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Teltow-Fläming Saalwahl verspricht ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Lokales Teltow-Fläming Saalwahl verspricht ein Kopf-an-Kopf-Rennen
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18:20 15.09.2017
Politischer Schlagabtausch. Von links: Ekkehard Freytag (stellvertretener MAZ-Redaktionsleiter), Stefan Noack (SPD), Monika Nestler (Linke), Stefan Scheddin (Einzelbewerber) und Lothar Mahrla (MAZ-Redaktionsleiter). Quelle: Margrit Hahn
Hennickendorf

Die Aufregung war den drei Bürgermeisterkandidaten von Nuthe-Urstromtal am Donnerstagabend deutlich anzumerken. War es doch ihr erstes und einziges Aufeinandertreffen während dieses Wahlkampfs. Die MAZ hatte zum Bürgermeister-Wahlforum in Kuckuk’s Scheune nach Hennickendorf eingeladen. Knapp 150 Besucher kamen, entweder um ihrem Wunschkandidaten den Rücken zu stärken, oder um sich als noch Unentschlossener ein Bild von den Bewerbern zu machen.

Etwa 130 Besucher kamen in Kuckuk’s Scheune, um das MAZ-Wahlformu zu verfolgen. Quelle: Margrit Hahn

So etwas kann wahlentscheidend sein. Das wussten auch Monika Nestler (Linke), Stefan Noack (SPD) und der Einzelkandidat Stefan Scheddin. Doch wie sollten sie sich auf das Wahlforum vorbereiten? Keine Frage wurde vorher mit ihnen abgestimmt. Und die Regeln teilten ihnen die beiden Moderatoren, MAZ-Redaktionsleiter Lothar Mahrla und sein Stellvertreter Ekkehard Freytag, immer erst vor jeder neuen Fragerunde mit.

Die Reihenfolge des Einmarsches wurde vorher ausgelost. So betrat als erster Stefan Noack den Saal, gefolgt von Stefan Scheddin und schließlich der Amtsinhaberin Monika Nestler.

Lieblingsdorf, Lieblingsgetränk, Lieblingsheld

In dieser Reihenfolge kamen dann auch die Antworten, welches das schönste der 23 Dörfer sei: Dümde, Ahrensdorf, Woltersdorf; wo man am liebsten wohnen würde: Dümde, Woltersdorf, Hennickendorf; welches das Lieblingsgetränk sei: Kräutertee, kalte Cola, stilles Wasser (Gelächter); oder ob man an Gott glaube: ja, ja, nein. Die Kleidung kaufen alle meistens im Internet, und bei dem Lieblingshelden in der Geschichte benannte der Sozialdemokrat Noack ausgerechnet den Sozialistenhasser Otto von Bismarck, während die Linke Nestler sich deutlich klassenbewusster für Ernst Thälmann entschied. Nur dem parteilosen Scheddin fiel dazu nichts ein, wie er auch bei einigen anderen Fragen freimütig zugab, dass er darauf keine Antwort habe.

Wie verlaufen die Gemeindegrenzen?

Bei der Aufgabe, die Umrisse der Gemeinde Nuthe-Urstromtal zu zeichnen, lag Scheddin völlig daneben, bei Noack wurden die Umrisse schon deutlicher, Nestler zeichnete sie am genauesten.

Ziemlich daneben: Die Landkarte von Nuthe-Urstromtal nach Stefan Scheddin. Darunter das von ihm erwartete Wahlergebnis. Quelle: Margrit Hahn
Schon besser: Die Umrisse der Gemeinde Nuthe-Urstromtal nach Stefan Noack samt erhofftem Wahlergebnis. Quelle: Margrit Hahn
Fast perfekt: Die Gemeindegrenzen nach Monika Nestler und das von ihr erwartete Wahlergebnis. Quelle: Margrit Hahn

In anderen Fällen bevorzugte der Einzelkandidat und Unternehmer Stefan Scheddin kurze und prägnante Antworten, die zumeist auf einfache Problemlösungen abzielten. Seine beiden Gegenkandidaten Monika Nestler und Stefan Noack wiesen auf Grundlage ihrer Erfahrungen als gelernte Verwaltungsfachleute darauf hin, dass es wegen gesetzlicher Bestimmungen oft so einfach nicht gehe wie gedacht.

Mehr Bauland statt Naturschutzflächen

Immerhin war man sich einig, dass mehr Bauland benötigt werde, um die Einwohnerzahl zu erhöhen. Weitere Natur- und Landschaftsschutzgebiete lehnten alle drei kategorisch ab, zumal schon 80 Prozent der Gemeindefläche solchen Planungsbeschränkungen unterlägen. Auch widersprachen alle drei den Absichten einer Gemeindefusion. Und wenn es dennoch dazu kommen sollte, weil Nuthe-Urstromtal mit seinen 7000 Einwohnern die geforderte 10 000-er Marke nicht erreicht? In diesem Fall will Stefan Scheddin aus Ahrensdorf, dass dann die Ortsteile darüber entscheiden, wo sie angeschlossen werden.

Kandidaten auf dem „heißen Stuhl“

Richtig spannend wurde es, als die Kandidaten auf den „heißen Stuhl“ gebeten wurden.

Stefan Noack (SPD): Lieber in Luckenwalde arbeiten und in der Gemeindevertretung von Nuthe-Urstromtal Politik machen. Quelle: Margrit Hahn

Dort musste Stefan Noack begründen, warum er nach seiner Ausbildung in der Gemeindeverwaltung in Ruhlsdorf in die Stadtverwaltung Luckenwalde gewechselt ist. Weil er sich als Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung nicht gleichzeitig in der Gemeindevertretung für die Belange Nuthe-Urstromtals einsetzen könne“, sagte der Kandidat aus Dümde.

Stefan Scheddin (Einzelbewerber): Der Betrieb geht im Falle seiner Wahl in andere Hände. Quelle: Margrit Hahn

Stefan Scheddin versicherte, dass er seinen Dachdeckerbetrieb im Falle seiner Wahl zum Bürgermeister in andere Hände geben werde und nicht bloß kandidiere, um einen Job im öffentlichen Dienst zu ergattern.

Monika Nestler (Linke): Noch einmal eine volle Amtszeit, um das Begonnen zu vollenden. Quelle: Margrit Hahn

Die seit acht Jahren als Bürgermeisterin und seit 39 Jahren in der Kommunalpolitik aktive Monika Nestler aus Hennickendorf betonte, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch einmal eine volle Amtszeit durchhalten wolle, um die Dinge zu Ende zu führen, die sie angefangen habe.

Die Wähler stellen Fragen

Nach der Pause konnten die Wähler ihre Fragen stellen. So wollte man wissen, wie es mit der Schulsanierung weitergeht. Die Innenarbeiten seien vollendet, so Nestler, für die Außensanierung erwäge sie eine Kreditaufnahme, sofern die Gemeindevertretung dem zustimme. „Wenn’s sein muss“, so Noack, würde er dem zustimmen.

Waldemar Jendrusch, Ortsvorsteher von Zülichendorf: „Was wird aus den Schulhöfen und wie wird das finanziert?“ Quelle: Margrit Hahn

Warum die beiden Herren denn kandidierten, wollte ein Herr aus dem Publikum wissen, wo sie doch beide als Gemeindevertreter alle Beschlüsse mitgetragen hätten. „Das habe ich nicht“, sagte Scheddin als parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion. „Ich auch nicht“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Noack, „aber wenn die Argumente stichhaltig waren, dann schon.“

Uwe Sowade aus Liebätz: „Es gibt zu wenig Kitaplätze und zu viele Spargelfelder.“ Quelle: Margrit Hahn

Zu wenige Kitaplätze und zu viele Spargelfelder monierte ein anderer Zuhörer. Bürgermeisterin Nestler verwies auf 100 neu geschaffene Kitaplätze in den vergangenen acht Jahren. Und das einzige, was auf den kargen Böden ohne viel Aufwand wachse, sei eben Spargel.

Siegfried Kärger aus Dobbrikow: „Wie viel Macht haben Sie als Bürgermeister überhaupt noch?“ Quelle: Margrit Hahn

An vielen Punkten wurde deutlich, wie sehr einem Bürgermeister gesetzlich die Hände gebunden sind und wie wenig Einfluss er oder sie auf Landes- geschweige denn auf Bundesebene hat. Da wird man beispielsweise nicht mal über Straßenbaumaßnahmen in Kenntnis gesetzt, oder kann selber nichts eigenmächtig zur Verkehrsberuhigung von Motorradraserstrecken unternehmen, oder gar notwendige Radwege durchsetzen.

Am Ende erhielten alle Kandidaten anerkennenden Applaus trotz ihrer Nervosität. Und die nicht-repräsentative Saalwahl (siehe unten) ging fast paritätisch aus, was ein Kopf-an-Kopf-Rennen verspricht.

Von Hartmut F. Reck

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