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Teltow-Fläming Sonderausstellung zeigt auch „Militärgeld“
Lokales Teltow-Fläming Sonderausstellung zeigt auch „Militärgeld“
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05:35 22.09.2018
Doreen Schulze und Klaus Wendt laden zu Besuch der Sonderausstellung und Kauf des Heimatkalenders ein. Quelle: Fotos: Frank Pechhold (2)
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Sperenberg

Spannende Spurensuche in der Sperenberger Heimatstube. Hier wurde am Freitag die von Klaus Wendt gestaltete Sonderausstellung „Geld im Wandel der Zeiten: Not-, Kriegs- und Ersatzgeld“ eröffnet. Zeitgleich stellte Doreen Schulze den Heimatkalender 2019 mit dem Titel „Forsthäuser und geheimnisvolle Orte im Wald“ vor.

„Auch die DDR hatte manchmal ihre liebe Not mit dem Geld“, so Wendt. Eine echte Rarität ist ein Militärgeldschein. „Darüber hat man sich 1980 zu Beginn der Polen-Krise Gedanken gemacht.“ Die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage in der damaligen Volksrepublik Polen führte im August 1980 zu einer massiven Streikwelle. Es kam zur Gründung der oppositionellen Gewerkschaft Solidarnosc. Vor allem in der sowjetischen Führung sah man darin eine Bedrohung. Bei einem geheim gehaltenen Treffen wurde im April 1981 sogar erwogen, dass die sozialistischen Verbündeten „Truppen entsenden“ könnten. Vorübergehend galt bei der Nationalen Volksarmee Ausgangssperre. Für den Ernstfall ließ die DDR Sondergeld drucken. Nicht mehr gültige Geldscheine mit der Jahreszahl 1955, die noch in der Staatsreserve lagen, seien mit dem Stempelaufdruck „Militär-Geld“ versehen worden, so Klaus Wendt.

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Gefängnisgeld überlebte Wiedervereinigung

„Merkwürdigerweise hat eine DDR-Währung die am 3. Oktober 1990 besiegelte Wiedervereinigung um ein Jahr überdauert“, so Wendt. Das 1974 eingeführte Gefängnisgeld war noch bis 1991 in den nun gesamtdeutschen Haftanstalten gültig.

Seltene Einblicke in die Geschichte zwölf regionaler Forsthäuser gewährt der Heimatkalender 2019. Standorte sind beziehungsweise waren unter anderem Alexanderdorf, Sperenberg, Gottow und Horstwalde. Autoren des Kalendariums sind der Klausdorfer Ralf Emmermacher, Elke Träger und Doreen Schulze aus Sperenberg. Das Trio wurde bei der Herstellung von Druckerei-Besitzer Robert Meier und Werbe-Fachmann David Süsselbeck unterstützt. „Die Arbeit an dem Kalender war mein Sommerurlaub“, so Doreen Schulze. Ausgangspunkt ihrer Recherchen sei eine alte Karte gewesen. Die habe sie sich zu Gemüte geführt. Auf dem Blatt waren alle einst auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Am Mellensee und in den angrenzenden Orten betriebenen Förstereien verzeichnet. „Beispielsweise gab es mitten im Wald die Försterei Raubusch“, so Schulze. Bereits 1933 wurde die bei Scharfenbrück (Nuthe-Urstromtal) gelegene Försterei wegen der Versuche an der sogenannten Schießbahn West von den Nazis umgesiedelt. Heute erinnert nur noch ein Trümmerhaufen an das ehemalige Forsthaus.

In Sperenberg kann man den Kalender in Heimatstube, Tankstelle, Druckerei, der Bäckerei Kirchner und beim Landhandel in Farbe (zehn Euro) oder schwarz-weiß (fünf Euro) kaufen. Der Reinerlös geht an den Heimatverein.

Von Frank Pechhold