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Teltow-Fläming Schülerlotsen sind kaum gefragt
Lokales Teltow-Fläming Schülerlotsen sind kaum gefragt
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05:22 09.09.2014

Halt! Die Verkehrskelle zwingt Autos zum Stopp. Kinder und Erwachsene können so sicher auf die gegenüberliegende Straßenseite laufen. Sobald alle drüben sind, gibt’s ein Zeichen an die Autofahrer: freie Fahrt! Vor der Grundschule Schulzendorf wird diese Verkehrsregelung seit Jahren erfolgreich durchgeführt. Nicht von Polizisten oder Verkehrswacht, sondern von den Grundschülern selbst.

Die Ausbildung zum Schülerlotsen

Polizei und Verkehrswacht bilden in enger Zusammenarbeit mit Schulen Verkehrshelfer aus. Die Initiative muss aber von der Schule kommen. In diesem Jahr wurden in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald etwa 40 Kinder ausgebildet.

Interessierte Kinder melden sich freiwillig. Die Schule muss sichergehen, dass sie soziale Kompetenzen mitbringen, um die Aufgabe zu meistern. Die Eltern müssen zustimmen.

Mindestens elf Jahre alt sollten die Kinder sein. Das ist nur in Berlin und Brandenburg so. In anderen Bundesländern liegt das Mindestalter bei 13Jahren.

Bei der Ausbildung lernen die Kinder die Bedeutung von Verkehrszeichen, wie man sich im Straßenverkehr verhält und erste Versorgungsmaßnahmen. Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung.

Schülerlotsen-Anwärter werden für die Ausbildung von der Schule befreit. Der verpasste Lernstoff wird nachgeholt.

Zur eigenen Sicherheit dürfen Verkehrshelfer nur mit Mütze und Schutzweste in auffallenden Farben an der Straße stehen. Um auf sich aufmerksam zu machen, nutzen sie eine Verkehrskelle. Verkehrsschilder weisen Autofahrer auf die Schülerlotsen hin.

Laura Lutz, Christian Bruder und Florian Hahn sind mit ihren neongelben Kappen und Westen schon von Weitem zu sehen. Die Sechstklässler sind Schülerlotsen. Oder Verkehrshelfer, wie auf ihren Westen steht. 20 Kinder haben im vergangenen Schuljahr die Prüfung zum Schülerlotsen bestanden. Nun regeln sie in wechselnden Zweier- und Dreiergruppen den Menschen- und Verkehrsstrom.

Nur noch drei Schulen bilden Schülerlotsen aus

Seit 1953 gibt es deutschlandweit Verkehrshelfer. Ihr Ziel ist es, den Schulweg so sicher wie möglich zu gestalten. Besonders Erstklässler profitieren vom Dienst der Verkehrshelfer. Doch in der Region Dahmeland-Fläming ist dieser nicht verbreitet. Gerade einmal drei Schulen bilden Schülerlotsen aus – in Dahme-Spreewald ist es die Grundschule in Schulzendorf, in Teltow-Fläming sind es die Ingeborg-Feustel-Grundschule und die GrundschuleHerbert Tschäpe“ in Blankenfelde-Mahlow; die dortige Evangelische Grundschule überlegt derzeit noch, ob es künftig bei ihr Schülerlotsen geben soll.

Lotsen "machen Eindruck bei den Autofahrern"

Davon, dass Schülerlotsen vielleicht aus der Mode geraten sind, möchte Frank Kuhnert nichts wissen. Er ist seit Juli Vorsitzender der Verkehrswacht in Dahme-Spreewald. Früher war er selbst Schülerlotse und ist von der Aufgabe überzeugt. Der Polizeibeamte möchte die Verkehrssicherheit im Landkreis weiter ausbauen und plant, an einer Grundschule in Luckau einen Lotsendienst zu bilden. „Wir haben gute Erfahrungen in Schulzendorf gesammelt“, sagt er. Denn unterschätzen sollte man die Arbeit der Grundschüler nicht. „Das macht Eindruck bei Autofahrern“, sagt Kuhnert. Die rote Karte von Kindern gezeigt zu bekommen, führt Erwachsene vielleicht deutlicher die eigenen Fehler vor Augen. Denn oft genug halten sie sich gerade vor Schulen nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen oder parken dort, wo es eigentlich nicht erlaubt ist.

Zebrastreifen machen Schülerlotsen überflüssig

Weshalb so wenige Schulen diese Ausbildung einfordern, dafür hat Torsten Wendt, Pressesprecher der Polizeidirektion Süd, eine Erklärung: „Manchmal ist es einfach verkehrstechnisch nicht möglich. Wir können keine Kinder an einer stark befahrenen zweispurigen Straße aufstellen.“ Andernorts seien Schülerlotsen schlicht nicht erforderlich; wenn zum Beispiel Zebrastreifen existieren oder es nur eine wenig befahrene Straße in Schulnähe gibt. Ohne Engagement von Seiten der Schulen gehe es nicht. Dabei sei es bei den Kindern durchweg beliebt, sich zum Lotsen ausbilden zu lassen.

Ältere dürfen Autofahrer auf Parkplätzen einweisen

Ein Problem gibt es: Meist lernen die Grundschüler in der fünften Klasse, wie sie sich als Verkehrshelfer zu verhalten haben. Nach nur einem Jahr verlieren die Schulen ihre Lotsen, wenn diese in die siebte Klasse wechseln. Doch auch nach der Grundschule haben Verkehrshelfer die Möglichkeit, aktiv zu werden. „Wir fragen ausgebildete Schülerlotsen immer, ob sie Verkehrskadetten werden möchten“, sagt Olaf Lehnhardt, Leiter des Sachgebietes Prävention in Teltow-Fläming. Bei größeren Veranstaltungen dürfen sie beispielsweise Autofahrer auf Parkplätzen einweisen.

"Verantwortungsbewusstsein steigt"

Frank Freese, Leiter der Grundschule Schulzendorf, lobt das Projekt: „Das ist eine super Sache. Das Verantwortungsbewusstsein steigt, die Kinder achten mehr aufeinander.“ Die Verkehrssituation vor der Grundschule habe sich in den vergangenen Jahren spürbar entspannt. Ob das ausschließlich mit den Schülerlotsen zu tun habe oder eher mit den Polizisten oder Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die öfter mal vorbeischauten, will er nicht beurteilen. Gerade in den ersten drei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres wird nach dem Rechten geschaut, erzählt Hauptmeister Burkhard Schulz von der Revierpolizei Schulzendorf. „Wir sind schon stolz drauf, dass wir das hier machen“, sagt er. Und während er sich um einen Falschparker kümmern muss, erledigen die drei Schülerlotsen aus der sechsten Klasse mit gewissenhaftem Ernst ihren Dienst.

Man darf kein Morgenmuffel sein

Mit ausgebreiteten Armen halten die beiden Jungs Fußgänger davon ab, die Straße zu überqueren und Laura beobachtet alles genau. Immerhin hat der Schulbus Vorrang und darf vorbeibrausen. Erst danach geben sie die Straße frei und sichern sie mit Blick auf die Autofahrer ab. Ein Morgenmuffel darf man für diese Aufgabe nicht sein. Schon 7.30 Uhr stehen die Helfer an der Straße. „Ich stehe generell früh auf“, sagt Christian Bruder und zuckt mit den Schultern. Der Zwölfjährige nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Für ihn besteht kein Zweifel, dass Schülerlotsen gebraucht werden. „Das ist eine gut befahrene Straße“, begründet Christian sein Engagement. Und er ergänzt: „Wir wollen, dass die Kinder sicher über die Straße kommen.“

Von Aileen Hohnstein

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