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Teltow-Fläming Senioren-Seminare für Sichertheit im Straßenverkehr
Lokales Teltow-Fläming Senioren-Seminare für Sichertheit im Straßenverkehr
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01:10 20.11.2014
Im Alter wird das Autofahren schwieriger. Außerdem haben sich im Laufe der Zeit die Verkehrsregeln verändert. Deshalb werden Auffrischungsseminare angeboten. Quelle: dpa

„Wer hat denn heute morgen den Verkehrsfunk gehört?“, fragt Holger Wartner in die Runde. Der Fahrschullehrer aus Kloster Zinna hatte im Radio gehört, dass ein Geisterfahrer zwischen Ruhlsdorf und Großbeeren unterwegs war. „Was sollte man tun, wenn man merkt, dass man auf der Autobahn entgegengesetzt der Fahrtrichtung unterwegs ist?“, will Holger Wartner von seinen Schülern wissen. Vor ihm sitzen keine Fahranfänger, sondern Senioren die ihre Führerscheine teilweise schon seit mehr als 50 oder 60 Jahren in der Tasche haben. Die Akademie 2. Lebenshälfte bietet Senioren zweimal im Jahr an, ihr Wissen aufzufrischen. Jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst gibt es Nachhilfe in Sachen „Mobil bleiben“. An vier Tagen befassen sie sich mit allen Fragen rund um die Themen Auto und Straßenverkehr. Und Holger Wartner sieht zu, immer aktuelle Geschehnisse mit einzubringen, wie den Geisterfahrer aus den Verkehrnachrichten.

Fahrschullehrer Holger Wartner (r.) mit seinen Schützlingen. Quelle: Hahn

Lieber Punkte in Flensburg als ein Menschenleben

„Ich würde warten, dass keine Fahrzeuge kommen und dann wenden“, sagt Manfred Hoffmann. „Oh Gott, mein Herz“, ist die Reaktion des Fahrschullehrers und schon wissen alle, dass man es so wohl nicht machen sollte. Aber wie dann? Die Vorschläge reichen von Weiterfahren bis zur nächsten Abfahrt, Aussteigen und das Auto stehen lassen bis hin zu Warnweste anziehen. Die Warnweste wird dann auch gleich das nächste Thema des Tages. Doch zuerst erklärt Wartner, was im Fall eines Geisterfahrers zu tun ist. „Sie stellen ihr Auto, so dicht es geht, an die Leitplanke, steigen aus und gehen sicherheitshalber hinter die Leitplanke und rufen die Polizei. Die Beamten sperren den Abschnitt und Sie können ungehindert wenden. Allein bekommen Sie das auf keinen Fall hin, wenn da ein Fahrzeug mit 200 km/h angerauscht kommt“, gibt der Fahrschullehrer zu bedenken. Edeltraud Bagenda verweist darauf, dass dann Punkte in Flensburg fällig werden. Lieber Punkte in Flensburg als ein Menschenleben, steht für Holger Wartner fest.

905 Unfälle mit Senioren in Dahme-Spreewald

Wie wichtig es ist, dass sich die Generation „65+“ fit hält, belegen die Unfallzahlen. Vom 1. Januar bis 31. Oktober 2014 haben Senioren im Landkreis Teltow Fläming 494 Unfälle verursacht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 422 Unfälle. Von den in diesem Jahr verursachten Unfällen waren 72 mit Verletzten (2013: 60). In beiden Jahren von Januar bis Oktober haben ältere Verkehrsteilnehmer im Landkreis Teltow Fläming keinen einzigen Unfall mit tödlichem Ausgang verursacht.

Im Landkreis Dahme-Spreewald ereigneten sich von Januar bis Oktober 2013 insgesamt 905 Unfälle, an denen Senioren beteiligt waren. Im selben Zeitraum dieses Jahres waren es 901. In beiden Jahren wurden jeweils vier Verkehrstote bei Unfällen mit Senioren registriert.

Zahlen und Fakten

Wie der Unfallstatistik für den Landkreis Dahme-Spreewald zu entnehmen ist, sind 65- bis 75-Jährige am häufigsten als Verursacher oder Opfer an Verkehrsunfällen beteiligt.
Im Jahr 2014 war der September der Monat, in dem sich die meisten Unfällen (105) unter Beteiligung von Senioren ereigneten. Im Vorjahr war es der Monat August (115).
Selbst gefährliche Wochentage lassen sich laut Statistik bestimmen. Der Donnerstag ist in Dahme-Spreewald sowohl in diesem Jahr als auch im vergangenen Jahr der kritischste Tag und von 9 bis 13 Uhr die kritischste Zeit, wobei 10 Uhr besonders gefährlich zu sein scheint.
Die häufigsten Unfälle ereigneten sich aufgrund von Fehlern beim Wenden, Rückwärtsfahren und dem Missachten des Sicherheitsabstands. Auch das Nichtbeachten der Vorfahrt spielte 2013 und 2014 war eine häufige Ursache. Dagegen spielen Alkohol- und Drogeneinfluss am Lenkrad bei Senioren kaum eine Rolle.

Teilnehmerin Edeltraud Bagenda fährt seit 55 Jahren unfallfrei. „Einmal musste ich zehn Euro bezahlen, weil ich vergessen hatte, die Parkuhr einzustellen“, sagt die Luckenwalderin. Ihre Fahranfänge unternahm sie mit dem Roller „Berlin“. Heute fährt sie Auto. Das Seminar für ältere Kraftfahrer gefällt ihr gut. Sie hat schon mehrmals daran teilgenommen und fühlt sich viel sicherer, wenn sie ihre Fragen vom Fachmann beantwortet bekommt.

Viele Verkehrsregeln haben sich geändert

Aber Holger Wartner vermittelt nicht nur theoretisches Wissen. Wer in der Praxis unsicher ist, mit dem unternimmt er auf Wunsch auch Fahrstunden. „Welche Erfahrungen haben Sie denn an der Ortsumfahrung an der Ampel in Kloster Zinna gemacht?“, fragt der Fahrlehrer. Die Verkehrsregelung an der neuen Umgehungsstraße war lange in der Kritik. Man ist sich einig, dass die Gelb-Phase jetzt etwas länger ist, was von den Senioren begrüßt wird. Kürzlich habe er Fahrradfahrer auf der neuen B101 angetroffen, fügt Wartner hinzu. Diese hatten auf der Autostraße nichts zu suchen. Lastwagen kamen ihnen gefährlich nahe.

Die meisten Unfälle geschehen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit, zu geringen Abstands und unzureichender Beleuchtung. Da können die Senioren aus eigener Erfahrung mitreden. Edeltraud Bagenda erlebt immer wieder, dass Autofahrer, wenn sie genügend Abstand hält, in die Lücke springen. Für Wartner die Gelegenheit nachzuforschen, wie man erkennt, dass genügend Abstand eingehalten wird. „Außerhalb geschlossen Ortschaften sollten es zwei Sekunden zum vorhergehenden Fahrzeug oder ein halber Tachostand sein.

„Ich kenne etliche in unserem Bekanntenkreis, da sind die Männer verstorben und die Frauen trauen sich alleine nicht mehr Auto zu fahren. Für all jene ist das eine gute Möglichkeit, wieder einzusteigen“, sagt der Luckenwalder Hans-Joachim Reuter. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren in Sachen Verkehrsregeln und Sicherheit verändert. Wer auf dem neuesten Stand sein will, muss sich schulen lassen.

Schulungen von Wohlfahrtsverbänden oder dem ADAC

Viele Wohlfahrtsverbände bieten Verkehrteilnehmerschulungen für Senioren an. Dazu laden sie entweder Fahrschullehrer oder die Polizei ein. „Wir stellen auf Wunsch auch ein Programm zusammen“, erklärt Andreas Franke von der Verkehrswacht. Seiner Ansicht nach sollten viel mehr ältere Verkehrsteilnehmer solche Angebote nutzen. „Wir bieten Sicherheitstage sowohl im Landkreis Teltow-Fläming als auch in Dahme-Spreewald an“, sagt er. Es gibt auch die Möglichkeit sich über die Berufsgenossenschaften und den ADAC schulen zu lassen.

„Viele haben Angst vor Gefahrensituationen. Das kann man üben“, so Franke weiter, „wer mit seinem Fahrzeug unterwegs ist, sollte es auch beherrschen.“ Er versucht alle drei Jahre an einem Tageslehrgag teilzunehmen, um sein Wissen aufzufrischen. Es gebe sogar Versicherungen, die ihre Beiträge in der Haftpflicht senken, wenn solche Nachweise erbracht werden.

Auch Bernhard Katritzki vom Fahrlehrerverband Berlin-Brandenburg lobt jede Schulung an denen Senioren teilnehmen, letztendlich ist es zu ihrem Schutz und zu ihrer Sicherheit. „Und Fahrlehrer sind ja dazu da, Wissen zu vermitteln“, sagt der Fahrlehrer aus Luckenwalde.

Dienstag und am Mittwoch der kommenden Woche bietet die Akademie 2. Lebenshälfte ab 9 Uhr in der Potsdamer Straße 2 in Luckenwalde „Seminare für ältere Kraftfahrer“ an.

Von Margrit Hahn

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