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Rangsdorf Bauerndemo in Berlin: Landwirte aus TF bleiben zu Hause
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf Bauerndemo in Berlin: Landwirte aus TF bleiben zu Hause
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06:05 16.01.2020
Am Freitag ist wieder eine Sternfahrt nach Berlin geplant. Bei der letzten Demo im November kamen rund 40.000 Landwirte aus ganz Deutschland. Quelle: EPD
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Teltow-Fläming

Morgen beginnt die Grüne Woche in Berlin. Dann machen sich auch zahlreiche Demonstranten auf den Weg in die Hauptstadt. Zu der Ausstellung für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau sind gleich mehrere Proteste angemeldet – von Agrarkritikern genauso wie von konventionellen Landwirten. Auch aus Brandenburg werden viele Menschen dabei sein, doch aus Teltow-Fläming ist der Zuspruch bisher gering.

„Die Politiker haben uns das Gefühl gegeben, mitreden zu dürfen, aber am Ende ist doch nichts passiert“, sagt Landwirt Konrad Niendorf aus Reinsdorf (Niederer Fläming). Er und seine Bauernkollegen bleiben am Freitag deshalb zu Hause.

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Konrad Niendorf aus Reinsdorf ist Landwirt aus Leidenschaft. Dass seine Proteste nichts bewirkt haben, enttäuscht ihn. Quelle: Philipp Ledényi

Niendorf war 2019 zweimal mittendrin bei den Bauernprotesten in Berlin. „Der Zusammenhalt, der sich zwischen den Landwirten entwickelt hat, war richtig gut“, sagt er.

Kurz nach der riesigen Demo in Berlin Ende November hatte er deshalb ein Mahnfeuer bei Werbig organisiert (die MAZ berichtete). „Schade, dass sich trotz Einladung fast niemand aus Land- und Kreistag sehen lassen hat“, sagt er. Der junge Landwirt zieht deshalb ein trauriges Fazit der vielen Protestaktionen. Mehr als warme Worte hätte es 2019 von den Politikern nicht gegeben.

Zum Mahnfeuer, das Konrad Niendorf organisiert hat, kamen zahlreiche Bauern aus dem Süden von TF. Quelle: Isabelle Richter

Den Aufwand, erneut mit Traktoren in die Hauptstadt zu fahren und einen ganzen Tag lang die Arbeit im Stall und auf dem Feld liegen zu lassen, spart sich Niendorf. Viele andere Landwirte aus Teltow-Fläming sind inzwischen derselben Meinung.

„Habe Auflagen bekommen, gegen die ich protestiert habe“

Frank Nitzsche aus Berkenbrück beispielsweise. Der Landwirt war im November ebenfalls mit dem eigenen Traktor in Berlin und demonstrierte für mehr Respekt den Bauern gegenüber, aber auch gegen neue Gesetze und Verordnung. „Inzwischen habe ich Auflagen bekommen, gegen die ich damals protestiert habe“, sagt Nitzsche. Auch er ist enttäuscht von der Politik und bleibt bei der neuen Demo zum Start der Grünen Woche zu Hause.

Frank Nitzsche aus Berkenbrück bei der Demo in Berlin im November 2019. Quelle: Privat

Den Frust der Landwirte in Teltow-Fläming kann man auch in der Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes nachvollziehen. Die Euphorie für neue Proteste hält sich bei Chefin Silvia Fuchs in Grenzen.

Dass die Bauern ihre Forderungen laut machen, findet sie zwar grundsätzlich gut. „Nun braucht es aber klare Forderungen“, sagt die Leiterin des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming.

Silvia Fuchs ist die Vorsitzende und zugleich Geschäftsführerin des Bauernverbandes Teltow-Fläming. Quelle: Hartmut F. Reck

Mehrere Akteure machen derzeit auf sich aufmerksam und wollen quasi gleichzeitig an vielen Stellschrauben drehen. Fuchs ist skeptisch, ob das insgesamt zielführend ist. „Wir als Landwirte müssen auch Angebote machen, wie Lösungen aussehen könnten“, sagt sie.

Verband plant Strategie für die Zukunft

Aufgeben ist trotzdem für keinen Landwirt in TF eine echte Alternative. Der Landesbauernverband arbeitet derzeit beispielsweise an einer Art Strategiepapier für die Landwirtschaft der Zukunft.

„Nochmal nach Berlin nur mit einer Fuhre voll Mist“

Auch Konrad Niendorf und seine Kollegen machen sich ihre Gedanken. Der junge Landwirt hält eine neue Sternfahrt zum Beispiel nur dann für sinnvoll, wenn die Versorgungswege gesperrt werden. Vielleicht würde dann einigen Verbrauchern klar, wie wichtig die Arbeit der Landwirte aus ihrer Heimat ist.

„Viele andere Landwirte sagen, wenn sie noch einmal nach Berlin fahren, dann nur mit einer Fuhre voll Mist“, erzählt er.

Infos zu den Demos am Freitag und Samstag

Am Freitag ruft das Bündnis „Land schafft Verbindung“ zu einer Sternfahrt nach Berlin auf.

Die Polizei rechnet mit 500 Traktoren aus Brandenburg und umfangreichen Verkehrsbehinderungen.Durch TF führt die Süd-Route der Sternfahrt.

Aus Herzberg (Elbe-Elster) kommend führt sie über die B 101 nach Jüterbog und weiter über B 115 sowie die B 246 nach Baruth. Von dort aus geht es über die B 96 über Zossen weiter nach Berlin.

In Jüterbog treffen sich die Bauern am Freitag um 8.05 Uhr. In Baruth ist um 9 Uhr Treffpunkt und in Zossen um 9.45 Uhr.

Am Samstag demonstriert das Bündnis „Wir haben es satt“ in Berlin. Sie sind gegen die Agrarindustrie und für eine bäuerlich-ökologische Agrarwende.

In Blankenfelde auf dem Stadtgut treffen sich die Agrarkritiker zur Traktor-Demo am Freitagabend. Am Samstag fahren sie gemeinsam nach Berlin.

Von Victoria Barnack