Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Woher kommen die vielen Waldbrände – sind da Immobilienhaie unterwegs?
Lokales Teltow-Fläming Woher kommen die vielen Waldbrände – sind da Immobilienhaie unterwegs?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 11.07.2019
Feuerwehr-Maschinisten im Ludwigsfelder Ortsteil Ahrensdorf an einem Sondersignalfahrt-Trainer einer Leipziger Firma. Quelle: Jutta Abromeit
Rehagen

Irmgard Neumann aus Rehagen macht sich Gedanken um die vielen Waldbrände der jüngsten Zeit. Am Lesertelefon sagt die 88-Jährige: „In den 40 Jahren, als die Russen hier waren, hat es nicht so viel gebrannt wie jetzt. Wie kommt denn das? Da muss doch was faul sein.“ Die aus der Region Posen stammende Vertriebene meint, früher habe es auch Frühjahr und Sommer gegeben. „Aber so viel wie jetzt hat sich Wald nie entzündet. Wird da Bauland gebraucht? Sind da Immobilien-Haie unterwegs?“ Irmgard Neumann erklärt, in ihrem Alter und mit ihren Erlebnissen dürfe sie so etwas doch wohl mal fragen; sie wolle verstehen, was da passiert.

Lagebesprechung der Feuerwehr mit Sprengmeister Steffen Seliger an der Feuerwehr Baruth. Quelle: Jutta Abromeit

„Wenn Wald abbrennt, dann hat das keinerlei Auswirkung auf die Nutzung des Geländes“, erklärt Jan Engel, Pressesprecher im Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). Auch wenn Waldflächen abgebrannt sind, bleibe es Wald. Und das Gebiet müsse innerhalb von drei Jahren wieder Wald sein, so der Sprecher: „Entweder der Eigentümer pflanzt Bäume nach, oder er lässt das die Natur erledigen.“

Dass Waldbrände jetzt eine solch große mediale Außenwirkung entfalten, das habe auch andere Ursachen, erklärt Engel. „Zum einen hatten die Forstämter früher selbst noch Löschwagen, so dass sie nach dem Entdecken eines Feuers schnell selbst aktiv werden konnten.“ Zum anderen, so der Forst-Sprecher, habe es im Sommer auch bei den Russen gebrannt; „nur haben die ihre Probleme selbst geklärt, so dass davon so gut wie nichts nach außen gedrungen ist“.

Brände vernichten Familienbesitz

Für Jan Engel haben die vielen Waldbrände noch eine andere Dimension: „Wenn über viele Jahre gewachsene Flächen so radikal abbrennen, wie wir das jetzt erleben, dann ist das vor allem für kleine Waldbesitzer oft ein Desaster“, sagt er. Der Preis fürs Holz sei eingebrochen; es sei Einkommen, das den Flammen da zum Opfer falle. „Oft ist es ein großer Teil von Familienvermögen oder -einkommen, das vernichtet wird“, so Engel. Und was nirgends auftauche, sei das Herzblut, mit dem manch Waldbesitzer seine Parzelle hege und pflege.

Hinzu kommen im Kreis Teltow-Fläming die vielen ehemaligen Militärflächen, die illegal „besucht“ werden. Im Bereich Rehagen und Kummersdorf gibt es davon ebenso reichlich wie in Wünsdorf oder bei Baruth. Auf diesen Konversionsflächen oder brachliegenden Ex-Militärgeländen verrottet jede Menge teils noch scharfe Weltkriegsmunition. Sie braucht manchmal nur hohe Temperaturen oder eine unbedachte Berührung, um hoch zu gehen.

Dabei handelt es sich um Blindgänger, Handgranaten oder Panzerfäuste aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, als Baruth Rückzugsgebiet in der Kesselschlacht von Halbe mit etwa 60 000 Toten war. Waldeigentümer suchen solches Gelände lediglich beim Wegebau oder vor Baumeinschlägen ab, Feuerwehren löschen Brände auf solchen Flächen nur bedingt und nach intensiver Gefahren-Abwägung.

Diese beiden Blindgänger – Bomben von 100 und 250 Kilogramm – waren vor zwei Jahren im knochentrockenen Wald bei Radeland gefunden und entschärft worden. Quelle: Jutta Abromeit

Auch Jens Gille, der Gemeindebrandmeister der Gemeinde Am Mellensee, sieht keinen Zusammenhang zwischen Waldbränden und Immobilien-Sehnsüchten. Er sagt: „Das ist ein bisschen sehr weit hergeholt.“ Für ihn sind es tatsächlich die jetzigen Wetterbedingungen, die zu so vielen und verheerenden Feuern führen. „So lange und so trockene Sommer hatten wir zu DDR-Zeiten nicht“, zumindest seien sie ihm nicht in Erinnerung.

Eher Unvernunft statt Immobilien-Gier

„Mit Immobilienhaien hat das alles nichts zu tun“, so der Gemeindebrandmeister, „eher mit Unvernunft. Erst heute wieder hatten wir einen Brand, wo definitiv ein Autofahrer eine noch glimmende Zigarette aus dem Fenster geworfen hat.“ Zum Glück sei das Feuer an der Straße zwischen Klausdorf und Sperenberg so schnell gemeldet worden, dass nur fünf Quadratmeter Wald abbrannten, sagt Jens Gille.

Von Jutta Abromeit

Antje Drangusch und Helmut Brücher sind Lebensretter. Dank ihres ehrenamtlichen Einsatzes können jedes Jahr unzählige geschützte Jungvögel vor dem Zerschreddern in Mähdreschern gerettet werden.

11.07.2019

In Österreich ist ein Mann aus Blankenfelde-Mahlow tödlich verunglückt. Er war alleine unterwegs und soll über nahezu senkrechtes Felsgelände abgestürzt sein.

11.07.2019

Die Kreistagsfraktion der Linken in Teltow-Fläming hat ihre Vorsitzenden gewählt. An der Spitze stehen künftig Monika Nestler und Felix Thier. Der frühere Vorsitzende Hans-Jürgen Akuloff wurde zum Ehrenmitglied der Fraktion ernannt.

10.07.2019