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Teltow-Fläming Region braucht mehr als 200 Kita-Erzieher
Lokales Teltow-Fläming Region braucht mehr als 200 Kita-Erzieher
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19:46 05.06.2018
Die Luckenwalder Kita „Vier Jahreszeiten"  ist in Trägerschaft der Volksolidarität. Auch die sucht derzeit Personal für ihre Einrichtungen.
Die Luckenwalder Kita „Vier Jahreszeiten" ist in Trägerschaft der Volksolidarität. Auch die sucht derzeit Personal für ihre Einrichtungen. Quelle: Margrit Hahn
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Dahmeland-Fläming

Udo Haase (parteilos) ist es gewohnt, mit großen Zahlen zu operieren. Als er allerdings kürzlich mal durchrechnen ließ, wie viele Kita-Erzieher er im kommenden Jahr braucht, fiel selbst ihm die Kinnlade herunter.

Haase will in seiner Gemeinde Schönefeld eine der größten Kitas Brandenburgs eröffnen. Sie soll 530 Plätze haben, allein dafür benötigt er 60 Erzieher. Auch andere Einrichtungen werden aufgestockt, sagt er, weil Schönefeld überall wächst. Ältere Kolleginnen gehen in Rente und müssen ersetzt werden. Zusätzlich sei der Betreuungsschlüssel schon wieder verändert worden. Nicht viel zwar, aber es bindet ebenfalls Personal. Alles in allem werde die Gemeinde im kommenden Jahr – oder spätestens innerhalb der nächsten zwei – 100 Erzieher brauchen, sagt Haase. Eine Zahl, die auch andere Bürgermeister erschrecken dürfte, denn Schönefeld ist nicht die einzige Gemeinde, die Erzieher sucht.

Es ist derzeit fast egal, in welche Kommune der Region Dahmeland-Fläming man schaut. Es wird immer irgendwo eine Kita geplant, ein Erweiterungsbau vorangetrieben, ein Betreuungs-Container aufgestellt – und entsprechend Personal benötigt.

Die Stadt Königs Wusterhausen etwa will im kommenden Jahr knapp 200 zusätzliche Platze schaffen und braucht dafür rund 30 Erzieher. Eichwalde will bis 2021 eine neue Kita bauen, der Personalbedarf dürfte bei etwa 20 Erziehern liegen. Mittenwalde braucht bis 2020 ebenfalls 20 Erzieher. In Ludwigsfelde sind es im kommenden Jahr 50 bis 60 Erzieher, in Luckenwalde um die 40, selbst im Amt Dahme, wo seit Jahren nur Rückgang und Mangel verwaltet werden, braucht es plötzlich Kita-Erzieher. Insgesamt dürften damit in den kommenden zwei bis drei Jahren in beiden Landkreisen allein für Kitaneubauten rund 300 Stellen entstehen – und da ist der Ersatz für ausscheidende Kräfte noch gar nicht inbegriffen.

Schon jetzt gibt es nicht genügend Personal

Dabei gibt es schon jetzt Kitas, die ihre Kapazitäten nicht auslasten, weil sie das nötige Personal nicht finden. Wo die ganzen zusätzlichen Erzieher herkommen sollen, ist vielen Beteiligten deshalb ein Rätsel.

Aus der Kundenkartei der Arbeitsagenturen wohl nicht – denn dort herrscht derzeit gähnende Leere. Im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald sind aktuell drei arbeitslose Kitaerzieherinnen gemeldet, in Teltow-Fläming sind es acht, dazu noch einige, die den Job gerne machen würden, die aber noch keine Ausbildung haben. Für die 39 Erzieherstellen, die derzeit frei sind, reicht das nicht.

„Wir tun was wir können, und wir bieten auch an, dass Quereinsteiger berufsbegleitend qualifiziert werden“, sagt Isabell Wollig, Sprecherin der Arbeitsagentur Potsdam. Trotzdem sei schon jetzt jede Vermittlung ein hartes Stück Arbeit.

Manche Kommunen gehen deshalb ihren eigenen Weg. Zossen etwa bildet seit Jahren jedes Jahr um die zehn Quereinsteiger und Erziehungshelfer zu Erziehern aus. Diese nehmen danach zum Teil auch in umliegenden Kommunen Jobs an.

Für Udo Haase wäre aber auch das zu wenig. Er hat deshalb schon den Landkreis angespitzt, in die Ausbildung einzusteigen. „Die Kommunen können das nicht mehr alleine schaffen, sie brauchen Unterstützung von Kreis und Land – aber möglichst schnell“, sagt er. Seine Idealvorstellung wäre, dass der Landkreis ab September eigene Klassen für die Ausbildung von Erziehern eröffnet.

Manchmal hilft Glück

So einfach wird das aber kaum gehen. Ähnliche Bemühungen sind vor einigen Jahren laut Jugenddezernent Carsten Saß (CDU) schon am Land gescheitert. Und auch jetzt führen alle Wege über das Ministerium in Potsdam, sagt der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD). „Ich kann mir vorstellen, dass man sich mit dem Ministerium hinsetzt. Aber dann muss es eine gemeinsame Initiative vom Landkreis und den Gemeinden sein, und es muss eine gemeinsame Zuständigkeit geben“, so Loge.

Bis dahin können die Kommunen nur hoffen, dass sie als Arbeitgeber attraktiver sind als andere – was zum Teil auch der Fall ist „Für unsere neue Kita sind viele Bewerbungen von Erzieherinnen aus Berlin eingegangen, die lieber in einer kleinen Einrichtung arbeiten wollten“, heißt es etwa aus der Gemeinde Heidesee. Und manchmal kommt auch das Glück zur Hilfe.

Als Udo Haase der 15 000. Einwohnerin seiner Gemeinde einen Blumenstrauß überreichte, fragte er sie, was sie gerade mache. Ihre Antwort: Eine Ausbildung zur Erzieherin. Haase gab ihr auf der Stelle einen Vorvertrag. Damit suchte er nur noch 99 Erzieher. „Solche Zufälle brauche ich öfter“, sagt er.

Von Oliver Fischer