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Teltow-Fläming Selbsttest nach Kritik am Schulessen
Lokales Teltow-Fläming Selbsttest nach Kritik am Schulessen
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00:17 03.04.2017
Von den hygienischen Verhältnissen und von der Qualität des Schulessens überzeugten sich Stadtverordnete und Vertreter der Stadtverwaltung vor Ort. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Solch einen Einwohner-Andrang, wie den zur Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend, wünschen sich Jüterbogs Abgeordnete öfters. Etwa 40 Eltern, deren Kinder eine der städtischen Grundschulen besuchen, nutzten die Einwohnerfragestunde zum Protest gegen eine Anordnung der Stadtverwaltung, wonach neben dem vertraglich gebundenen Caterer niemand das Recht habe, städtischen Kindereinrichtungen mit Essen zu beliefern. „Das Essen ist, milde gesagt, unter aller Kanone und die Menüs treffen nicht den Geschmack der Kinder, so dass mehr Essen in der Tonne landet, als in den Mägen der Kinder“, machte Lars Seidemann seinem Ärger Luft und forderte die sofortige Aufhebung des Verbots von Drittanbietern. Deren tägliche Lieferung eines Alternativgerichts, parallel zum offiziellen Schulessen, haben die Eltern selbst organisiert. Zwei Jüterboger Gaststätten liefern seit Wochen frei Haus. Erst vor Tagen hat die Stadtverwaltung davon erfahren.

Drittanbieter sind keine Lösung

Eine Stunde lang debattierten die Abgeordneten um die richtige Vorgehensweise, um einerseits den Elternforderungen nachzugehen, andererseits aber nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen. Das Problem durch Drittanbieter zu lösen, geht aufgrund geltender Hygienebestimmungen nicht, stellte Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Wasmansdorff klar und schilderte das aufwendige Kontrollprozedere dass jede Essenslieferung täglich durchläuft. „Kleinere Gaststätten können das nicht leisten, weshalb unzertifizierte Anbieter nach dem Betreuungsgesetz nicht zugelassen sind“, so Wasmansdorff.

Dass das Problem generell gelöst werden muss, waren sich Abgeordneten und Verwaltungsmitarbeiter einig. Spätestens zur nächsten turnusmäßigen Sitzung, eventuell sogar in einer Sondersitzung, will sich der Sozialausschuss eingehend mit dem Elternbegehren befassen und über die weitere Schritte nachdenken. Sollten sich die Vorwürfe als berechtigt erweisen, sei auch eine Lösung des Vertrages kein Tabu.

Spontane Entschluss zum Selbstversuch

Unverständnis zeigte Anke Stöckigt, zuständig für den Bereich Kita und Bildung, dass es bislang lediglich sechsmal, meist nur pauschal, Kritik am Essen gab. Der Caterer selbst sei jederzeit gesprächsbereit und habe Mängel, wie etwa zu große Klöße, schnell beseitigt.

Fünf Abgeordnete der Fraktion Für Jüterbog und der SPD, sowie Stadtkämmerer René Wolter testeten bereits einen Tag später spontan in beiden Schulen das Essen und hatten weder an der Qualität noch am Geschmack etwas auszusetzen. Auch die geforderte Warmhaltetemperatur lag mit 80 Grad Celsius deutlich über der Mindestforderung von 65 Grad. Die Gegenprobe beim Alternativessen schaffte es mit dem geeichten Temperaturfühler nur auf 35 Grad, was die Hygienebedenken erhärtet.

Ziehen an einem Strang wäre die beste Lösung

Überrascht von den Vorwürfen gegen sein Unternehmen zeigte sich Geschäftsführer Jens Willert vom Trebbbiner Willert-und-Clauert-Catering, das Brandenburgweit täglich 5000 Essen liefert und in Jüterbog seit Oktober alle städtischen Kitas, beide Grundschulen und die Wiesenoberschule versorgt. „Wenn Eltern Bedenken haben, wollen sie dasselbe wie wir: nämlich die bestmögliche Versorgung der Kinder. Dann sollten sie aber auch mit uns in Dialog treten. Unsere Bereitschaft zum konstruktiven Dialog ist riesengroß.“ Auf eine im Februar gestartete Befragung aller Eltern zur Zufriedenheit habe es lediglich vier Rückmeldungen gegeben.

Bereits seit Wochen geplant ist ein Ausflug der Schollschüler in die Großküche des Unternehmens, der am 12. April stattfinden soll. „Die Kinder sollen erleben, wie man heute gesund kocht und warum es nicht jeden Tag Bratwurst oder Nudeln geben kann“, sagte Willert.

Kommentar: Ausgestreckte Hand

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch beim Thema Schulessen könnte dieses Sprichwort, zumindest in Jüterbog, stimmen. Der massive Elternprotest, der die am Mittwochabend beinahe die Stadtverordnetenversammlung sprengte, könnte sich am Ende vielleicht sogar in Wohlgefallen auflösen. Dann nämlich, wenn die Eltern endlich die ausgetreckte Hand des von ihnen gescholtenen Caterers ergreifen und sich mit ihm an einen Tisch setzen. Der Selbstversuch der Parlamentarier verdient Respekt, weil er versucht, vermeintliche Probleme auf dem kürzesten Weg zu lösen. (Uwe Klemens)

Von Uwe Klemens

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