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Teltow-Fläming Ist der Bau-Boom im Berliner Speckgürtel gut für Brandenburg?
Lokales Teltow-Fläming Ist der Bau-Boom im Berliner Speckgürtel gut für Brandenburg?
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10:00 02.05.2019
Udo Haase, Klaus Rocher Quelle: Maz
Dahmeland-Fläming

Das Thema Wachstum spaltet die Region. Die einen sagen: Es reicht langsam. Die Straßen sind voll, die Wohnungen werden immer teurer und überhaupt – wo ist die Ruhe und Beschaulichkeit geblieben, derentwegen wir das Berliner Umland einst so geschätzt haben? Die anderen hingegen sagen: Das Wachstum bietet Chancen, die sich aufstrebende Landkreise wie Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald nicht entgehen lassen dürfen. Wer hat recht? Die MAZ hat den Schönefelder Bürgermeister Udo Haase (parteilos) und den Rangsdorfer Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) zu einem Pro und Contra gebeten. Das sind ihre Argumente.

Udo Haase: Von starkem Wachstum profitiert die ganze Region

Udo Haase, Bürgermeister Schönefeld. Quelle: Josefine Sack

Die Airport-Region boomt. Und sie boomt auch deshalb, weil sich unsere Gemeindevertreter schon seit Jahren konsequent für den Ausbau von Wohn- und Gewerbegebieten in Schönefeld eingesetzt haben. Also für Wachstum.

Schon 1992 haben wir bei einem Besuch in München erfahren, dass in der Nähe eines großen Flughafens vor allem eines benötigt wird: Wohnraum für die vielen Beschäftigten. Als Gemeinde haben wir von da ab eine Verantwortung gesehen. Uns war klar, dass es Zuzug geben würde, und wir wollten ein attraktives Wohnumfeld für die zahlreichen künftigen Beschäftigten schaffen. Deshalb haben wir in Straßen, Bildungs- oder Freizeiteinrichtungen investiert.

Zur Wende lebten rund 5000 Menschen im heutigen Gemeindegebiet. Aktuell sind es rund 16.000, und wir tun vieles dafür, dass es eines Tages bis zu 45.000 sind. Das klingt viel, aber wir stehen zu dieser Entwicklung, denn diese Menschen werden dringend gebraucht. Immerhin gilt es, rund 70.000 Arbeitsplätze in der Flughafenregion zu besetzen.

Natürlich bedeutet das auch, dass die Gemeinde weiter investieren muss. Nach wir vor sind wir deshalb sehr engagiert, um Schulen, Kitas und Horteinrichtungen zu bauen, Kultureinrichtungen zu eröffnen und die medizinische Versorgung zu verbessern. Der Aufwand ist groß. Aber alles in allem wird dieser Weg dazu beitragen, dass der zunehmende Flugverkehr abgesichert und die Vernetzung der deutschen Hauptstadt mit der Welt verbessert werden kann. Von dieser Entwicklung profitiert dann nicht nur Schönefeld, sondern der ganze Landkreis, die Region und natürlich auch Berlin.

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Klaus Rocher: Wachstum muss verkraftbar sein

Klaus Rocher (FDP) ist seit 2003 Bürgermeister von Rangsdorf. Quelle: Margrit Hahn

Die Region um die Hauptstadt wächst derzeit rasant. Wir in Rangsdorf bemühen uns, dieses Wachstum auf drei Prozent im Jahr zu begrenzen. Das hat sich bewährt – wir haben schon so genügend Hürden zu überwinden.

Rund sechs Prozent der Einwohner sind Kinder im Kita- und Grundschulalter. Für sie muss die Gemeinde pro Jahr rund 20 neue Kitaplätze und entsprechende Grundschulkapazitäten schaffen. Durch die Begrenzung des Wachstums bekommen wir das hin. Mehr wäre aber nicht zu stemmen, zumal es kaum zusätzliche finanzielle Unterstützung vom Land gibt.

Den Schulbau fördert das Land seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Es gibt nur Sonderprogramme, etwa für Schulen mit gemeinsamem Lernen. Ähnlich sieht es bei der Finanzierung zusätzlicher Kita- und Hortplätzen aus. Selbst Investoren können für den Bau von Kitas und Schulen nicht einfach gewonnen werden, weil die Bedingungen strikt sind.

Auch aus der Einkommenssteuer erhält die Gemeinde weniger Geld als sie bräuchte. Der Schlüssel, mit dem das Land unseren Anteil berechnet, bezieht sich auf Daten aus 2014. Seither hat sich die Einwohnerzahl Rangsdorfs aber um 500 Einwohner erhöht.

Ein weiteres Problem ist die Verkehrsinfrastruktur. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist der Verkehr auf der Rangsdorfer Hauptausfahrtstraße um etwa 50 Prozent gestiegen. Ähnliches gilt für die B 96. Der ÖPNV aber wurde im selben Zeitraum fast gar nicht ausgebaut. Ab 2022 soll er sich sogar verschlechtern, weil dann stündlich nur noch ein Zug direkt ins Berliner Zentrum fährt. Unbegrenztes Wachstum ist angesichts dieser Hemmnisse keine Option.

Hier wächst Brandenburg

Wachstum ist ein, vielleicht das Wesensmerkmal unserer Gesellschaft. Das Wort mehr ist bei uns zum Prinzip geworden. Mehr Umsatz, mehr Arbeitsplätze, mehr Wohnungen, mehr Straßen, mehr Kitas, mehr Kultur – egal was, Hauptsache mehr. Was im Großen gilt, gilt doppelt für die Region Dahmeland-Fläming und vor allem deren Norden. Nicht zuletzt wegen des weiterhin erwarteten Großflughafens BER in Schönefeld leben wir in einer ausgesprochenen Boom-Region.

So wünschenswert Wachstum ist, da es mehr Vielfalt und Möglichkeiten eröffnet, so unweigerlich führt es aber auch zu Wachstumsschmerzen. Die sind immer dann zu spüren, wenn die Strukturen nicht mehr mithalten können. Wenn es an Kita-Plätzen mangelt oder die Straßen im täglichen Berufsverkehr verstopfen. Darin, Wachstum ohne große Schmerzen zu ermöglichen, besteht die Aufgabe und Kunst der Verwaltungen, aber auch die Verantwortung der Investoren.

Wie aber sieht es in unserer Region wirklich aus? Wollen wir immer weiter wachsen? Wollen wir alles belassen, wie es jetzt gerade ist? Mit unserer achtteiligen Serie „Hier wächst Brandenburg“ werden wir einen Stand der Dinge abbilden. Wir reden mit Entscheidungsträgern – und mit denjenigen, die im Rahmen dieser Entscheidungen leben müssen. Wir zeigen, worin die Herausforderungen bestehen und bestehen werden.

Von MAZ-online

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