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Teltow-Fläming Refugium für Hunde-Rentner
Lokales Teltow-Fläming Refugium für Hunde-Rentner
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19:04 04.04.2018
Wenn Stevie Badura mit der Leckerli-Tüte raschelt, ist sie im Handumdrehen von ihren Hunden umzingelt. Quelle: Foto: Christian Zielke
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Mahlow

Sie heißen Inge, Manfred und Günther. Der eine ist blind, der andere taub und die dritte leidet an Arthrose. Stevie Badura nennt sie liebevoll Omis und Opis. Die 34-Jährige hat vor kurzem in Mahlow ein Hospiz für alte Hunde eröffnet.

Nach Ahrensfelde und Mittenwalde hoffen Stevie Badura und ihr Lebensgefährte Marcus Riedel, dass sie nun ein Domizil für eine lange Zeit gefunden haben. Zuvor gab es immer wieder Ärger mit den Nachbarn, die sich wegen des Hundegebells beschwerten. Das Grundstück an der Kreischaussee in Mahlow hat keine direkten Nachbarn und liegt nur wenige Meter von den Bahngleisen des Berliner Außenrings entfernt in der Einflugschneise des Flughafens. Da fallen bellende Hunde kaum auf.

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Das Hundehospiz lebt ausschließlich von Spenden

Der Vermieter des Bungalows mit dem dazugehörigen riesigen Grundstück hatte sich an Stevie Badura gewandt. „Das war ein echter Glücksfall“, sagt sie. Ende September zogen sie, ihr Lebensgefährte und 16 Hunde nach Mahlow. „Die Leute haben uns gut aufgenommen“, schildert sie ihre ersten Erfahrungen in der neuen Umgebung. Die Hunde haben den Umzug gut überstanden und sich im neuen Zuhause eingelebt. Ihre „Kinder“, wie Stevie Badura sie nennt, dürfen sich im ganzen Haus austoben. Überall liegen Körbchen und Decken. „Ich tue alles für die Hunde“, sagt die 34-Jährige. Sie selbst steckt dabei oft zurück. Beide leben vom Einkommen ihres Lebensgefährten Marcus Riedel und dem, was andere Menschen spenden. „Wir können fast alles gebrauchen“, sagt sie. Hundefutter ist immer gefragt, genauso Decken und – ganz akut – eine Waschmaschine. Sechs Maschinen Wäsche fallen am Tag an, das hält kein Gerät lange aus.

Trotz aller Entbehrungen möchte Stevie Badura nie wieder ein anderes Leben führen. „Ich bin glücklich. Die Tiere geben mir so viel“, sagt sie. Es gab Zeiten, da hatte Stevie Badura ein ganz normales Leben. Sie war Leiterin eines Aldi-Marktes und einer Bäckerei-Filiale. „Ich habe viel gearbeitet und gutes Geld verdient.“, sagt sie. Alles änderte sich, als ihre Hündin Maya krank wurde starb. „Bis heute mache ich mir Vorwürfe, dass ich kaum Zeit hatte, als es ihr schlecht ging.“ Mayas Tod bedeutete einen radikalen Bruch. Stevie Badura verkaufte alles, was sie hatte und wollte sich fortan nur noch um Hunde kümmern, für die sich sonst kaum ein Mensch interessiert – als eine Wiedergutmachung für ihre gestorbene Hündin.

Familienmitglieder und Freunde wandten sich ab

Im Familien- und Freundeskreis stieß sie damit auf Unverständnis. „Fast alle haben sich von mir abgewandt“, sagt sie. Ihr altes Leben möchte sie trotzdem nicht zurück. „Die Hunde sind mir mehr wert als alles, was ich vorher hatte“, sagt sie. Wenn sie es geschafft hat, ein krankes, völlig verängstigtes Tier wieder aufzupäppeln sei das der größte Lohn. Viele der Hunde kommen aus Tötungsstationen aus dem Ausland oder wurden ihren Besitzern weggenommen. Einige wurden von skrupellosen Züchtern als Gebärmaschinen missbraucht. „Wenn man sieht, was Menschen Tieren antun, bekommt man einen Hass“, sagt sie. Stevie Badura hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Rentnern auf vier Beinen ein paar schöne Jahre zu schenken. Besonders schlimm sei es, wenn sie von einem ihrer Hunde Abschied nehmen muss. „Dann heule ich mir jedes Mal die Augen aus.“

Kontakt: 0 33 79/ 4 49 11 58.

Von Christian Zielke