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Teltow-Fläming „Rolls Royce löst Mercedes ab“
Lokales Teltow-Fläming „Rolls Royce löst Mercedes ab“
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20:03 10.02.2014
Mercedes-Mitarbeiter setzen im September im Transporter-Werk Ludwigsfelde eine der letzten Vario-Karrossen auf ein Fahrwerk. Quelle: Gabbert

Sicher ist die kursierende Schlagzeile „Der Lack ist ab“ für die Industrie im Norden des Kreises Teltow-Fläming unangemessen. Doch dass es bei Mercedes und MTU in Ludwigsfelde Auftragsrückgänge gab, ist kein Geheimnis, beim Nachbarn Gestamp (ehemals Thyssen-Umformtechnik ) im Industriepark war die Situation ohnehin nicht einfach. Wie sehen Sie die Situation?

Beschäftigungsrückgang verzeichnen wir bei Mercedes und MTU. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Eine existenzielle Gefahr sehe ich für beide Betriebe aus heutiger Sicht jedoch nicht.

Hermann von Schuckmann Quelle: Jutta Abromeit

Geht es noch etwas konkreter?
Grundsätzlich sieht es so aus, dass die hiesigen Betriebe von ihren Konzernzentralen in München und Stuttgart stiefmütterlich behandelt werden. Die machen nicht genug, um die Ludwigsfelder Betriebe mit Arbeit zu versorgen. Dass es Auftragslöcher wie bei MTU gibt, ist keine Katastrophe. Aber es gibt wirkungsvolle Instrumente, solche Lücken zu überbrücken.

Zum Beispiel?
An erster Stelle steht da die Kurzarbeit. Das geht, wenn man will. Das haben mit der Kurbelwelle und der Schmiede in Wildau zwei industrielle Schwergewichte der Region bewiesen. Sie konnten damit über vier Jahre ihren Personalbestand halten. Schließlich sind die Betriebe auf die Kenntnisse ihrer Facharbeiter angewiesen.

Könnten das MTU und Mercedes auch machen?
Die Lage dieser Unternehmen muss man differenziert sehen. Die Unternehmenspolitik von MTU scheint mir zu kurzatmig zu sein. Der Flugzeugmarkt wächst– da müsste zumindest mittelfristig für den Standort Ludwigsfelde Arbeit zu beschaffen sein. Ich habe Zweifel, dass das Management diese Möglichkeiten ausreichend geprüft hat. Seit der Finanzkrise ist die Arbeitsagentur bei Kurzarbeit ziemlich großzügig. Nirgendwo in Europa kam man mit so wenigen Entlassungen durch die Krise wie hier.

Warum fordert der Betriebsrat von MTU nicht eine solche Lösung?
Die Betriebsparteien verhandeln noch. Ich hoffe, dass diese Möglichkeiten sehr ernsthaft geprüft werden.

Und wie sehen Sie die Situation bei Mercedes?
Der steile Anstieg der Beschäftigtenzahl seit 2005 war ja schon 2009 abrupt beendet worden, als man die dritte Schicht beim Sprinter abgeschafft hat. Im September, als die Vario-Produktion auslief, gab es einen erneuten Einschnitt. Insgesamt haben wir dort in vier Jahren ein Drittel der Belegschaft verloren. Zum Jahreswechsel sank jetzt die Zahl der Beschäftigten bei Mercedes unter 2000.

Damit dürfte Mercedes den Titel größter Arbeitgeber der Region los sein, oder?
Richtig, Rolls Royce löst Mercedes ab. Rolls Royce hat in Dahlewitz inzwischen deutlich mehr als 2000 Mitarbeiter. Damit ist die Firma das große aufstrebende Unternehmen der Region. Es ist ein High-Tech-Betrieb mit einem riesigen Ingenieur-Anteil. Davon könnten wir mehr gebrauchen.

Und wie sehen Sie die Zukunft von Mercedes?
Mit dem Auslaufen der Produktion des VW Crafter im Jahr 2016 besteht die Gefahr eines weiteren Personaleinschnitts. Immerhin fällt dann jedes vierte Fahrzeug aus den Mercedes-Hallen in Ludwigsfelde weg. Bisher erklärt das Management, dass es diese Lücken mit verstärkter Sprinter-Fertigung schließen will. Dass dies im erforderlichen Umfang gelingt, erscheint mir zweifelhaft.

Was wäre Ihre Lösung?
Um den Standort dauerhaft mit Leben zu erfüllen, muss unbedingt ein neues Produkt her.
Trotz aller Probleme ist die Arbeitslosigkeit in der Region Ludwigsfelde derzeit offenbar mit weniger als vier Prozent immer noch relativ niedrig.
von Schuckmann: Woher diese Zahl kommt, weiß ich nicht. Ich habe sie auch gehört, kenne aber niemanden, der das belegen kann. Nach meiner Kenntnis sind die Arbeitslosenzahlen nach Arbeitsamtsbezirken aufgeschlüsselt, und nicht auf die kommunale Ebene runtergebrochen.

Wie schätzen Sie die Situation in den kleineren Metall-Betrieben der Region ein?
Da gibt es positive Beispiele wie Jordahl in Trebbin. Dort werden Befestigungselemente für Fassaden hergestellt. Die Firma hat knapp 100Mitarbeiter und will ihre Produktion erweitern. Dort haben wir übrigens Tarifverhandlungen aufgenommen, damit korrekt nach Metall-Tarif bezahlt wird. Wir sind optimistisch, zum Erfolg zu kommen. Außerdem will der Großkessel-Hersteller Vissmann in Mittenwalde mit seinen derzeit 300Mitarbeitern wachsen. Und auch dort nehmen wir Verhandlungen auf, um zum Metall-Tarif zurückzukehren. Vissmann war vor zehn Jahren aus der Tarifbindung ausgeschert.

Und wie steht es um die Holzbetriebe in Baruth, die ja auch zum Gewerkschaftsbereich IG Metall gehören?
Auch die haben ihre Krise offenbar überwunden. Von Klenk heißt es, dass das Werk knapp am Rande der Insolvenz stand. Klenk ist kürzlich an eine Investmentgruppe verkauft worden und hat Investitionen angekündigt; die Beschäftigtenzahl ist konstant.

Wie sieht’s bei Pfleiderer und Classen aus?
Pfleiderer ist ebenfalls auf gutem Wege. Da stand der ganze Konzern auf wackligen Füßen, er hat sich aber wieder stabilisiert. Sowohl Pfleiderer als auch Classen haben gute Auftragslagen. Sorgenkind aus Gewerkschaftssicht sind Classenund Fiberboard dennoch. Die Belegschaft war im vergangenen Jahr zwar stark gewachsen (von 500 auf 570 Beschäftigte, d. Red.), doch es gibt dort noch immer keinen Betriebsrat. Deshalb fehlen der Belegschaft elementare Mitbestimmungsrechte, der Arbeitgeber spielt da eine ganz unrühmliche Rolle. Derzeit unternehmen wir gerade wieder einen Anlauf, um die Belegschaft zur Wahl eines Betriebsrates zu ermutigen.

Dass Sie als Gewerkschafter auf solche Dinge aufmerksam machen, weil zurzeit Betriebsratswahlen sind, ist verständlich. Wie fällt Ihr Gesamturteil zur Metallbranche in der Region aus?
Von der Beschäftigungsseite her ist es für die Ludwigsfelder Großbetriebe im Moment schwierig. Doch die Stadt bleibt trotzdem das industrielle Zentrum der Region. Auch wenn Betriebe Personal abbauen, heißt das ja nicht, dass die wirtschaftliche Lage schlecht ist. Hier und im weiteren Umfeld gibt es viele aufstrebende Betriebe. Und natürlich ist die Region im Brandenburg-Vergleich überdurchschnittlich industrialisiert und hat eine beachtliche Wirtschaftskraft.

Interview: Jutta Abromeit

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