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Teltow-Fläming „Schweigen ist kein echter Frieden“
Lokales Teltow-Fläming „Schweigen ist kein echter Frieden“
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11:47 10.01.2014
Saß sieben Monate im Stasi-Gefängnis: Gilbert Furian (hier mit Ehefrau Katharina) Quelle: Margrit Hahn

 In einer aktuellen MAZ-Umfrage sprechen sich zwei Drittel der Befragten für eine weitere Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen aus. Wie stehen Sie als Betroffener zu dieser Frage?
Gilbert Furian: Ich denke auch, da sollte nicht der Deckel zugeklappt werden. Es gibt noch viel Unrecht aufzuarbeiten, zumal sich etliche Vertreter des SED-Regimes bis heute nicht zu ihrer Vergangenheit geäußert haben.

Nach den Recherchen von Detlef Dreke und Wilfried Flach zur MfS-Stelle in Luckenwalde hat der frühere Stasi-Zuträger Peter Hagen öffentlich bei seinen Opfern um Vergebung gebeten. Halten Sie diese Geste für glaubwürdig?
Furian: Ja, das tue ich. Natürlich steht jetzt der Verdacht im Raum, Hagen wolle sich aus der Schusslinie nehmen. Aber er hat seine Ankündigung in die Tat umgesetzt, und das ist doch das beste Zeichen dafür, dass er es ernst meint.

Ist Ihnen das auch schon passiert?
Furian: Mein früherer Vernehmer hat sich Anfang der 1990er-Jahre bei mir entschuldigt. Ein Oberrichter aus DDR-Zeiten sagte mir außerdem, dass er viele seiner Urteile entsetzlich bereue. Aber es gibt auch ein anderes Beispiel: Ein IM, der mehrere Berichte über mich geschrieben hatte. Er hat sich nicht entschuldigt, aber versucht, sich zu erklären. Er sei überzeugter Kommunist und außerdem in einer Zwangslage gewesen. Trotzdem haben wir heute noch ein vertrauensvolles Verhältnis.

Glauben Sie, dass Peter Hagens Beispiel Schule machen wird?
Furian: Nein, ich fürchte, es wird keinen Nachahmer-Effekt geben. Ich erinnere mich noch an die Recherchen in der Kommission zu Stasi-Mitarbeitern im Kreistag von Teltow-Fläming. Da mussten wir wirklich jeden einzelnen Fall mühsam anschieben. Bei den Tätern ist die Bereitschaft zur Aufarbeitung heute geringer als zu Beginn der 1990er-Jahre.

Umfrage

25 Jahre nach der Wende: Soll die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen fortgesetzt werden?

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Zerstört es nicht den Frieden in einem Ort, wenn heute wieder zwischen Tätern und Opfern unterschieden wird?
Furian: Die Aufarbeitung der Vergangenheit stellt den Frieden doch erst her. Das Schweigen darüber ist kein echter Frieden, sondern Friedhofsruhe. Es gibt überall Menschen, die unter dem Regime gelitten haben, und für die kann es wirklichen Frieden erst geben, wenn die alten Wunden noch einmal aufgerissen werden.

Kann man überhaupt jemandem vergeben, der seine Taten nicht bereut?
Furian: Nein, ich denke Vergebung und damit Versöhnung ist nur möglich, wenn ein Täter bei seinen Opfern darum bittet. Aber die große Mehrheit der Stasi-Offiziere ist bis heute der Überzeugung, damals das Richtige getan zu haben. Die glauben bis heute, einem großartigen historischen Projekt gedient zu haben – und dass deren Feinde unterdrückt werden mussten.

Was halten Sie von der laufenden Debatte um das Verbot von DDR-Symbolen?
Furian: Ich halte das für politisch verfehlt. Eine freiheitliche Gesellschaft sollte souverän genug sein, diese Symbole zu ertragen. Hammer und Sichel sind außerdem nicht mit dem Hakenkreuz zu vergleichen.

Interview: Martin Küper

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