich seit Jahren für einen umfassenden Waldumbau einsetzt.

Eekman legt seinen beiden Kaltblütern Lilly und Margriet das Zaumzeug an. Er spricht mit ihnen deutsch und flämisch. Anweisungen wie links und rechts gibt es nicht, dafür heißt es „wist“ und „hot“. Damit es für die Tiere nicht zu anstrengend wird, pflügt er nicht die gesamte Fläche auf einmal, sondern verteilt die Arbeit auf mehrere Tage. Er trifft noch letzte Absprachen mit Hartmut Hanack, dann ziehen Lilly und Margriet den 300 Kilogramm schweren Pflug den Berg hinauf.

Besondere Technik für dicht bewachsene Wälder

Der Belgier hat in seiner Heimat eine Ausbildung als Gartenbauer und Forstwirt mit Abitur abgelegt sowie Fertigkeiten als Hufschmied erworben. Noch in Belgien machte er sich selbstständig. Diese Arbeit gab er auf, als er im Kreis Potsdam-Mittelmark eine Anstellung fand. 1995 kam er nach Deutschland, um hier in einem Agrar- und Forstbetrieb zu arbeiten. Als das Forstunternehmen pleite war, gründete er seinen eigenen Betrieb. Die Aufträge kamen sowohl aus privater als auch aus öffentlicher Hand.

In Frankenförde entdeckte er einen geeigneten Hof, den sein Bruder 2007 kaufte. Anfangs musste sich Douke Eekman mit Kleckeraufträgen über Wasser halten. Doch dann lief es eine Zeit lang gut. Angestellte konnte er sich trotzdem nicht leisten, dazu war die Auftragslage zu schwankend. Nach 20 Jahren Selbstständigkeit musste sich der Belgier nun eine Festanstellung suchen, denn allein von der Arbeit mit den Pferden konnte er seine Familie nicht ernähren.

Deshalb ist Pflanzen und Rücken – das Schlagen einzelner Bäume und der Abtransport mit den Pferden – jetzt sein Nebenerwerb. „Man hat mich nur noch dort eingesetzt, wo keine Technik hinkommt. Das hat bei weitem nicht ausgereicht“, bedauert der 52-Jährige. Und so arbeitet er jetzt bei einem Landwirt in Rieben.

Mit dem Forststreifenpflug werden Saat- und Pflanzstreifen im Wald gezogen. Quelle: Margrit Hahn
Der Pflug muss zu Beginn entsprechend der Bodenbeschaffenheit eingestellt werden. Quelle: Margrit Hahn
Selbst berghoch schaffen es die Pferde mühelos. Quelle: Margrit Hahn

Nebenbei wird im Frühjahr und Herbst gepflügt und gepflanzt. Im Winter stehen Fällen und Holzrücken an. Douke Eekman findet es schade, dass es nicht mehr Waldbesitzer wie Hartmut Hanack gibt, die wissen, das es für solche Maßnahmen Fördermittel gibt. Er begrüßt es, dass das Land endlich Geld in den ökologischen Waldumbau steckt und dafür Fördermittel zur Verfügung stellt.

Allerdings weiß er auch, wie viel Papierarbeit damit verbunden ist. Früher hat er dutzende Formulare ausfüllen müssen, für die es letztendlich kaum Geld gegeben hat. Für seine Arbeit am Pekenberg ist kein zusätzlicher Aufwand erforderlich, das übernimmt sein Auftraggeber. Auch für den Landesforst hat Eekman schon gearbeitet. So hat er zwischen Hennickendorf und Märtensmühle Eichensaat in die Erde gebracht.

Nachschauen, wie die Saat sich entwickelt

„Ich habe gestaunt, dass trotz der Trockenheit alles gut angewachsen ist“, sagt er. Gepflügt werden kann auch zwei Monate vor dem Pflanzen. „Ich pflüge fast immer, auch wenn ich nur den Auftrag zum Pflanzen habe”, so der Forstwirt. Die Begründung leuchtet ein: Dicke Grasnarben schlucken 95 Prozent des Wassers. Die Pflänzlinge würden kaum etwas abbekommen. Außerdem geht das Pflanzen viel schneller auf gepflügtem Boden, und Bäume wachsen besser an. Eekman schaut Jahre später an seinen Arbeitsorten nach, wie sich der Wald entwickelt hat. Auch bei Hartmut Hanack war er vor zehn Jahren schon einmal mit Pferd und Pflug und freut sich, das die Laubbäume gut angewachsen sind.

Sie wachsen nur dort, wo kein Wild hinkommt. Nur eingezäunte Flächen entwickeln sich gut, sonst ist der Wildverbiss so stark, dass junge Bäume keine Chance haben. Deshalb fordern Waldbesitzer eine kontrollierte Jagd. „Ich darf hier nicht schießen, obwohl ich einen Jagdschein habe“, so Hanack. So sei ökologischer Waldumbau schwierig, aber notwendig.

Das belgische Kaltblut Lilly wird von Douke Eekman für den Arbeiteinsatz flottgemacht. Quelle: Margrit Hahn
Nur dort wo Bäume eingezäunt sind, können sie ungehindert wachsen. Ansonsten frisst das Wild alles ab. Quelle: Margrit Hahn

Von Margrit Hahn

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