Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Exkursion für den Artenschutz
Lokales Teltow-Fläming Exkursion für den Artenschutz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 29.05.2019
Während der Exkursion zum Wiesenweihenschutzprojekt geben die Artenschützer Einblicke in ihre Arbeit. Quelle: privat
Rohrbeck

Helmut Brücher und Antje Drangusch aus Rohrbeck engagieren sich seit Jahren für den Wiesenweihenschutz im Landkreis Teltow-Fläming und Potsdam Mittelmark. Mit Bedauern müssen die Naturschützer seither jedoch feststellen, wie das Vorkommen der seltenen Greifvögel jährlich abnimmt.

Wegen fehlender Nahrung: Vögel brüten woanders

Um das Ausmaß zu verdeutlichen berichtet Vorgelexperte Helmut Brücher: „Normalerweise hatten wir in der Region immer 15 bis 17 Paare. 2017 waren es zwölf, und im letzten Jahr nur noch acht.“ In diesem Jahr sehe es sogar noch düsterer aus: Seit Ende April konnten die Artenschützer in der ganzen Umgebung gerade einmal drei Brutpaare auffinden – wobei der Brutnachweis bei einem Paar noch nicht sicher sei.

Hintergrund zur Wiesenweihe

Die Wiesenweihe ist ein schlanker, mittelgroßer Greifvogel und gilt laut der Roten Liste des Landesumweltamtes als stark gefährdet.

Nach dem Winter, den die Bodenbrüter südlich der Sahara in Afrika verbringen, kommen sie jährlich gegen Ende April nach Deutschland zurück, um dort ihre Jungen aufzuziehen.

Da sie das auf Ackerflächen tun, leben die Wiesenweihen in ständiger Gefahr, von Erntemaschine getötet zu werden. Um das zu verhindern, machen sich Wiesenweihenschützer jährlich auf den Weg, um die Vögel auf den Feldern ausfindig zu machen und ihre Brut mit Hilfe von Gattern rund um das Nest zu sichern.

Der Grund: Weil die Tiere in Brandenburg zu wenig Nahrung finden, sind sie nach dem Balzen meist schon wieder verschwunden und lassen sich zum Brüten woanders nieder. Von den deutschlandweit rund 400 Brutpaaren sind etwa die Hälfte in Bayern zu finden. Dort kümmern sich 80 ehrenamtliche Mitarbeiter um den Schutz der Vögel, erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von den Naturschutzbehörden und werden außerdem von einer hauptamtlichen Kraft unterstützt.

In Brandenburg sieht die Ausgangssituation etwas anders aus – hier lassen sich schätzungsweise nur noch rund 25 Brutpaare nieder. Darüber hinaus wissen die Einwohner noch immer viel zu wenig über die bedrohte Vogelart.

Hoffnung auf mehr Hinweise und Unterstützer

Um das zu ändern, versuchen Helmut Brücher und Antje Drangusch neben aktiven Schutzmaßnahmen für die Greifvögel, auch Aufklärungsarbeit bei ihren Nachbarn und in landwirtschaftlichen Betrieben zu leisten. Am 1. Juni startet für alle Interessierten Bürger aus der Gemeinde Niedergörsdorf und Umgebung deshalb wieder eine Exkursion zum Thema Wiesenweihenschutz. Gestartet wird um 9.30 Uhr in der Hauptstraße 11 in Rohrbeck.

Vogelschützerin Antje Dragusch an einem Schutzgatter für Brutstätten seltener Wiesenweihen. Quelle: privat

Während der Tour werden die Teilnehmer sich unter sachkundiger Führung von den Vogelschützern Helmut Brücher und Antje Drangusch in die Feldflur bei Jüterbog begeben und dort lernen, welche typischen und schutzbedürftigen Feldvögel es in der Region gibt und anhand welcher Merkmale man diese als Leihe erkennt. Denn die Wiesenweihenschützer sind auf die Hinweise ihrer Mitmenschen angewiesen. Mit der Exkursion erhoffen sie sich, dass noch mehr Menschen Ausschau nach den Tieren halten und infolgedessen auch mehr gefunden und vor dem Tod gerettet werden können.

Aussterben der Wiesenweihe droht erneut

Antje Drangusch empfiehlt Interessierten unbedingt an der Exkursion am Sonnabend teilzunehmen. Denn nach der bisher ernüchternden Suche nach Brutpaaren befürchtet die Vogelschützerin, dass es in ihrer Region und vielleicht sogar in ganz Brandenburg schon bald gar keine Wiesenweihen mehr geben wird. Über die aktuelle Lage berichtet Antje Drangusch: „Ich fahre manchmal 175 Kilometer am Tag die Felder ab, um Vögel zu suchen. Mittlerweile ist es frustrierend, dass wir keine Brutpaare finden.“

Für die Artenschützer aus Rohrbeck und alle weiteren ehrenamtlichen Helfer wäre das Aussterben in Brandenburg ein herber Rückschlag. Denn schon im Jahr 1996 gab es für die Wiesenweihe erstmals keinen Brutnachweis mehr. Die seitdem starken Bemühungen, wieder Brutpaare in Brandenburg anzusiedeln, wären damit umsonst. Antje Drangusch hofft deshalb auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen. Sie betont deshalb noch einmal, dass allen Hinweisen nachgegangen werde und sich niemand davor scheuen soll sich zu melden, auch wenn er sich mit seiner Sichtung nicht sicher ist.

Weitere Informationen und Kontaktdaten zum Wiesenweihenschutz in der Region Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark gibt es unter www.wiesenweihen-brandenburg.de

Von Isabelle Richter

Baruther Bürger trafen sich zum Disput über Radwege, Monokulturen und Schwerlastverkehr, um das Schlagwort Nachhaltigkeit im Ort greifbar zu machen. Dabei gewann ein Thema haushoch.

01.06.2019

3955 Menschen waren im Mai in Teltow-Fläming ohne Job, das sind 61 mehr als im April. Dabei ist die wirtschaftliche Situation im Norden des Landkreises günstiger als im Süden.

01.06.2019

Die Zahl der Kreistagsabgeordneten ist gleich geblieben – die Besetzung nicht. Die Kommunalwahl wirkt sich auch auf die Zusammensetzung der kommunalen Vertretung aus.

31.05.2019