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Teltow-Fläming Seuchenherd im Fläming
Lokales Teltow-Fläming Seuchenherd im Fläming
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19:45 20.11.2013
Ohne Schutzanzüge geht gar nichts. Die Tierärzte begutachten die Tiere. FOTOs (3): MARION SCHULZ Quelle: Marion Schulz
Luckenwalde

Montagmorgen im Luckenwalder Kreishaus. Es ist fünf Minuten vor sieben, das Telefon klingelt. Kornelia Wehlan sitzt an ihrem Schreibtisch und sortiert ihre Post. Sie nimmt den Hörer ab, sie schluckt. Später wird sie sagen: „Ich bin fast aus meinen Schuhen gekippt, so schockiert war ich.“

Dabei war sie auf diesen einstudierten Satz gefasst, der sie erreichte und daraufhin eine groß angelegte Übung einleitete. Er lautete: „Frau Landrätin, es ist ein Fall von Maul- und Klauenseuche (MKS) im Kreis aufgetaucht.“ In einem Schweinemastbetrieb in Grüna sei die höchst ansteckende Krankheit festgestellt worden. „Ich wusste, dass dieser Fall nicht echt ist und trotzdem habe ich einen gewaltigen Schrecken bekommen“, erzählt die Landrätin.

Seither läuft im Kreishaus alles etwas anders als sonst. Rund 100 Leute, darunter 30 Tierärzte aus dem gesamten Land Brandenburg proben seither in Teltow-Fläming bei einer Landestierseuchenübung den MKS-Ernstfall. Sperrbezirke wurden eingerichtet, vielerorts wurde der Verkehr gestoppt, alles sollte so laufen, wie es auch in der Realität ablaufen muss.

Ein Trupp rückte nach Grüna aus, untersuchte die Tiere, verschickte Proben in ein Labor. Als die vermeintliche Krankheit dann als bestätigt erklärt wurde, ging die Arbeit erst richtig los. Wenn man gestern im Luckenwalder Kreishaus Amtsärztin Silke Neuling zuhörte, wurde klar, welcher Aufwand Katastrophenschutz bedeutet. Und auch, dass der Kreis ihn nicht allein bewältigen könnte. „Katastrophenschutz ist deshalb Gemeinschaftssache“, erklärte sie.

Ein gemeinschaftliches Projekt, dass bei der Simulation auch tatsächlich einigermaßen gut klappte. Der Kreis verständigte die umgehenden Landkreise und erhielt promt Rückmeldungen. „Man merkt, die kennen sich alle aus mit Landwirtschaft“, sagte Silke Neuling, die die Übung koordinierte. Nur von den beiden angrenzenden Berliner Bezirken Steglitz und Charlottenburg hörte sie nichts. „Mit denen werden wir noch einmal reden müssen“, ergänzte Neuling.
Doch zunächst wurden erst einmal Sperrbezirke gebildet, Dekontaminationszelte aufgebaut, vielerorts wurde der Verkehr gestoppt, „damit sich die Seuche nicht verbreiten kann“, sagte sie. Im Fall der Fälle muss alles rasend schnell gehen. Die Krankheit muss eingegrenzt und betroffene Tiere getötet werden. Gestern haben die Helfer dafür die Tierbestände erfasst.

Sie zogen sich einen Schutzanzug über, schlüpften in ihre Gummistiefel und zogen in die Betriebe aus, um zu zählen. Die Anzahl von der im Ernstfall betroffenen Tiere lässt einen erschauern. Das Ergebnis: Rund 120.000 Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen hätten in diesem simulierten Fall getötet werden müssen. Laut einer Berechnung haben Schlachter nicht mehr als eine Minute pro Tier.
MKS zählt in Deutschland zu den gefährlichsten Tierseuchen überhaupt, erklärte die Amtsärztin. Und das, obwohl die Krankheit das letzte Mal 1988 ausgebrochen ist. Die MKS-Viren sind höchst ansteckend, die Tiere müssen sich dafür nicht einmal besonders nahe kommen, der Wind weht sie von Vieh zu Vieh. Ein einziges Virus würde ausreichen, um den Viehbestand des gesamten Kreises auszurotten. Er verursacht hohes Fieber, Schaum vor dem Maul, entzündete Klauen – am Ende wartet der Tod.
Helmut Dornbusch, Geschäftsführer der Baruther Urstromtal Rinderhaltung, mag sich das gar nicht vorstellen. Der Landwirt hatte sich bereiterklärt, bei der Übung mitzumachen. Rund 1400 Rinder leben auf seinen Weiden. Insgesamt 14 Herden, alles Freilandtiere, sie begrüßten die Helfer mit einer Symphonie aus Muh-Lauten. So ganz schienen sie diesen Menschen allerdings nicht zu trauen, die gestern in weißen Schutzanzügen gehüllt anrückten. Von weitem betrachtet, sahen sie aus, wie eine Armee aus Michelin-Männchen. Die Rinder scheuten beunruhigt zurück.
„Wenn ich die alle auf einmal schlachten müsste, ich würde das psychisch nicht unbeschadet überstehen“, sagte Helmut Dornbusch, während die Helfer seinen Bestand erfassten, das Gewicht protokollierten und den Wert schätzten. Und dann stellte siech der Landwirt dieses Gräuel doch noch vor. Er sagte: „Das wäre ein riesiger Berg totes Fleisch. Unfassbar.“
In der Zwischenzeit hatten zahlreiche Mitarbeiter der Behörde im Kreishaus eine Art Schaltzentrale gebildet, aus der sie noch bis morgen die Einsätze koordinieren und Geräte und Hilfsmittel bestellen. „Endlich haben wir die Tötungszangen“, jubelte Ordnungsamtsleiter Günther Dube. Es folgten erleichterte Zwischenrufe seiner Kollegen und dann auch noch ein wenig Gelächter. Es war einer der wenigen Momente, in denen man merkte, dass es sich bei dem Seuchenalarm tatsächlich nur um eine Übung handelt und die Tötungszangen nicht gebraucht werden.

Von Marion Schulz

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