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Rangsdorf Bürger engagieren sich für den Waldcharakter ihres Ortes
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19:06 18.02.2019
Im Wohngebiet am Langen Berg in Rangsdorf soll ein Bebauungsplan für den Erhalt des Waldcharakters sorgen. Quelle: Christian Zielke (Archivfoto)
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Rangsdorf

Bleibt Rangsdorfs grüner Charakter erhalten? Einige Bürger fordern Aufklärung von der Gemeinde. Sie kämpfen gegen den Bebauungsplan „RA 26 – Zülowniederung / Langer Berg“, der ihrer Meinung nach den Wald in der Siedlung nicht erhält und viele Probleme für Grundstückseigentümer bedeute. Mit einer öffentlichen Petition fordert die „Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Rangsdorf“ jetzt die Gemeindevertretung auf, den Plan zu ändern und alle bisher entstandenen Kosten offen zulegen.

Der Bebauungsplan, der bereits 2015 diskutiert wurde und im Sommer 2018 in Kraft getreten ist, sorgt dafür, dass neue Häuser nicht zu groß gebaut werden und gefällte Bäume wieder nachgepflanzt werden. Er hatte bis März 2018 Kosten in Höhe von rund 160.000 Euro verursacht.

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Plan verfehlt sein Ziel

Laut Petition verfehlt er sein eigentliches Ziel allerdings gänzlich. „Um den Waldcharakter zu erhalten, müssen alte und lebensgefährliche Bäume runtergenommen und durch neue ersetzt werden“, schreiben die drei Unterzeichner Edmund Wirzba, Lutz Friedel und Kerstin Treptow. Sie erinnern an Unwetterschäden, die in Zukunft häufiger werden könnten, weil die meisten Bäume alt sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Petition ist die im Plan festgelegte Grundflächenzahl (GRZ) von 0,2. Sie besagt, dass maximal 20 Prozent jedes Grundstücks bebaut werden dürfen. Die Bürger verlangen eine GRZ in Höhe von 0,3. Die sei nötig, weil etwa am Langen Berg einige Grundstücke so steil sind, dass lange Zuwege oder Treppen gebaut werden müssten.

Anwohner fühlt sich enteignet

Auf kleinen Grundstücken sei es nun praktisch unmöglich, ein ordentliches Haus zu bauen, kritisiert Clemes Wudel, ein betroffener Anwohner. „Wer beispielsweise einen Bungalow für seine Familienangehörigen hinter dem Haus bauen möchte, hat ein Problem“, sagt er. Durch die GRZ von 0,2 fühlt er sich praktisch enteignet. Auch Wudel wünscht sich, dass die Gemeindevertreter den Bebauungsplan ändern.

Im Sommer 2018 war Rangsdorfs Bürgermeister Klaus Rocher (FDP), von den Gemeindevertretern damit beauftragt worden, Änderungsvorschläge für den Plan zu erarbeiten. Doch bis heute liegen keine Vorschläge auf dem Tisch. „Wir arbeiten daran“, sagt Rocher auf MAZ-Nachfrage. Das Rathaus wartet noch auf eine Antwort aus der Forstbehörde. Der Bürgermeister kündigte an, das Thema demnächst im Bauausschuss einzubringen. Die Gemeindevertretung werde die Petition beantworten.

Fraktionen reagieren auf Petition

Die Rangsdorfer SPD-Fraktion hat bereits reagiert: In einer schriftlichen Antwort erklärt Fraktionsvorsitzender Stephan Wilhelm, man engagiere sich für Verjüngung und Erhalt des Baumbestandes. Wohlbegründeten Ausnahmegenehmigungen bei Bauvorhaben würde man zustimmen. „Ein Bebauungsplan schützt grundsätzlich jeden Eigentümer vor unangemessener Bebauung des Nachbarn und schafft Planungssicherheit“, schreibt Wilhelm.

Auch Tassilo Soltkahn, Fraktionsvorsitzender der Rangsdorfer CDU und hauptberuflich Architekt, sieht in dem Bebauungsplan viele positive Effekte. „Der Plan ist nicht in allen Punkten toll, aber er funktioniert. Er sichert das Recht der Schwächeren“, erklärt er auf MAZ-Anfrage. Dem Bürger sei nicht das Recht genommen, zu bauen, das sei nach wie vor möglich. Dass in einem geänderten Bebauungsplan die GRZ erhöht wird, bezweifelt Soltkahn jedoch. „Dann würde der Wald nicht mehr geschützt werden“, sagt er.

Mit der aktuellen Petition würden viele Bürger nur verunsichert werden, sagt Soltkahn. „Manche Anwohner verstehen nicht, dass sie jetzt besser dastehen als vorher.“

Von Jonas Nayda