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Teltow-Fläming 147 Paar Schuhe zum Geburtstag
Lokales Teltow-Fläming 147 Paar Schuhe zum Geburtstag
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10:57 30.07.2014
Die Schuhe aus dem Leben von Josef Schmitt auf der Terrasse des Hauses. Quelle: Margrit Hahn
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Kliestow

147 Paar Schuhe stehen auf der Terrasse von Familie Schmitt in Kliestow. Sie stammen alle von Josef Schmitt, der am Dienstag seinen 18. Geburtstag feierte. Als ihr Sohn am 29. Juli 1996 in Ludwigsfelde das Licht der Welt erblickte, stand für Mutter Carmen fest, alles aufzuheben, was mit ihrem Sprössling in Zusammenhang steht. Selbst die 29 Rosen, die Ehemann Christian ihr zur Geburt des Sohnes ins Krankenhaus brachte, wurden getrocknet und aufbewahrt. Ebenso wie das Bändchen mit dem Namen, dass den Babys in der Klinik umgebunden wird. Allerdings ist durch die Jahre vom Namen nichts mehr zu erkennen.

Zur Volljährigkeit erhielt Josef Schmitt am Dienstag von seiner Mutter Carmen all seine Schuhe – vom ersten bis zum (vorerst) letzten Paar. Quelle: Hahn

Goldener Milchzahn hängt als Talisman am Hals

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"Mich hat schon damals interessiert, wie viele Schuhe ein Kind wohl trägt, bis es erwachsen ist", sagt Carmen Schmitt. Und so entschied sie sich, alle Schuhe vom Sohnemann aufzuheben, um sie ihm zum 18. Geburtstag vor die Haustür zu stellen. Als sich im Laufe der Jahre immer mehr Treter auf dem Dachboden ansammelten, wollten die Mutter schon fast aufhören. Ihr Mann war es, der sie ermutigte, weiterzumachen. Schließlich hatte sie all die Jahre darauf geachtet, dass jedes ausrangierte Paar zu den anderen gelangt. Die Schuhe waren die eine Sache, Haare und Milchzähne die andere. Den ersten Milchzahn ließ Carmen Schmitt in Gold einfassen, den sie an einer Kette als Talisman am Hals trägt. Oft wurde die Erzieherin schon gefragt, ob es sich tatsächlich um einen Zahn handelt – inzwischen gibt es etliche Nachahmer.

Juniors gesammelte Milchzähne. Auch das Geburts-Bändchen schlummert noch in einer Schatzkiste voller Erinnerungen. Quelle: Hahn

Ein Glas voll mit Haaren

Neben den Schuhen von den Eltern gab es für Josef Schmitt noch ein weiteres Geburtstagsgeschenk aus der Vergangenheit. Jahrelang schnitt Carmen Schmitt ihrem Sohn die Haare. Als Oma Gerlinde bat, dem Jungen die Haare doch nicht so kurz zu schneiden, sammelte Carmen Schmitt die dunkelblonden Strähnen über ein Jahr lang, steckte sie in ein Glas und zu Weihnachten bekam Oma dann Glas und Inhalt geschenkt. Und wie es sich gehört, bewahrte sie Glas und Inhalt gut auf – bis zum gestrigen Geburtstag ihres Enkels.

Josefs Haare mussten beim Friseur immer mit. Die Großmutter hat das Gefäß in Ehren gehalten. Quelle: Hahn

Josef Schmitt findet es lustig, dass seine Familie all die Dinge aufgehoben hat. Die Schuhparade wurde von den Gästen am meisten bestaunt. Vor allem Turnschuhe, aber auch Hausschuhe und jene, die er zur Erstkommunion und zur Firmung getragen hat, gehören dazu. "Einige ziemlich schwere Treter dabei sind. Deshalb kann ich nur an die Mütter appellieren, darauf zu achten, dass die Kinder leichtes Schuhwerk tragen", sagt Carmen Schmitt.

Von Schuhgröße 20 auf 46 und bald auch noch flügge

Ihr Sohn blickt auf eine schöne Kindheit zurück. Seine Eltern haben ihm alles mit auf den Weg gegeben, was er fürs Leben braucht – vor allem viel Liebe und Verständnis. Der 18-Jährige hat gerade erst sein Abitur gemacht und hofft, dass es nun mit dem Studium klappt. Am liebsten Geschichte, Religion oder Politik. Carmen Schmitt hat kein Problem damit, dass ihr Sohn flügge wird und bald das Haus verlässt. Aus dem Würmchen, das einst 52 Zentimeter klein war, ist ein stattlicher junger Mann mit 1,94 Meter geworden. Und auch die Schuhgröße hat sich verändert. Die kleinsten Schuhe in der Sammlung sind Größe 20, jetzt trägt er die 46. Ursprünglich sollten die getragenen Exemplare für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt werden, doch die Jahre auf dem Dachboden hinterließen Spuren, sodass sie entsorgt werden.

Vorher hatte aber Golden Retriever Nando noch seinen Spaß damit. In den vergangenen Jahren verbrachte Josef Schmitt zu Ferienbeginn jeweils eine Woche im Kloster Alexanderdorf – ohne Handy und Fernseher. "Das war eine gute Gelegenheit, um den Schulstress hinter sich zu lassen", so der 18-Jährige, der vor zwei Jahren von Kardinal Wölki die Firmung erhielt. In diesem Jahr hat er darauf verzichtet. Am Dienstag feierte er seinen Geburtstag mit Freunden in der Grillhütte des Naturparks in Glau. Mit der Familie wurde bereits reingefeiert.

Von Margrit Hahn

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