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Teltow-Fläming Tierheime schlagen Alarm: Immer mehr Tiere werden zurückgegeben
Lokales Teltow-Fläming

Rückgabe der "Corona-Tiere": Im Zossener Tierheim häufen sich die Anfragen

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19:29 12.07.2021
Michaela Gebhardt, die stellvertretende Leiterin des Zossener Tierheims, mit Hund Cooper. Er wurde offenbar ausgesetzt.
Michaela Gebhardt, die stellvertretende Leiterin des Zossener Tierheims, mit Hund Cooper. Er wurde offenbar ausgesetzt. Quelle: Johanna Apel
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Zossen/Ludwigsfelde

Cooper hatte keinen leichten Start: Völlig entkräftet kam er im Zossener Tierheim an, offenbar hatten ihn seine Besitzer in einem Waldstück ausgesetzt. Womöglich war ihnen die Pflege des kranken Hundes zu viel geworden. Und das Aussetzen war der einfachste Weg.

Wenige Monate später ist dem Rüden davon nichts mehr anzumerken. In seinem neuen Zuhause, dem Zossener Tierheim, tollt er um Michaela Gebhardt herum, genießt die Streicheleinheiten der stellvertretenden Tierheimleiterin, buddelt im Sand und steckt seine Pfoten neugierig ins kleine Planschbecken. Es habe schon einige Interessenten für Cooper gegeben, sagt Gebhardt. Aber bisher konnte er nicht vermittelt werden.

Etliche Anfragen im Zossener Tierheim

Wie Cooper geht es auch anderen Tieren im Zossener Tierheim Sieben Hunde, 40 Katzen, 17 Kaninchen, 2 Mäuse und ein Vogel warten derzeit auf ein neues Zuhause. Und es könnten noch deutlich mehr sein.

Diese kleine Kätzchen sucht noch ein neues Zuhause: Doch die Anschaffung eines Haustieres sollte gut überlegt sein. Quelle: Johanna Apel

„Was derzeit an Anfragen kommt, kann kein Tierheim mehr leisten“, sagt Gebhardt. Und mit Anfragen meint sie nicht etwa das Interesse an einem neuen Tier. Vielmehr kämen immer wieder Anfragen, ob man denn seinen Hund oder seine Katze im Tierheim abgeben könne. Allerdings: Das Zossener Tierheim nimmt gar nicht direkt die Tiere entgegen. Als „Vertragstierheim“ kümmert es sich vielmehr um Tiere, die von Kommunen wie Potsdam gefunden oder beschlagnahmt werden. Aber: Kommen Anrufe von Privatpersonen, hilft es bei der Vermittlung. „Wir bieten dann an, Steckbriefe zu machen“, sagt Gebhardt.

Corona-Krise führte zu Haustier-Boom

Kurzarbeit, Homeoffice, weniger menschliche Kontakte: Die Corona-Krise hat zu einem regelrechten Haustier-Boom geführt. Auch in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald berichteten Tierheime von einem enormen Anstieg an Anfragen. Mit der Freude über das gesteigerte Interesse kam allerdings auch die Skepsis: Was, wenn sich die Situation entspannt – und die erste Freude über das neue Tier abnimmt?

Natürlich habe es liebevolle Neubesitzer gegeben, sagt Gebhardt. Für einige habe sich auch dauerhaft die Lebenssituation geändert: Arbeitgeber zeigen größere Flexibilität beim Homeoffice, das neue Haustier ist zu einem treuen Begleiter geworden. Allerdings: Die Anfragen zur Rückgabe der sogenannten „Corona-Tiere“ häufen sich, immer mehr Menschen scheinen die Anschaffung eines Haustiers zu bereuen. Michaela Gebhardt beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: „Wir befürchten noch Schlimmeres“, sagt sie mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate.

Tierheime schlagen Alarm

Das Zossener Tierheim ist mit der Beobachtung nicht alleine: In ganz Deutschland berichten Tierheime von einer Rückgabe-Welle an Haustieren, Tierschützer schlagen Alarm. Berliner Tierheime sind mittlerweile voll von Tieren, die in Corona-Zeiten angeschafft wurden – und nun doch wieder ein neues Zuhause suchen.

Lesen Sie auch: Wie die Folgen der Corona-Pandemie Haustiere, Besitzer und Tierschützer im Hohen Fläming ans Limit bringen

„Erst sind die Leute Sturm gelaufen, um ein Tier zu haben und jetzt wollen sie es loswerden“, sagt auch Ursula Bauer, die Vorsitzende des Trägervereins „Aktion Tier Zossen“. Sie ist mit anderen Tierheimen vernetzt und hat ebenfalls von der Entwicklung mitbekommen. „Wir kennen das natürlich und hören das von überall“. Oftmals seien es Hunde und Katzen, die nun abgegeben würden.

Kuriose Anfragen im Zossener Tierheim

Ihre Vermutung: Wer nun aus dem Homeoffice zurück zum Arbeitsplatz kehrt, hat womöglich nicht mehr die nötige Zeit für die Tiere – oder merkt jetzt, wie anspruchsvoll sie sein können. Schließlich handelt es sich bei der Neuanschaffung um Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Teilweise, sagt Ursula Bauer, gebe es sogar ganz kuriose Anfragen: So würden derzeit vermehrt Menschen versuchen, ihre Hühner wieder loszuwerden. In Corona-Zeiten, so Bauer, seien die wohl eine Art „Mode-Erscheinung“ gewesen. Doch auch Hühner haben Ansprüche, die erfüllt werden müssen.

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Auch in Ludwigsfelde hat Josef Jagoschitz von dem Phänomen mitbekommen. Er betreibt „Josef’s Tierpension“, die ebenfalls ein paar Plätze für Notfälle bereithält. „Bisher sind wir glimpflich davongekommen“, sagt Jagoschitz. Zu Beginn der Corona-Pandemie habe auch er „laufend Anrufe“ bekommen, ob nicht ein Tier vermittelt werden könne – die Entwicklung zu einer Rückgabe der in Krisenzeiten angeschafften Tiere sei bei ihm in Ludwigsfelde allerdings noch nicht angekommen. „Gott sei Dank“, sagt Jagoschitz. „Ich hoffe, dass das so bleibt“. Gut zu tun hat er dennoch: Die Tierpension ist jetzt zu Ferienzeiten voll ausgebucht.

Von Johanna Apel