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Rangsdorf „Hartz IV, Hartz IV, das Glück hat einen Namen“
Lokales Teltow-Fläming Rangsdorf „Hartz IV, Hartz IV, das Glück hat einen Namen“
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19:54 23.09.2018
Ein Mann, seine Gitarre und sein amüsantes Liedgut: Heinz Klever in der Rangsdorfer Kulturscheune. Quelle: Andrea von Fournier)
Rangsdorf

Politisches Kabarett in Rangsdorf? „Das ist ein Selbstläufer“, sagte Detlef Schlüpen vom ansässigen Kulturverein und bekennender Sozi, nicht ohne Stolz.

Am Wochenende ließ der Berliner Heinz Klever in der Kulturscheune die Lachmuskeln der Besucher ordentlich arbeiten. Bis zu Beginn seines Programms „Wer immer mit dem Schlimmsten rechnet, hat meistens eine gute Zeit“ mussten Schlüpen und seine Mitstreiter zusätzliche Stühle stellen, um den Ansturm zu meistern. Die charmant-spartanische Bühne war mit Hocker, Gitarre und Keyboard ausgestattet, als Heinz Klever sie im wahrsten Sinne des Wortes einnahm.

Multitalent mit Schiebermütze

Mit Schiebermütze begrüßte er als niederschwelliger Politik-Erklärer und Multitalent – Klever ist Schauspieler, Komponist, Autor und „Quotenwessi“ des Ensembles „Leipziger Pfeffermühle“ – das Publikum mit einer Aneinanderreihung aktueller Themen: Whistleblowing, der Mensch als Ansammlung von Daten, Religion und der schwere Stand, den Gott in den neuen Bundesländern hat, dazu Klimaveränderung und Merkel, die Lichtgestalt aus Templin.

Es brauchte eine Zeit, bis der Kabarettist warm geworden war. Dabei halfen vor allem die Songs aus eigener Feder, zumal er sich auch als brillanter Interpret erwies. Manchmal blieb kein Auge trocken: „Hartz IV, Hartz IV, das Glück hat einen Namen“ wird manchem als Ohrwurm erhalten bleiben, die Mitsinggelegenheit nutzte der Saal ausgiebig. Ein eineinhalbstündiges Programm allein zu gestalten und die Zuhörer dabei stets satirisch bei der Stange zu halten, ist hohe Kunst.

Mann mit breitem Hintergrund

Heinz Klever, der früh in einer Garagen-Band zu Hause im Ruhrpott zu spielen begann und dann ein Schauspielstudium in Düsseldorf absolvierte, nebenbei bereits Kabarett machte, beherrscht die ganze Klaviatur. Zur „Pfeffermühle“ gehört er als „ständiger Gast“ seit fast 15 Jahren, schreibt für die „Herkuleskeule“, „Academixer“ und den „Eulenspiegel“. Beim „Spandauer Volkstheater“, das er seit sechs Jahren leitet, gibt er auch noch den Bühnenarbeiter und die Bürokraft.

Als Solist ist Klever nach eigener Aussage ein Spätzünder, doch diese Auftritte schätzt er besonders: „In Brandenburg gibt es so wundervolle Spielorte, wie diese tolle Scheune“, sagt er. Und kam auf Hochtouren: Erst gab er einen Chinesen, der den Deutschen erklärt wie Wirtschaft geht und gesteht, dass auch unsere Kanzlerin schon längst eine billige Kopie ist, dann zwei Araber, die ein „Freiwilliges asoziales Jahr“ absolvieren. Beides kam großartig an. Ekelessen, Rentnerschwemme – nichts blieb ungesagt. „Das war eine der besten Sachen, die ich hier gesehen habe. Der Mann ist so vielseitig und treffsicher“, fasste eine Rangsdorferin gut zusammen.

Von Andrea von Fournier

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