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Rangsdorf Dresdner Bahn: Kein zweites Gleis für S-Bahn
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf Dresdner Bahn: Kein zweites Gleis für S-Bahn
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10:05 08.11.2019
Rainer Pannier, Vorsitzender der Bürgerinitiative für eine S-Bahnanbindung Rangsdorf und ehemaliger Bahn-Mitarbeiter, kritisiert die Pläne für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Blankenfelde

Der Bahnhof in Blankenfelde steht kurz vor dem Umbau. Hintergrund ist der Ausbau der Dresdner Bahn – von der Berliner Landesgrenze bis nach Blankenfelde-Mahlow. Rainer Pannier ist mit den Plänen der Deutschen Bahn dafür jedoch überhaupt nicht zufrieden. Er ist der Meinung: Hier müsste ordentlich was anders laufen.

Parkhaus steht zu nah an den Gleisen

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative für eine S-Bahn Anbindung Rangsdorf (Bisar) setzt sich schon seit mehr als zehn Jahren für ein zweites S-Bahn-Gleis auf der Strecke ein. Ohne Erfolg, denn das wird es nach dem endgültigen Entwurf nicht geben. „Das ist nicht einmal für die Zukunft vorgesehen“, bemängelt der ehemalige Bahn-Mitarbeiter. Obwohl es historisch schon mal ein zweites Gleis gab: Bis Anfang April des Jahres 1945 zwischen Mahlow und dem Stettiner Bahnhof in Berlin, heute Nordbahnhof, genutzt wurde es im Früh- und Spätberufsverkehr.

Nur wenige Zentimeter vom Bahngelände in Blankenfelde entfernt (rechte Mauer) grenzt gleich das Parkhaus an - für ein zweites S-Bahn gleis ist zu wenig Platz. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Rainer Pannier spricht von groben Planungsmängeln aller Beteiligten. Das fing schon mit dem Parkhaus direkt neben dem Bahnhof in Blankenfelde an. Es stehe zu nah an den Gleisen. Für einen zweigleisigen Ausbau der Strecke müsste der gesamte Bahnsteig mehrere Meter nach Osten hin versetzt werden. Das koste der Bahn zu viel Zeit, obwohl der Bisar-Verein dafür mehrere Varianten entwarf.

Bahn widerspreche der eigenen Konzernstrategie

Hinzu kommen die Bahnübergänge in der Ziethener Straße, Berliner Straße, Trebbiner Straße, Karl-Marx-Straße und im Tunnelweg. Fahrzeuge sollen dort künftig in einer Unterführung unter der Bahn hindurch fahren können. Alle künftigen S-Bahn-Brücken an diesen fünf Stellen sind jedoch ohne ein zweites S-Bahn-Gleis geplant und vom Eisenbahnbundesamt so abgesegnet. Damit würge die Bahn Leistungssteigerungen im eigenen Unternehmen ab. „Das ist für uns völlig unverständlich. Es widerspricht der eigenen wirtschaftlichen Konzernstrategie“, so Rainer Pannier. Das widerspreche auch dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung: Der geforderte Zehn-Minuten-Takt ist mit nur einem Gleis grundsätzlich nicht machbar.

Der Bahnhof in Blankenfelde wird sich mit den Umbauarbeiten grundlegend verändern. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Planungen dauern schon mehr als 25 Jahre

„Die Bevölkerung im südlichen Berliner Umland nimmt immer mehr zu und das verlangt den Ausbau der S-Bahn“, betont der Vorsitzende des Bisar-Vereins. Er denkt auch schon einen Schritt weiter. Mit einer Zweigleisigkeit gebe es einen viel besseren und stabileren Betrieb, wenn die S-Bahn in Zukunft bis nach Rangsdorf verlängert wird. Dafür gebe es bisher jedoch nur eine grobe Trassenstudie ohne Planungsqualität.

An fünf Bahnübergängen in der Gemeinde soll gleichzeitig gebaut werden, die Fahrzeuge sollen künftig in einer Unterführung unter den Bahngleisen hindurch fahren können. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Bis Dienstag lag der 380-seitige sogenannte Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Dresdner Bahn öffentlich aus (die MAZ berichtete). Er diente aber nur der Kenntnisnahme. Mehr als 25 Jahre dauern schon die Planungen zum Wiederaufbau der Dresdner Bahn an. Für fünfeinhalb Kilometer, bis kurz hinter dem Glasowbach in Blankenfelde, gibt es nun Baurecht.

Schnellere Verbindung zum Flughafen BER

Die Dresdener Bahn ist damit die letzte ehemalige direkte Fernverbindung in die deutsche Hauptstadt, die nach der Wiedervereinigung noch nicht wieder aufgebaut wurde. Der Bedarf ist aus Sicht von Rainer Pannier auf jeden Fall da. Jeden Tag pendeln hunderte Reisende auf der Strecke zur Arbeit und wieder zurück.

Bisher endet die S-Bahn-Linie kurz vor dem eigentlichen Bahnhof in Blankenfelde auf einem höher gelegten Gleis. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Ab Dezember 2025 soll der Flughafen BER vom Berliner Hauptbahnhof aus in 20 Minuten zu erreichen sein. Die neue Strecke spielt dabei eine wichtige Rolle. Doch es hätte noch effizienter sein können, meint der Vorsitzende der Bürgerinitiative für eine S-Bahn Anbindung Rangsdorf. Darauf machte er alle Beteiligten aufmerksam.

Forderungen nicht einmal optional vorgesehen

„Das Eisenbahnbundesamt verneinte für ökonomische Fragen seine Zuständigkeit. Wir nahmen das nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis“, sagt er. Rainer Pannier ist der Meinung, dass allein die Planungen der Deutschen Bahn berücksichtigt wurden. Sein Kampf in mehr als einem Jahrzehnt, die S-Bahn-Verbindung zu verbessern, verlief im Sande.

Nun sind seine Forderungen nicht einmal optional vorgesehen. Sollte sich die Deutsche Bahn im Nachhinein umentscheiden und doch das zweite Gleis bauen wollen, würde das immense Kosten verursachen. Gebaut werden müsste im laufenden Betrieb. Sinn macht das aus Sicht von Rainer Pannier nicht.

Einer der kompliziertesten Abschnitte

Der relativ kurze Streckenabschnitt von der Berliner Landesgrenze nach Blankenfelde ist einer der kompliziertesten für den Wiederaufbau der Dresdener Bahn. So sind fünf Bahnübergänge gleichzeitig zu beseitigen und durch neue Unterführungen für die Fahrzeuge zu ersetzen. In Mahlow soll zusätzlich ein neuer kombinierter Geh- und Radweg unter der S-Bahn entstehen.

Hintergrund ist die neue Streckengeschwindigkeit auf der Dresdener Bahn von 200 Stundenkilometer. Alle Baumaßnahmen sollen sich in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow gleichzeitig abspielen. „Das wird allen Beteiligten Nerven kosten“, ist sich Rainer Pannier vom Bisar-Verein sicher.

„Dennoch meinen wir, lieber jetzt richtig ranklotzen, als in fünf bis zehn Jahren festzustellen, dass die Baumaßnahmen für die S-Bahn nicht ausreichend waren und es erneut zu Schienenersatzverkehr, Straßensperrungen, Baulärm, Bauverkehr und so weiter kommen muss“, so Pannier.

Von Marcus J. Pfeiffer

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